

Hinspiel heute um 18 Uhr in Stuttgart, Rückspiel am 7. Oktober im Lindenhofstadion in Weingarten: Diese beiden Duelle gegen die Stuttgart Scorpions trennen Martin Körber vom Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse im American Football. Dabei fühlt sich der Sindelfinger erst seit zwei Jahren der amerikanischen Sportart zugehörig – es ist erstaunlich. „Als ich wegen meines Studiums nach Ravensburg gezogen bin, habe ich mich zunächst der zweiten Mannschaft des TSV Berg angeschlossen, um dort zu kicken“, sagt Martin Körber „Dann haben mich Kommilitonen gefragt, ob ich nicht mal Lust hätte, beim Football vorbeizuschauen.“ So kam das.
So überraschend und ungeplant der Wechsel der Sportart für Martin Körber auch kam, heute Abend sowie in zwei Wochen schreibt er mit seinen Mitspielern am erfolgreichsten Kapitel der Vereinsgeschichte weiter. Die Razorbacks, was man aus dem Englischen mit „verwilderte Hausschweine“ übersetzen kann, waren nämlich noch nie Teil der höchsten deutschen Spielklasse, der zweigeteilten German Football League. Als Meister der GFL 2 Süd spielen die Ravensburger gegen die Scorpions, den Vize-Meister der Jahre 2007 und 2008, der die diesjährige GFL Süd als Tabellenletzter beendet hat. „Das ist der absolute Wahnsinn“, kann Martin Körber sein Glück kaum fassen.
Dass er von diesem Traum im Fußball weit entfernt war, gibt der 22-jährige, ehemalige Jugendkicker des VfL Sindelfingen unumwunden zu. Im Fitnessstudio und am Kraft bolzen fand er schon seit einigen Jahren mehr Erfüllung. Und da in der Offseason, wenn der Liga-Alltag von Oktober bis März pausiert, der American Football-Tross seine Zeit an den Kurz- und Langhanteln verbringt, konnte Martin Körber zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. „Ich wusste gleich, dass ich meinen Sport gefunden habe.“ Das untermauerte er mit einem Versprechen gegenüber seinem Vater. „Ich habe ihm gesagt, dass ich versuchen werde, die höchste Liga zu erreichen.“
Gesagt, und fast getan. An normalen Wochentagen schließt sein Vater Jörg „Done“ Körber die Türen im Familienbetrieb in der Ziegelstraße und bringt mit seinem Trainerkollegen Ibrahim Karayel den VfL Sindelfingen II in der Kreisliga A II wieder in die Spur. Heute Abend läuft das anders ab. Dann steigt er in den Wagen, fährt ins Gazi-Stadion und bringt reichlich ehemalige Mitspieler seines Sohnes mit. „Mein Vater hat kräftig die Werbetrommel gerührt. Ich denke, dass heute einige Bekannte und Freunde vorbeischauen werden.“ Am wichtigsten ist Martin Körber aber der Besuch seines Vaters. „Wenn er bei meinen Spielen zuschaut, dann bin ich doppelt so gut.“
In der abgelaufenen regulären Saison war Martin Körber richtig gut. Auch wenn er nur sieben der 14 Spiele absolvieren konnte. Ein Außenbandriss im Knöchel und eine Gehirnerschütterung waren der Grund. „Wenn ich aber fit war, dann habe ich auch gespielt“, bemerkt er ganz selbstbewusst. Und das als einer der Defensive Backs – entweder als Safety oder als Cornerback –, deren Hauptaufgabe die Verteidigung des gegnerischen Passspiels ist. Während der gegnerische Spieler das Football-Ei fangen muss, wird der Sindelfinger in Diensten der Razorbacks schon dafür gefeiert, wenn er seinen Gegenspieler genau daran hindert. Der Spaßfaktor? „Ich bin richtig infiziert vom American Football.“
Diese Infektion führte bei Martin Körber soweit, dass er Anfang des Jahres, während seines Auslandssemesters in Mexiko, beim American Football-Team in San Luis Potosi anfragte, ob er mittrainieren und sich fit halten dürfe. Er durfte. Und hatte damit zwei Monate Football-Training mehr absolviert, als seine daheimgebliebenen Ravensburger Mannschaftskollegen, die sich zur selben Zeit noch im Eisenbiegen im Studio übten. „Das war klasse, dass ich mitmachen durfte. Ich hatte dann einen deutlichen Vorsprung was den Bewegungsablauf betrifft“, sagt der Sindelfinger.
Diese Bewegungen gilt es auch heute gewinnbringend einzusetzen. Martin Körber freut sich auf sein gefühltes Heimspiel und wünscht sich „volle Ränge. Wenn ich sehe, was in unserem Stadion los ist, wenn dort 2000 Zuschauer sind, bekomme ich eine Gänsehaut.“ Aber egal, wie viele Football-Fans auch ins Gazi-Stadion strömen, für die Gäste aus Ravensburg gilt es in erster Linie, sich eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel zu schaffen. Martin Körber ist guter Dinge: „Wir sind heiß auf dieses Duell und wir alle wollen hoch in die GFL.“
Edip Zvizdiç ist Fan der Buffalo Bills. Diese schafften das Kunststück, von 1991 bis 1994 vier Endspiele in Folge zu verlieren, ehe der Niedergang begann. Deshalb hält er seit Mitte der 1990er auch zu den New England Patriots.



