

Kreis Böblingen. Rund 28 000 Handwerksbetriebe in Baden-Württemberg stehen in den kommenden fünf Jahren vor einer Übergabe oder Schließung. Das zeigt eine Sonderumfrage von Handwerk BW. Mit der neuen „Unternehmensbörse Handwerk“ soll die Nachfolgesuche erleichtert werden. Zugleich fordern die baden-württembergischen Handwerkskammern und Handwerk BW, erfolgreiche Programme wie „Next Generation Handwerk“ dauerhaft fortzuführen.
In Baden-Württemberg ist die neue Unternehmensbörse Handwerk gestartet. Die acht Handwerkskammern im Land bringen damit Betriebsinhaber sowie Nachfolgeinteressierte gezielter zusammen. Für das baden-württembergische Handwerk ist das ein wichtiger Baustein, um den Generationenwechsel zu sichern. „Die Nachfolgefrage entscheidet darüber, ob funktionierende Handwerksbetriebe erhalten bleiben oder vom Markt verschwinden. Jeder Betrieb, der mangels Nachfolge schließen muss, bedeutet den Verlust von Arbeitsplätzen, Ausbildungsplätzen, ortsnaher Versorgung und wertvollem Know-how. Deshalb braucht es eine leistungsfähige Beratung mit mehr digitaler Vermittlung“, sagt Rainer Reichhold, Präsident von Handwerk BW.
Über die Unternehmensbörse können Betriebsinhaber kostenfrei Inserate veröffentlichen. Nachfolgeinteressierte können individuelle Suchprofile anlegen. Eine intelligente Matching-Funktion gleicht verifizierte Betriebe und Interessierte anhand von Kriterien wie Gewerk, Region, Qualifikation oder Betriebsgröße ab. Nutzerinnen und Nutzer erhalten passende Vorschläge, sobald ein Inserat zu ihrem Profil passt.
„Mit Next Generation Handwerk machen wir Mut zur Selbstständigkeit: Sein eigener Chef sein, seine eigenen Ideen verwirklichen und etwas schaffen, das bleibt. Mit unserer Unternehmensbörse bieten wir optimale Vermittlung und Beratung aus einer Hand“, sagt Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart. „Bis zu 5000 Betriebe in der Region Stuttgart suchen in den nächsten fünf Jahren echte Unternehmer als Übernehmer.“
Die Unternehmensbörse ist eng mit den Beratungsteams der Handwerkskammern verzahnt. Die Experten begleiten Betriebe und Nachfolgeinteressierte bei Fragen der Unternehmensbewertung, Finanzierung, rechtlichen Ausgestaltung und betriebswirtschaftlichen Planung: „Wer den Schritt in die Selbstständigkeit plant, muss nicht bei null anfangen. Die Übernahme eines bestehenden Betriebs bietet eingespielte Teams, gewachsene Kundenbeziehungen und bewährte Strukturen“, so Reichhold.
Die Unternehmensbörse und die Übergabeberatung sind Teil des Projekts Next Generation Handwerk, gefördert durch das Ministerium für Wirtschaft, Handwerk und Tourismus Baden-Württemberg im Rahmen der Kampagne „Nachfolge BW“. Die baden-württembergischen Handwerkskammern und Handwerk BW fordern, dieses erfolgreiche Unterstützungsangebot dauerhaft fortzuführen. „Programme wie Next Generation Handwerk oder auch die Übergabeberatung der handwerkseigenen Beratungsgesellschaft BWHM dürfen nicht auslaufen. Wer die Zukunft des Handwerks sichern will, muss Betriebsnachfolgen genauso fördern wie Existenzgründungen“, betont Reichhold.
Info: Wer einen Handwerksbetrieb übernehmen oder einen Nachfolger finden möchte, kann sich ab sofort kostenfrei auf der Unternehmensbörse Handwerk registrieren: www.nachfolge-im-handwerk.de



