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Renningen: Förster Rolf Maier gibt den Stadträten beim Waldbegang Einblick in den Zustand des Gemeindewalds

Nur die Eschen machen Sorgen

Auf Markung Renningen gibt es 800 Hektar Gemeindewald und 200 Hektar Staatswald. Bei idealem Wetter informierte Rolf Maier von der Renninger Forstverwaltung den Gemeinderat über den Zustand des Renninger Gemeindewaldes. Bürgermeister Wolfgang Faißt nagelte die erste Plakette „Biotopbaum“ an eine erhaltenswerte Eiche.
Von unserem Mitarbeiter Heinz Richter
Einen Waldzustandsbericht bekamen die Renninger im Gemeindewald von Förster Rolf Maier.  Bild: Richter

Einen Waldzustandsbericht bekamen die Renninger im Gemeindewald von Förster Rolf Maier. Bild: Richter

In diesem Jahr ging es bei der Informationsfahrt durch den Renninger Wald zunächst in den Bergwald, später in den Walddistrikt Hardt und zu den neu geschaffenen Waldbiotopen Längenbühl, Lerchenberg und Schönlau. Aber es ging auch um die Zwischenbilanz des 10-Jahres-Waldplanes, der nun knapp über fünf Jahre läuft.

Der Bergwald ist typisch für den Renninger Wald: 55 Prozent Buche, 15 Prozent Esche, zehn Prozent Eiche, fünf Prozent Douglasie und Kiefer. Rolf Maier erklärte den Stadträtinnen und Stadträten, wie so eine Rückegasse, die zur Abfuhr der Stämme verwendet wird, funktioniert. Rote Punkte kennzeichnen die sogenannten Gassenbäume. Dazwischen darf das Holz abgefahren werden.

Brennholz ist gefragt

„Die Flächenlose für Brennholz sind extrem nachgefragt“, betonte der Förster. Aber Holz wird im Wald nicht mehr von denjenigen geholt, die kein Geld haben, sondern als Ausgleich vom Job. „Manche haben dadurch auch einen Grund, einen kleinen Traktor anzuschaffen“, erklärte Rolf Maier lachend. Insbesondere wenn ausländische Mitbürger Flächenlose erwerben, rückt die ganze Familie zur Waldarbeit an. Die Regeln mit der Rückegasse sind streng. Wer diese ausgewiesenen Wege mit seinem Fahrzeug verlässt, der bekommt in Renningen kein Flächenlos mehr.

Förster Maier erklärte, wie es zu schützenswerten Bäumen kommt. Ist ein Horst auf dem Baum oder eine Spechthöhle zu sehen, ist der Baum automatisch von der Fällung ausgeschlossen. Ein Querstrich mit zwei Flügeln, ähnlich einem F kennzeichnet diese Bäume bislang. Die Wege im Renninger Wald bezeichnete Rolf Maier als die besten im Umkreis von 30 Kilometern.

Am Rande wurde auch über das schwere Unglück nahe Sindelfingen gesprochen, mit dem Baum, der auf ein durchfahrendes Auto fiel und zwei Frauen tötete. „Die Eiche in Sindelfingen war vom gleichen Pilz betroffen wie die Martin-Luther-Eiche in Renningen“, erklärte der Förster. Vom zuständigen Straßenwart weiß Rolf Maier, dass der 14 Tage vor dem Unfall genau an der Stelle, an dem später das Unglück geschah, die Bäume geprüft hatte. Möglichenfalls habe, so mutmaßt der Förster, der Sturm Wurzeln weggerissen und der Baum fiel um. „Zu 100 Prozent vermeiden kann man es nicht“, so Bürgermeister Faißt. Renningen hat einige Durchgangsstraßen, darunter die B 295, die ständig kontrolliert werden müssen. „Das kostet wahnsinnig Zeit“, sagte der Bürgermeister.

In Sindelfingen sei für die Baumkontrolle extra jemand eingestellt worden. Der Bürgermeister berichtete von einem Baum auf einem Spielplatz mit einer Außenschicht von drei Zentimeter Holz, der Rest war verfault. Der Baum wurde sofort gefällt.

Förster Maier berichtete von Problemen, die man seit einiger Zeit mit Eschen habe. Die Gipfeltriebe sterben ab, die Krone trocknet aus und in der Folge fault der Baum bis an die Wurzel. Auf die Frage, warum überall noch Äste im Wald herumliegen, erklärte Maier, man lasse einige Hölzer als Nährstofflieferanten nach dem Aufforsten liegen. „Den früher wie geschleckt aussehenden Wald will man nicht mehr.“