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Böblingen: SPD-Stadtverband ernennt Erika Kreh und Siegrid Bornemann zu Böblingerinnen des Jahres

Respekt über alle Fraktionsgrenzen hinweg

Zum fünften Mal hat der SPD-Stadtverband bei einer Feier im Kulturnetzwerk Blaues Haus zum Weltfrauentag die Ehrung „Böblingerin des Jahres“ verliehen. Diesmal fiel die Wahl auf zwei prägende Frauen der Böblinger Kommunalpolitik, die SPD-Altstadträtin Erika Kreh und die CDU-Altstadträtin Siegrid Bornemann.
Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber

Erika Kreh gehörte von 1968 bis 1992 dem Böblinger Gemeinderat an und fungierte dort viele Jahre als SPD-Fraktionsvorsitzende. 1992 wurde der heute 83-Jährigen die Ehrenmedaille der Stadt in Gold verliehen. Als „Grande Dame der Böblinger Sozialdemokratie“ bezeichnet der Vorsitzende des SPD-Stadtverbands, Florian Wahl, Erika Kreh in seiner Laudatio. Mit ihrer Klugheit und Besonnenheit habe sich Kreh bei ihrer kommunalpolitischen Tätigkeit Respekt über alle Fraktionsgrenzen hinweg verdient.

Siegrid Bornemann saß von 1984 bis 1994 für die CDU im Gemeinderat und führte von 1981 bis 1987 als erste Frau den Böblinger CDU-Stadtverband. Für ihr vielfältiges ehrenamtliches Engagement (unter anderem in der Senioren-Union und dem Montagstreff) wurde der heute 84-Jährigen 1999 die Landesehrennadel verliehen, 2008 das Bundesverdienstkreuz. „Insgesamt kommen bei Siegrid Bornemann über 100 Jahre ehrenamtliches Engagement zusammen“, so Florian Wahl.

Immer ein kleines bisschen besser vorbereitet als die männlichen Kollegen habe man sein müssen, um sich als Frau durchzusetzen, erzählt Erika Kreh von ihren Anfängen im Böblinger Gemeinderat. Ihr Motto sei damals gewesen: „In Böblingen gibt es keine Studenten-Revolte, in Böblingen gibt es Erika Kreh.“

Um den mit ihr zusammen insgesamt zwei Frauen im Gemeinderat Herr zu werden, habe man kurzerhand die beschließenden Ausschüsse verändert, so Kreh: Die weiblichen Gemeinderäte kamen in den Verwaltungsausschuss, dem bis auf die Kindergärten alle Kompetenzen entzogen wurden. Über die restlichen Themen verhandelten die Männer im Finanzausschuss unter sich.

Lange ließen sich die Frauen das nicht gefallen: Die Auflösung des Verwaltungsausschusses wurde durchgesetzt, die weiblichen Gemeinderäte in den anderen Ausschüssen an den Entscheidungen beteiligt. Die Wogen glätteten sich, als 1971 zwei weitere Frauen in die SPD-Fraktion gewählt wurden. „Die Arbeit im Gemeinderat wurde lockerer durch die Frauen“, sagt Erika Kreh, „und die Treffen nach den Sitzungen arteten nicht mehr in reine Sauferei-Abende aus.“ Dabei habe es die Männer zunächst durchaus entsetzt, in der Kneipe Frauen mit am Tisch sitzen zu haben.

„Die Männer wollten gar nicht, dass ihre Frauen zu viel wussten“, beschreibt Siegrid Bornemann das damalige Verhältnis der Geschlechter: „Frauen waren nur gut als Schmuck ihrer Männer.“ Dem Engagement im Hausfrauenbund, in dem sich sowohl Siegrid Bornemann als auch Erika Kreh einbrachten, sei deswegen eine wichtige Bedeutung zugekommen: Hier konnten unter anderem Bildungsprogramme für Frauen organisiert werden. „Es war erstaunlich, wie sich die Frauen dort veränderten“, so Bornemann: „Sie kamen schüchtern und lernten das freie Reden und Selbstwert.“ Es sei erstaunlich, wie viel sich in den letzten 40 Jahren verändert habe.

Noch vieles weitere müsse sich ändern, sagt die als Ehrengast geladene Vizepräsidentin des Europaparlaments, die SPD-Politikerin Evelyne Gebhardt: „Viele Strukturen in der Gesellschaft sind nach wie vor so, dass Frauen davon abgehalten werden, sich einzubringen.“ Der im SPD-Grundsatzprogramm festgeschriebene Satz sei deswegen unverändert aktuell: „Wer eine menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden.“

Gespräche mit den Böblingerinnen des Jahres (von links): Evelyne Gebhardt (Vizepräsidentin des Europaparlaments), Jasmina Hostert, Erika Kreh und Siegrid Bornemann. Bild: Staber