

Für so viele Personen aus Kirche, Politik und Wirtschaft reichte die Stadthalle in Holzgerlingen nicht aus, wo der Verlag seit Anfang dieses Jahrhunderts sein Stammhaus hat. So begann das Fest am Freitag mit einem Gottesdienst in der Sindelfinger Martinskirche.
Pfarrer Rainer Holweger aus Herrenberg, Geschäftsführer der Gruppierung „Lebendige Gemeinde“, führte durch die Liturgie, Dr. Hans-Joachim Eckstein – bis 2006 Professor für Neues Testament in Tübingen und Heidelberg – hielt die Predigt und der Böblinger Kantor Eckhart Böhm sorgte mit Johann Sebastian Bach für den festlichen Rahmen. Dazwischen spielte Manfred Sie–bald eigene und Lieder anderer Komponisten des Hänssler-Verlags.
Auch Eckstein hat mit Büchern und Liedern in Holzgerlingen eine Verlagsheimat gefunden. Die Fürbitten der Aidlinger Schwester Heidemarie Führer und von Joachim Zinser galten dem Verlag und seiner Belegschaft.
In der Sindelfinger Stadthalle begrüßte Geschäftsführer Ulrich Eggers die Versammelten. Einer fehlte: Der 92-jährige Friedrich Hänssler jun. war erkrankt. So las ein Freund, der in Berlin beim Gebetsfrühstück für Politiker mitarbeitet, seine Rede vor. Hänssler dankte darin für die Führung und Bewahrung in all den Jahren und schrieb: „Das Schönste für mich ist, dass ich als Verleger dazu beitragen kann, dass Christus gehört und gelesen werden kann.“
Seit sein Vater in Plieningen den Musikverlag gründete, habe sich das Ziel nicht verändert: „Wir wollen Botschafter und Wegzeiger sein zu Gott“. Das Lied „Auf Adlers Flügeln getragen“ wurde übrigens ein Bestseller. Hänssler erinnerte sich daran, dass er als Achtjähriger in die Besenkammer gesperrt wurde, weil er dem Lehrer nicht den Hitler-Gruß gesagt hatte, und in Leipzig in einem Stasikeller verhört wurde.
Gott habe ihn etliche Male beschützt und auch seinen Vater im richtigen Moment vor dem KZ bewahrt. Er dankte allen Autoren und zitierte Ludwig Hofacker, dessen Predigten in 52 Auflagen bei ihm verlegt wurden: „Werdet in Eurer Mission keine Herren. Der Heiland braucht Tagelöhner.“
Der Unternehmer Professor Dr. Friedhelm Loh, der ehrenamtlich die Stiftung SCM führt, unter deren Dach neben mehreren Verlagen auch Hänssler geschlüpft ist, hielt die Festrede. An Hänssler gewandt, für den die Veranstaltung als Video-Film aufgezeichnet wurde, sagte er: „Der beste Radiergummi der Welt kann ihre Spuren nicht auslöschen. Sie sind ein Mutmacher, Sie haben auch in schwierigen Situationen nie locker gelassen. Danke, Bruder Hänssler, für Ihr prägendes Vorbild.“
Der CDU-Politiker Volker Kauder, dessen Buch „Religionsfreiheit“ im Hänssler-Verlag erschien, erinnerte an die Weimarer Verfassung vor 100 Jahren: „Die Weimarer Republik ist nicht an den Nazis gescheitert, sondern an zu wenigen Demokraten. Heute ist nicht die Frage, wie viele Muslime hier leben, sondern wie viele aufrechte Christen.“ Deutschland sei ein Missionsland geworden, deshalb sei die Verlagsgruppe nötig.
Vertriebschef Klaus Jost, der besonders Ursula Hänssler (Bild: Lück) als starke Frau hinter ihrem Mann begrüßte, sagte, die Firma sei im Umbruch. Junge Leute läsen nur noch digital. Aber mit fünf Millionen Produkten im Jahr und 380 Mitarbeitern für die fünf Verlagsmarken bescheinigte Eggers der Firma einen guten Stand.
Viele Musiker und Autoren, die dazugehören, bestritten anschließend ein abwechslungsreiches Programm, wie Albert Frey und seine Band, Gerhard Schnitter und die vier Hammer-Brüder sowie Sarah Lauser, Cornelia Mack, Peter Strauch und Andreas Boppart.

