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Solistin Anja Tschamler muss absagen

Sindelfingen: Ersatzsängerin erweist sich als Glücksgriff

Letztes Konzert auf dem Herrenwäldlesberg / Vogelgezwitscher über stillem Land / Starker Tobias Becker- charmante Laura Kipp
Von Peter Maier
Mit Laura Kipp gastierte am Samstagabend ein aufgehender Stern am Jazzhimmel auf der Sindelfinger Naturbühne.  Tatkräftig unterstützt von Pianist Tobias Becker und seiner Combo.     Bild: Nau

Mit Laura Kipp gastierte am Samstagabend ein aufgehender Stern am Jazzhimmel auf der Sindelfinger Naturbühne. Tatkräftig unterstützt von Pianist Tobias Becker und seiner Combo. Bild: Nau

Sindelfingen. „Alles richtig gemacht und dazu noch Glück gehabt“, so bilanziert Markus Nau, als Musikdirektor mitverantwortlich für die kleine Konzertreihe auf dem Sindelfinger Herrenwäldlesberg.

Dabei hatte es es vor dem dritten und letzten Abend nicht nur am Himmel eher düster ausgesehen, musste doch die ursprünglich geplante Solistin Anja Tschamler coronabedingt absagen. Aber Pianist Tobias Becker, bestens vernetzt in der (auch Stuttgarter) Jazzszene, hatte im wahrsten Sinne des Wortes noch ein Ass im Ärmel. Mit Laura Kipp gastierte am Samstagabend ein aufgehender Stern am Jazzhimmel auf der Sindelfinger Naturbühne.

Anders als geplant

Inhaltlich verlief der Abend natürlich anders als ursprünglich geplant, aber was dem zahlreich erschienenen Publikum geboten wurde, war Jazz vom Feinsten. Ein sichtlich gut gelauntes und vor allem spielfreudiges Quartett rund um Lokalmatador Tobias Becker am Klavier präsentierte neben einigen Standards vor allem Eigenkompositionen, die in den letzten beiden Jahren entstanden sind. Dazu lässt sich schlicht feststellen, dass große Katastrophen wie die Pandemie in kreativen Musikern auch große kreative Kräfte freisetzen können.

Zum zweiten Set „schwebte“ dann Laura Kipp geradezu durch die Bäume auf die Bühne. Dort angekommen, entwickelte die junge Stuttgarter Sängerin, die mittlerweile in Paris lebt, eine faszinierende Präsenz. Mit ihrer leichten, warmen und wandlungsfähigen Stimme kann sie von Balladen über Blues bis hin zu schnellen und rhythmischen Nummern alles singen. Beim Zuhören fühlt man sich ein bisschen an Norah Jones oder Katie Melua erinnert- allerdings mit einem bereits jetzt ganz eigenen musikalischen Profil.

Atmosphärisch sehr dicht

Gemeinsam mit Bassist Jens Loh hat sie soeben das Album „Quiet Land“ herausgebracht, und damit bestritt sie auch weitgehend das weitere Programm. Kongenial unterstützt von Eckhard Stromer am Schlagzeug und Christoph Beck am Saxofon verbreitete „Laura“ in der einbrechenden Dämmerung auf dem Herrenwäldlesberg bei gelegentlichem Vogelgezwitscher eine geradezu magische Stimmung. Die Zugabe, ein Abendlied, war atmosphärisch sehr dicht, dementsprechend frenetisch klang der Schlussapplaus, der nach einem Moment der Stille die Spannung auflöste.