Sindelfingen: Lebensretter gesucht
Sindelfingen. In der Mercedesstraße in Sindelfingen bricht am 22. Februar gegen 12.50 Uhr der 59-jährige Bernhard Schoengarth zusammen. In der Nähe des Bahnhofs sind öfter Betrunkene zugegen. Als Passant hätte man annehmen können, dass der Mann wegen übermäßigen Alkoholkonsums gefallen war. Wie sich allerdings später im Krankenhaus herausstellt, erlitt er Herzrhythmusstörungen.
Hasan Mutlu ist mit seinem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit und reagiert sofort. Er legt den Kopf von Bernhard Schoengarth auf seinen Schoss und versucht mit ihm zu sprechen. „Er konnte noch kurz sagen, dass nichts passiert sei, doch im nächsten Augenblick war er nicht mehr bei Bewusstsein“, so Hasan Mutlu zu dem Vorfall.
Erste-Hilfe-Kurs ist Jahre her
Im nächsten Moment kommen zwei junge Männer dazu. Hasan Mutlu schätzt sie auf 18 bis 20 Jahre. Einer von ihnen habe dunkle Haut. Der eine wählt den Notruf. Hasan Mutlu und der andere Mann beginnen auf Anweisung des Notrufes mit der Wiederbelebung. Damit stellen Hasan Mutlu und die beiden Unbekannten unter Beweis, dass man kein Sanitäter sein muss, um einem anderen Menschen das Leben zu retten: „Meinen letzten Erste-Hilfe-Kurs habe ich – wie wahrscheinlich die meisten – vor meinem Führerschein gemacht. Die Anweisungen der Ärzte am Telefon haben mir geholfen“, so Hasan Mutlu.
Sieben Minuten nach dem Notruf trifft der Krankenwagen in der Mercedesstraße ein und bringt Bernhard Schoengarth ins Krankenhaus. Dort wird er zunächst in ein künstliches Koma gelegt. Mittlerweile ist er wieder wach und auf dem Weg der Besserung. „Im Krankenhaus haben Sie uns gesagt, dass mein Bruder ohne diese vorbildhafte Wiederbelebung gestorben wäre. Er hat zwar acht gebrochene Rippen, aber die Ärzte haben gesagt, das sei nur ein Zeichen dafür, wie gut die Herzmassage ausgeführt wurde“, so die Schwester Gabi Salas Rodriguez.
Kontaktaufnahme erbeten
Am 23. Februar startet Gabi Salas Rodriguez einen Aufruf über Facebook. Sie kommt mit Herrn Mutlu in Kontakt. Dieser kennt die anderen beiden Männer nicht. Der Schwester des Geretteten ist es wichtig, die beiden unbekannten Helfer zu finden. Falls man selbst an der Rettung beteiligt war oder eine der gesuchten Personen kennt, bittet sie um Kontaktaufnahme über ihr Facebook-Profil: www.facebook.com/groups/529641030411341/user/100000044543332/
„Wir sind einfach so voller Dankbarkeit und Liebe. Die Helfer haben uns vor großem Leid bewahrt. Auch meinem Bruder ist es wichtig mit ihnen zu sprechen. Er fragt mich die ganze Zeit, ob ich sie schon gefunden habe“, so Gabi Salas Rodriguez.
Unter dem Facebook-Aufruf haben sich mittlerweile zahlreiche gute Wünsche und Grüße an Bernhard Schoengarth und seine Familie gesammelt. In vielen Posts klingt die Dankbarkeit über die Zivilcourage der drei Helfer durch. Der 53-jährige Hasan Mutlu möchte jedem Menschen ans Herz legen in solchen Situationen sofort zu handeln: „Nach dieser Aktion wurde mir wieder bewusst, dass der Tod unser ständiger Begleiter ist. Jede Sekunde kann über Leben und Tod entscheiden.“


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