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Kreis Böblingen

So bleibt das Handwerk erfolgreich

Betriebsbesuche von Handwerkskammer Region Stuttgart und Kreishandwerkerschaft Böblingen in Darmsheim und Herrenberg.
Von unserer Redaktion
Bei Gann & Raith Metallbau: Geschäftsführer Ewald Hutter (zweiter von links) erklärt die Feinheiten der Edelstahlverarbeitung Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (links), seinem Stellvertreter Christoph Gräter (zweiter von rechts) und Kreishandwerksmeister Hartmut Nietsch.

Bei Gann & Raith Metallbau: Geschäftsführer Ewald Hutter (zweiter von links) erklärt die Feinheiten der Edelstahlverarbeitung Peter Friedrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer (links), seinem Stellvertreter Christoph Gräter (zweiter von rechts) und Kreishandwerksmeister Hartmut Nietsch.

Bild: Handwerkskammer Region Stuttgart

Kreis Böblingen. Wie behauptet sich das Handwerk in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten? Dieser Frage ging eine Delegation der Handwerkskammer Region Stuttgart bei Betriebsbesuchen im Landkreis Böblingen nach. Hauptgeschäftsführer Peter Friedrich, Kreishandwerksmeister Hartmut Nietsch, Ehrenkreishandwerksmeister Wolfgang Gastel sowie Vertreter der Innungen und Stadtverwaltungen besuchten drei Unternehmen mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen.

„Wir wollen direkt an der Basis, bei den Betrieben, horchen, was gerade die größten Herausforderungen sind, wo wir stärker unterstützen können, aber auch erfahren, was gut läuft“, erläuterte Peter Friedrich das Ziel der Besuche.

Weltweite Nachfrage

Erste Station war Buhl Maschinenbau im Darmsheimer Gewerbegebiet Häslach. Das Unternehmen ist auf Drehen, Fräsen, Schleifen und Schweißen spezialisiert und fertigt individuelle Einzelteile, die weltweit gefragt sind. Für die Automobilindustrie produziert der Betrieb unter anderem Verschlusssysteme für Anlagen, die eine sichere Wartung ermöglichen.

Geschäftsführer Andreas-Reinhard Theil übernahm den Betrieb 2013. Nach seiner Auswanderung aus Rumänien begann er 1990 als Dreher im Unternehmen, machte später den Meistertitel und wurde schließlich Firmenchef. „Wir wissen, was wir machen“, sagte Theil. Sein Vorgänger Werner Buhl erklärte: „Ich bin stolz darauf, wie er den Betrieb nahtlos weitergeführt und weiterentwickelt hat.“ Dank der Spezialisierung sei die Auftragslage mit acht Mitarbeitenden derzeit stabil. Schwieriger sei es, Ausbildungsplätze zu besetzen. „Die wenigen Bewerbungen, die reinkommen, sind oft unzureichend. Häufig fehlt es an grundlegenden Kenntnissen in Mathe und Rechtschreibung“, berichtete Andreas-Reinhard Theil.

Direkt nebenan empfing Gann & Raith Metallbau die Delegation am 2023 bezogenen Standort. Geschäftsführer Ewald Hutter präsentierte den großen Showroom: „Es war schon immer mein Traum, so eine große Ausstellung zu haben.“ Der Betrieb fertigt unter anderem Überdachungen, Haustüren, Balkone und Geländer für Privatkunden. Hutter begann 1992 mit einer Schlosserausbildung im Unternehmen, legte 2000 die Meisterprüfung ab, wurde 2007 Gesellschafter und führt den Betrieb seit 2014 allein.

Sehr gute Auftragslage

Die Auftragslage sei aktuell sehr gut. Der Trend, in das eigene Zuhause zu investieren, habe während der Corona-Pandemie begonnen und halte an. „Wir erhalten eine große Wertschätzung für unsere Arbeit von den Privatkunden“, sagte Hutter. Sindelfingens Oberbürgermeister Markus Kleemann lobte: „Dass Sie gute Arbeit leisten, ist die beste Werbung, das spricht sich herum.“ Zwei Auszubildende starten im Herbst, auch für die Unternehmensnachfolge gibt es bereits Pläne.

Zum Abschluss besuchte die Delegation Bäcker Baier in Herrenberg-Gültstein. Das 1835 gegründete Familienunternehmen beschäftigt heute 170 Mitarbeitende aus 34 Nationen. „Vor zehn Jahren habe ich meinen Lebenstraum verwirklicht und das Backhaus gebaut“, sagte Geschäftsführer Jochen Baier. Zum Sortiment gehören unter anderem Schwäbische Brezeln, Burger, Backwaren und handwerklich gefertigtes Eis.

Neben dem Backhaus betreibt Bäcker Baier einen Stand in der Stuttgarter Markthalle, einen mobilen Verkaufswagen und Fachgeschäfte an zwei Standorten. „Wir müssen wachsen, weil sich die Kosten immer weiter erhöhen“, erklärte Jochen Baier. Das Backhaus wird mit 100 Prozent Ökostrom betrieben, 20 Prozent davon kommen direkt vom Firmendach. Zudem nutzt das Unternehmen Künstliche Intelligenz, um Produktionsmengen mehrere Tage im Voraus zu kalkulieren und Mitarbeitende per App in mehreren Sprachen zu informieren.