

Kreis Böblingen. Die hohen Preise an den Tankstellen beunruhigen Verbraucher. Und der Tankstellenverband rechnet nicht mit einer schnellen Entspannung der Lage. Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) erwartet, dass der zwischenzeitig über 100 Dollar gestiegenen Ölpreis umgehend an die Autofahrer weitergeben werde. „Ich fürchte, die Ölkonzerne reichen die hohen Ölpreise sofort weiter und erhöhen die Spritpreise noch stärker“, sagte TIV-Sprecher Herbert Rabl der „Rheinischen Post“.
„Die Vermutung drängt sich auf, dass die Mineralölkonzerne den deutschen Markt nutzen, um zu sehen, was geht: Auch 2,50 Euro und sogar mehr pro Liter sind am Ende denkbar“, so Herbert Rabl. Zur Ausgangslage: Am Montag, 9. März, kostete nun auch Superbenzin der Sorte E10 im bundesweiten Tagesdurchschnitt mehr als 2 Euro pro Liter: Super E10: 2,028 Euro und Diesel: 2,171 Euro
„Dass Super E10 im Tagesdurchschnitt über 2 Euro lag, war Ende Mai 2022 letztmals der Fall. Diesel war letztmals am 1. September 2022 höher“, informiert Julian Häußler, Sprecher ADAC Württemberg.
Der ADAC wirft der Mineralölwirtschaft eine unangemessene Preissetzung an den Tankstellen vor. „Die Mineralölwirtschaft hat den Anstieg des Rohölpreises ohne Zeitverzug an die Verbraucher weitergegeben, bevor die höheren Kosten überhaupt angefallen sind. Die Tanklager waren noch voll mit zu niedrigeren Ölpreisen erworbenen Kraftstoffen. Deshalb ist vor allem der mit dem Beginn der Irankrise erfolgte Anstieg der Benzinpreise aus Sicht des ADAC unverhältnismäßig“, kritisiert Julian Häußler.
Positiv sieht der ADAC, dass die Koalitionsfraktionen eine Task Force zur Entwicklung der Energiepreise eingesetzt haben. „Die Politik sollte zeitnah eine vorübergehende Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe prüfen, um die Zusatzbelastungen der Autofahrer für die Dauer der Krise zu begrenzen“, so der ADAC.
Diesel könnte auf den EU-Mindeststeuersatz für Energie abgesenkt und Benzin vergleichbar reduziert werden. „Das würde für etwa 15 Cent Entlastung je Liter Kraftstoff sorgen“, macht Julian Häußler deutlich.
Der ADAC begrüßt zudem, dass das Bundeswirtschaftsministerium eine kartellrechtliche Prüfung der Preissprünge an den deutschen Tankstellen infolge des Irankriegs angekündigt hat.
Könnte die aktuelle Situation den Umstieg auf alternative Antriebe beschleunigen? „Beim ADAC Württemberg verzeichnen wir bereits seit Anfang des Jahres einen verstärkten Beratungsbedarf zur Elektromobilität, bereits vor dem aktuellen Anstieg der Spritpreise. Hauptgrund hierfür ist die von der Bundesregierung angekündigte finanzielle Förderung beim Kauf von E-Autos mit einem Zuschuss von bis zu 6000 Euro. Für viele Menschen werden auch gebrauchte E-Fahrzeuge zunehmend interessanter, vor allem als Zweitwagen. Grundsätzlich sind E-Autos aus finanzieller Hinsicht besonders attraktiv, wenn man zu Hause günstig laden kann. Wir empfehlen, sich seine individuelle Situation genau kalkulieren zu lassen, zum Beispiel, als ADAC-Mitglied bei der Technischen Beratung des Clubs“, so ADAC-Sprecher Julian Häußler.



