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Kreis Böblingen

Thommy war da

Der SZ/BZ-Redakteur und ehemalige Fußballer Thomas Oberdorfer ist im Alter von 60 Jahren gestorben.

Kreis Böblingen. Kugelschreiber, Block und klarer Blick. So kannte man Thomas Oberdorfer von seinen unzähligen Terminen, die er als Journalist nicht einfach nur abarbeitete. Thomas Oberdorfer recherchierte, fragte, hakte nach, bewertete. Er war nicht einfach anwesend, er war da, und das galt auch außerhalb seines Berufs.

Wach, zuverlässig und ein wenig frech im positivsten Sinne erlebte man ihn schon als aktiven Fußballer beim TV Darmsheim, dem VfL Sindelfingen, der SV Böblingen und dem GSV Maichingen. Wenn der Nebenspieler in Schwierigkeiten war, machte er die zusätzlichen Meter, um ihn aus der Bredouille zu bringen und die Mannschaft dann mit einem klugen Pass gut aussehen zu lassen. „Thomas Oberdorfer“ sagte auf dem Sportplatz keiner. Thommy war auch hier vor allem eins: Er war da.

Ein Spiel kann man lesen

Die Fähigkeit, ein Spiel zu lesen, half ihm auch beim Einstieg ins journalistische Berufsleben. 1997/98 volontierte er bei der SZ/BZ, wurde anschließend professioneller freier Mitarbeiter der SZ/BZ und des Gäuboten und blieb Stammgast vor allem auf den Sport- und Fußballplätzen der Region, um von dort hintergründig zu berichten. Seinen Arbeitsweg legte er immer mit dem Fahrrad zurück. Auch bei Wind und Wetter.

Zu Thommys Stärken gehörte das Netzwerk, das er auf dem Sportplatz und in den sprichwörtlichen dritten Halbzeiten knüpfte. Am Brunnen im Breuni, später im Tacuba, gerne in der Kanne.

Am 1. Februar 2024 begann für Thomas Oberdorfer ein neues Kapitel. Als festangestellter Redakteur der SZ/BZ tauschte er die Sportplätze zunehmend gegen die Themen seiner Heimatstadt Böblingen. In der Analyse kritisch, in der Perspektive offen, in der Haltung klar und im Umgang angenehm, sowohl intern als auch vor Ort. Er war da.

Auflauf auf dem Eichelberg

Anfang Oktober 2024 erlitt Thomas Oberdorfer einen Hirnschlag. Seitdem saß er im Rollstuhl und stemmte sich gegen neurologische Einschränkungen. Dass Thommy vielen Menschen etwas bedeutete, zeigte sich am 2. August dieses Jahres bei einem Benefizspiel. Nicht nur die legendäre Darmsheimer Meistermannschaft von 1993 kam fast in kompletter Teamstärke, auch 450 Zuschauer pilgerten für ihn auf den Eichelberg.

Lebensmut und Lebenswillen hat Thomas Oberdorfer bis zuletzt behalten. Wer ihn besuchte, erlebte seinen knitzen Blick und auch seine trockene Art, die er meist ohne Worte zum Ausdruck brachte.

In der Nacht auf Donnerstag, 29. Oktober, starb Thomas Oberdorfer im Alter von 60 Jahren. Thommy war da.