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Buchtipps

Trügerische Idylle im Sarntal, Mord im Karst und Flucht vor der Mafia

Wer für die Osterferien noch spannenden Lesestoff sucht, der wird bei unseren Krimi-Tipps mit Italien-Bezug bestimmt fündig.
Von Tim Schweiker

Für Krimi-Fans gibt es nichts besseres: Einen freien Abend, ein gutes Glas Wein auf dem Tisch und in der Hand einen echten Pageturner. Noch besser, wenn man sich beim Lesen noch ein paar anregungen für den nächsten Urlaub holen kann. Wir stellen drei lesenswerte Krimis mit Italien-Bezug vor.

Lenz Koppelstätter: Bei den Tannen

(KiWi-Verlag)

Darum geht es: Gefährlicher Aberglaube, tödliche Delikatessen und ein finsteres Kapitel der Südtiroler Geschichte: Sein siebter Fall lässt Commissario Grauner an seinem Verstand zweifeln. Im Sarntal, im Herzen Südtirols, liegt zwischen Schluchten und mit wilden Latschenkiefern bewachsenen Hängen eines der besten Restaurants der Welt: das Tan. Ausgerechnet eine berühmte Goumetkritikerin kommt hier unter mysteriösen Umständen zu Tode.

Grauner, dem schon von seiner Frau Alba zubereitete Speckknödeln zum Glück reichen, begibt sich auf Spurensuche in die Welt der feinen Speisen. Für die eigenwilligen Dorfbewohner steht schnell fest: Die Köchin war es. Schließlich sei sie eine Nachfahrin einer der letzten Frauen, die im 16. Jahrhundert im Zuge der brutalen Hexenprozesse auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden waren. Obwohl die Ermittler von derlei Gerüchten nichts wissen wollen, müssen sie sich fragen: Soll hier eine jahrhundertealte Rechnung beglichen werden?

Deshalb ist das lesenwert: Der Südtiroler Commissario Grauner ist schon seit seinem ersten Fall eher Grübler als Draufgänger. Doch diesmal lassen ihn nicht nur der Fall, sondern auch die Nachwirkungen des tragischen Todes eines Kollegen und die Depressionen seines neapolotanischen Partners Saltapepe am Beruf und am Leben zweifeln. Vor diesem Hintergrund bekommt die spannende Geschichte zusätzliche Resonanz und ist dabei doch alles andere als schwermütig.

Veit Heinichen: Entfernte Verwandte

(Piper-Verlag)

Darum geht es: Commissario Laurenti wird in das Dorf Prosecco gerufen. Vor dem Partisanen-Mahnmal auf dem Karst, wo der Opfer der Nazi-Besatzung und des Faschismus gedacht wird, liegt ein Toter. Es gibt Hinweise auf eine Mordserie. Und Laurenti ahnt, dass jemand gekommen ist, um über die Geschichte zu richten. Ausgerechnet in einer Zeit, da der Populismus im Aufwind ist.

Die Ermittlungen führen zu den ältesten Bürgern Triests. Vielleicht können ihre Erinnerungen helfen, eine weitere Tat zu verhindern. Doch in der Hafenstadt pflegt jeder seine eigene Wahrheit, und das nächste Opfer ist irgendwo da draußen.

Darum ist das lesenwert: Commissario Laurenti ist auf der Suche nach der Wahrheit. Nicht nur, was den konkreten Fall betrifft. Nur: Gibt es sie überhauot, die Wahrheit? Oder doch eine Frage der Deutungshoheit? „Egal ob Italiener, Deutsche, Österreicher, Slowenen, Serben, Kroaten, alle hatten Blut an den Händen“, schreibt Heinichen, der aus Villingen-Schwennignen stammt und seit vielen Jahren in Triest lebt. Laurenti löst den Fall, die wichtigen Fragen bleiben ohne endgültige Antwort.

Wolfgang Schorlau/Claudio Caiolo: Der Tintenfischer.

(KiWi-Verlag)

Darum geht es: Markusplatz, Riva degli Schiavoni, Rialtobrücke – Venedig ist fast menschenleer in Zeiten von Corona. Commissario Morello, der aus Cefalù in Sizilien hierher versetzt worden war, hatte lange mit der Lagunenstadt und ihren Touristenmassen gehadert. Jetzt tritt die Schönheit Venedigs spektakulär hervor, doch Morello weiß nicht, ob er das wirklich genießen kann.

Zusammen mit seiner aus Triest stammenden Kollegin Anna Klotze ist er in der Stadt unterwegs, als sie einen jungen Mann, einen Flüchtling aus Nigeria, in den Canal Grande springen sehen. Anna kann ihn retten. Zu der Verzweiflungstat hat ihn das Schicksal seiner Freundin gebracht, die von der nigerianischen Mafia in Sizilien zur Prostitution gezwungen wird. Morello muss nach Sizilien, um die junge Afrikanerin zu befreien.

Anna schließt sich ihm trotz seiner Bedenken an. Sie fahren aus Sicherheitsgründen mit einem Segelboot los und nehmen schiffsbrüchige Flüchtlinge auf. Sie legen in Marina di Palma auf Sizilien an – aber dort stehen keine Krankenwagen für die entkräfteten Flüchtlinge bereit. Stattdessen wird Morello verhaftet.

Darum ist das lesenwert: „Der Tintenfischer“ ist die Fortsetzung des Romans „Der freie Hund“, mit dem die beiden Stuttgarter Autoren ihr erfolgreiches Debüt als Duo feieten. „Der Tintenfischer“ ist ebenso tief traurig wie witzig und so atemlos spannend wie hochpolitisch.

Der dritte Roman der Reihe, „Falsche Freunde“, soll nächstes Jahr erscheinen. Die Zeit bis dahin müssen wir eben mit dem Nachlesen aller Schorlauschen Dengler-Romane überbrücken.