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Standpunkt

Unerträgliches Hin und Her

Von Chefredakteur Jürgen Haar

**„Sindelfingen rockt“: **So eine Welle hat die Stadt schon lange nicht mehr erreicht. Die Eilentscheidung des Stuttgarter Verwaltungsgericht, dass die Konzerte von „Sindelfingen rockt“ in diesem Jahr nicht auf dem Marktplatz stattfinden können, hat die Menschen mobilisiert, als wäre der VfB Stuttgart Champions-Leaque-Sieger geworden. Was ist da passiert?

Vier Jahre lang haben die Daheimgebliebenen im August immer mittwochs ein Open-Air-Konzert genossen, das ganz offensichtlich den Nerv vieler Menschen getroffen. Zwanglos, kostenlos und ohne Konsumzwang. Musik hören, Freunde treffen, ein Bierchen trinken - so einfach kann das abendliche Vergnügen sein. Nur gestört durch die Klagen von Anwohnern, denen die Rockmusik zu laut war.

Runter mit der Lautstärke, so wie es die Stadt im letzten Jahr versucht hat, um die Gemüter zu beruhigen - das ist nicht mehr. Eine von 4 Klägern hat vor dem Stuttgarter Verwaltungsgericht Erfolg und erzwingt damit den Umzug zu Hofmeister. Dass es einem Teil der Kläger nicht nur um den Lärm, sondern generell gegen Veranstaltungen am Marktplatz geht, ist naheliegend.

In einem Schreiben vom 3. März 2019, das der SZ/BZ vorliegt, wurden Immobilienbesitzer am Marktplatz angeschrieben: „In den vergangenen Jahren nahmen die Veranstaltungen in der Innenstadt und um den Marktplatz immer mehr zu. Lärm, Dreck und Gestank sind für uns Anwohner schon immer unerträglich“, heißt es zu Beginn des Schreibens. Die Absender laden die Haus- und Wohnungsbesitzer dazu ein, in einem Gespräch zu erfahren, „wie Sie über den gesundheitsgefährdenden Veranstaltungslärm auf dem Marktplatz“ denken.

Damit ist klar, dass das Problem am Sindelfinger Marktplatz durch Gespräche nicht mehr gelöst werden kann. Die Stadt muss juristisch klären lassen, auf welcher Basis künftig in der Stadtmitte Veranstaltungen stattfinden können. Sonst gibt es weiter ein unerträgliches Hin und Her.

juergen.haar@szbz.de