

Böblingen. Welche Straßen trugen in Böblingen einst den Namen Adolf-Hitler-Straße? Mit Fragen wie dieser beschäftigt sich ein neues Forschungsprojekt des Stadtarchivs Böblingen.
Seit April untersucht das Archiv die Entwicklung der Böblinger Straßennamen. Straßennamen sind weit mehr als Orientierungshilfen: Sie sind auch Träger von Geschichte und erzählen von politischen Umbrüchen, gesellschaftlichen Entwicklungen und den Menschen, die eine Stadt geprägt haben.
Im Mittelpunkt stehen historische Um- und Neubenennungen, verschwundene Straßennamen und ihre Hintergründe. Außerdem wird der Frage nachgegangen, wie sich in Straßennamen die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Prägungen ihrer Zeit spiegeln. Besonders die Zeit des Nationalsozialismus wird dabei genauer betrachtet. Damals wurden vielerorts Hauptstraßen oder repräsentative Plätze nach Adolf Hitler benannt.
Die Umbenennungen – auch von Straßen, wie weiteren NS-Funktionären gewidmet waren – erfolgten meist schnell nach der Machtübernahme und wurden nach 1945 ebenso konsequent rückgängig gemacht. Auch in Böblingen soll nun nachvollzogen werden, welche Straßen betroffen waren und wie die Rückbenennungen nach 1945 erfolgten.
Verantwortlich für das Projekt ist der Historiker Samuel Schöll. Grundlage seiner Recherchen sind unter anderem Adressbücher, Gemeinderatsprotokolle, historische Karten und Stadtpläne. Untersucht wird zunächst der Zeitraum ab 1920, da mit den ersten offiziellen Adressbüchern eine neue Quellengattung vorliegt. Ziel des Projekts ist es, die heutigen Straßennamen Böblingens, einschließlich Dagersheims, in ihrer Entstehung und Entwicklung nachzuzeichnen. Die Ergebnisse sollen im Oktober 2026 veröffentlicht werden.
Das Stadtarchiv setzt nicht nur auf Akten und Dokumente. Auch Erinnerungen aus der Bürgerschaft sind gefragt. Deshalb lädt das Stadtarchiv am Montag, 20. Juli, um 18.30 Uhr ins Neue Rathaus am Marktplatz 16 ein. Im Großen Sitzungssaal gibt es zunächst einen kurzen Einblick in die laufenden Forschungen. Anschließend sind die Besucherinnen und Besucher eingeladen, eigene Erinnerungen beizusteuern. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Vor Kurzem hat das Stadtarchiv das Projekt „Jüdische Biografien in Böblingen (1880 – 1945)“ veröffentlicht. Auf der Internetseite stadtgeschichte.boeblingen.de wurden dazu umfangreiche Online-Dossiers mit Fotos, Dokumenten und Lebensgeschichten veröffentlicht. Die Beiträge beleuchten das Leben jüdischer Bürgerinnen und Bürger sowie von Menschen, die während der NS-Zeit als Juden verfolgt wurden. Grundlage sind Recherchen in nationalen und internationalen Archiven sowie Gespräche mit Angehörigen und Zeitzeugen. Das Projekt soll zur Erinnerungskultur beitragen und die lokale Geschichte Böblingens für die Öffentlichkeit zugänglich machen.



