

Deufringen. Mit der Schließung der Bäckerei Jauss nach 68 Jahren in Deufringen verschwindet wieder ein Stück gelebte Handwerkstradition und ein Stück Ortsleben. Was auf den ersten Blick wie die Aufgabe eines einzelnen Geschäfts, im Deufringer Fall aus gesundheitlichen Gründen, erscheint, ist längst Teil einer besorgniserregenden Entwicklung, die das Bäckereihandwerk in ganz Deutschland betrifft.
Der Rückgang der Bäckereien ist mehr als eine wirtschaftliche Entwicklung, er ist ein Verlust an Handwerk, Tradition und Lebensqualität. Gab es vor 20 Jahren in Deutschland noch etwas mehr als 15.000 Bäckereibetriebe, waren es Ende 2025 nur noch rund 8700.
Die Gründe sind vielfältig: fehlende Nachfolger, Fachkräftemangel, steigende Energie-, Rohstoff- und Personalkosten, die Konkurrenz durch Discounter, Supermärkte und große Filialketten sowie immer höhere Investitionen und zunehmende Bürokratie.
Gerade kleinere Familienbetriebe können diese Belastungen kaum noch auffangen. Wer jeden Tag früh aufsteht, mit Leidenschaft backt und einen Betrieb am Laufen hält, braucht nicht noch mehr Hürden, sondern verlässliche Rahmenbedingungen und echte Unterstützung.
Natürlich verändern sich Einkaufsgewohnheiten, und der Wettbewerb ist nicht aufzuhalten. Doch ein Handwerksbäcker bietet mehr als nur Brot und Brötchen. Er steht für Qualität, regionale Verbundenheit, persönliche Beratung und echtes handwerkliches Können.
Auch wir als Verbraucher tragen Verantwortung. Wir können nicht einerseits den Erhalt des Handwerks fordern und andererseits ausschließlich nach dem billigsten Angebot greifen. Qualität hat ihren Preis. Wer bereit ist, diesen zu bezahlen, hilft mit, Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze und regionale Betriebe zu erhalten. Es wäre ein Armutszeugnis, wenn irgendwann in unseren Orten nur noch Backautomaten und Aufbackstationen übrig blieben.



