

Die Geschichte sollte von der Liebe zwischen einer Ukrainerin und einem russischen Soldaten erzählen. Ein Stoff, der angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine durchaus sensibel ist. Doch wie kann man ein Buch verurteilen, das man gar nicht kennt?
Der entscheidende Punkt ist nicht, dass Menschen die angekündigte Liebesgeschichte problematisch finden. Sie dürfen widersprechen, kritisieren und erklären, warum sie einen solchen Stoff für unangemessen halten. Doch zwischen berechtigter Kritik und persönlicher Einschüchterung liegt eine Grenze. Wenn einer Autorin mit Bestrafung gedroht wird, ist sie überschritten. Dann geht es nicht mehr allein um die Frage, welche Geschichten erzählt werden sollten, sondern darum, wer unter welchem Druck überhaupt noch erzählen kann.
Die Autorin hat sich gegen eine Veröffentlichung entschieden. Das ist zu respektieren. Dennoch bleibt es ein Verlust. Niemand konnte beurteilen, wie Juna Liebrecht ihre Figuren zeichnet, welche Haltung der Roman zum Krieg einnimmt oder ob er diesen tatsächlich romantisiert hätte. Vielleicht hätte das Buch überzeugt. Vielleicht hätte es berechtigte Kritik verdient. Vielleicht hätte es gerade die Unmöglichkeit einer solchen Liebe zum Thema gemacht. Wir wissen es nicht.
Heute trifft es einen Roman über eine Ukrainerin und einen russischen Soldaten. Morgen könnte es um andere politisch heikle Stoffe gehen. Wenn die erwartete Empörung zum entscheidenden Kriterium wird, verengt sich der Raum dessen, was öffentlich verhandelt werden kann.




