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Polizeistatistik

Zweimal ging‘s in Magstadt um Leben und Tod

Frank Bechtle vom Polizeirevier Sindelfingen stellt im Gemeinderat die Polizeistatistik und die Unfallstatistik für 2025 vor.
Von Karlheinz Reichert
Führungswechsel beim auch für Magstadt, Aidlingen und Grafenau zuständigen Maichinger Polizeiposten: Andreas Dreher (links) hat dessen Leitung vom zum Revier Sindelfingen abgeordneten Frank Bechtle übernommen. Bild: Reichert

Führungswechsel beim auch für Magstadt, Aidlingen und Grafenau zuständigen Maichinger Polizeiposten: Andreas Dreher (links) hat dessen Leitung vom zum Revier Sindelfingen abgeordneten Frank Bechtle übernommen.

Bild: Reichert

MAGSTADT. Statistisch gesehen haben die Magstadter ein vergleichsweise friedliches Jahr hinter sich. Die Polizei erfasste 225 Straftaten und damit deutlich weniger als im Vorjahr (293). Die Rekordmarke mit 297 Straftaten stammt aus dem Jahr 2022. Magstadt gehörte damit 2025 in puncto Sicherheit zum ersten Drittel der Orte im Kreis Böblingen.

Bezogen auf die Zahl der Einwohner gilt Mötzingen als sicherste Gemeinde im Landkreis, vor Aidlingen und Weissach. Aber selbst Maichingen schnitt mit 1947 Straftaten (hochgerechnet auf 100 000 Einwohner) besser ab als Magstadt (2365). Schlechter stehen Renningen (3587) und vor allem Sindelfingen (4826) und Böblingen (6194) da. Was in Magstadt auffällt: Die Täter waren in vielen Fällen längst nicht so clever, wie sie dachten.

Sieben von zehn erwischt

Während die kreisweite Aufklärungsquote für das letzte Jahr bei 62,6 Prozent lag, hat die Polizei von zehn Magstadter Tätern sieben erwischt (genau: 69,3 Prozent). „Eine erfreuliche Quote“, sagte dazu Frank Bechtle vom Polizeirevier Sindelfingen bei seinem Bericht im Magstadter Gemeinderat. Die Polizei ermittelte 135 Tatverdächtige (108 männliche und 27 weibliche), darunter 21 Kinder und Jugendliche (bis 17 Jahre).

61 Tatverdächtige (45,2 Prozent) haben keinen deutschen Pass. Bei einem Magstadter Ausländeranteil an der Bevölkerung von 22 Prozent sei das „wenig erfreulich“, so Bechtle. Bei der Anzahl der Straftaten wie bei der Aufklärungsquote steht Magstadt gut da. Die Taten selbst hatten es freilich in sich. Die Schadenssumme in Höhe von 368 101 Euro kommentierte Frank Bechtle mit: „Ein Haufen Holz.“

Straftaten „gegen das Leben“

Noch schwerer wiegt, dass es erstmals innerhalb eines Jahres zwei Straftaten „gegen das Leben“ gab. Am 14. Februar stach in der Goethestraße ein 38-jähriger Syrer seine um ein Jahr jüngere Lebensgefährtin mit einem 19 Zentimeter langen Messer nieder. Die Frau konnte durch eine Notoperation gerettet werden. Das Landgericht stufte den Fall als versuchten Totschlag ein und verurteilte den Mann zu vier Jahren Gefängnis (die SZ/BZ hat berichtet).

Im zweiten Fall zündete ein 31 Jahre alter Deutscher Kartons an, die auf dem Außensims einer Gaststätte in der Brauereistraße standen und in denen sich Kleidungsstücke befanden. Weil der Mann in der Nacht „die Gaststätte und die Kellnerin brennen sehen wollte“ und über der Gaststätte Menschen in ihren Wohnungen schliefen, stufte die Staatsanwaltschaft die Tat als „Mordversuch durch schwere Brandstiftung“ ein. Der Brandstifter sitzt in Untersuchungshaft. Der Fall wird in diesen Tagen vor dem Landgericht Stuttgart verhandelt (die SZ/BZ berichtete ebenfalls).

Gewalt und Alkohol

Die übrigen Straftaten waren fünf Fälle gegen sexuelle Selbstbestimmung (viermal Verbreitung pornografischer Schriften, eine sexuelle Belästigung), 57 Rohheitsdelikte (darunter 34 Körperverletzungen und 17 Bedrohungen), 39 Diebstähle, 44 Vermögens- und Fälschungsdelikte (darunter 35 Betrugsfälle) sowie 30 Sachbeschädigungen, 18 Beleidigungen, vier Rauschgiftdelikte und dreimal Widerstand oder tätliche Angriffe auf Polizeibeamte. Kreisweit gab es 268 solcher Fälle. In 53 Prozent dieser Fälle waren die Täter alkoholisiert. Auch bei den Rohheitsdelikten (häusliche Gewalt oder Prügeleien bei oder nach Wirtshausbesuchen) spielt oft Alkohol eine Rolle. Da sich Täter und Opfer meist kennen, liegt die Aufklärungsquote hier bei 98 Prozent.

Zum Thema Beleidigungen sagte Frank Bechtle, dass die Staatsanwaltschaften hier kaum noch die Notwendigkeit einer öffentlichen Strafverfolgung erkennen und in der Regel auf den Privatklageweg verweisen würden. Bei Tankbetrügereien (2025 acht Fälle) prognostizierte er für das laufende Jahr einen deutlichen Anstieg.

50 Prozent Unfallflucht

Neben der Kriminalstatistik präsentierte Frank Bechtle auch die Unfallstatistik. Im letzten Jahr wurde die Polizei zu 96 Verkehrsunfällen (Vorjahr: 83) auf Markung Magstadt gerufen, davon 66 innerorts und 30 außerorts. Zu beklagen waren drei Schwer- und 30 Leichtverletzte (maximal ein Tag im Krankenhaus). An sieben Unfällen waren Radfahrer beteiligt, einmal ein Fußgänger. Bei genau der Hälfte der Verkehrsunfälle hatte sich der Verursacher aus dem Staub gemacht. Unfallflucht, so der Polizist, sei kein Kavaliersdelikt und auch die Versicherer würden inzwischen prüfen, ob sie die Verursacher nicht in Regress nehmen können.

Die hauptsächlichen Unfallursachen seien die Missachtung der Vorfahrt, Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren, die wegen Alkohol und zunehmend wegen Drogen fehlende Verkehrstüchtigkeit sowie zu schnelles Fahren. Unfallhäufungsstellen gebe es in Magstadt keine mehr.

Dauerhafter Stellenwechsel

Frank Bechtle war rund 20 Jahre Leiter des Polizeipostens Maichingen, der auch für Magstadt, Aidlingen und Grafenau zuständig ist. Im vergangenen November wurde er als kommissarischer Leiter der Führungsgruppe zum Revier Sindelfingen abgeordnet. Zugleich wurde Andreas Dreher, der 45-jährige Hauptkommissar war bis dahin Gruppenleiter in Sindelfingen, kommissarischer Leiter des Maichinger Polizeipostens. Zunächst war vorgesehen, dass beide zum 1. Juni 2026 wieder auf ihre alten Positionen zurückkehren. Aus dem vorübergehend geplanten wurde nun ein dauerhafter Stellenwechsel.