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Internationale Wochen gegen Rassismus

Das Motto gegen Rassismus: „Misch Dich ein!“

Zum dritten Mal bietet der vom Landratsamt geförderte Verein „Landkreis Böblingen bleibt bunt“ im Rahmen der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ ein vielfältiges Programm.
Von Matthias Staber
Die Journalistin Tina Adomako beim Auftakt der Internationalen Wochen gegen Rassismus im Landratsamt Böblingen. Bild: Staber

Die Journalistin Tina Adomako beim Auftakt der Internationalen Wochen gegen Rassismus beim AI xpress Startup Zentrum Böblingen. Bild: Staber

Böblingen. Bis zum 2. April finden unter dem Motto „Misch Dich Ein!“ Workshops, Vorträge, Podiumsdiskussionen und Unterrichtseinheiten statt, die sich sowohl an Fachkräfte und Schulklassen als auch an die Öffentlichkeit richten.

58 Prozent aller in Deutschland lebenden Menschen, die aufgrund von Diskriminierungsmerkmalen Rassismus erleben können, haben während der letzten zwei Jahre auch tatsächlich Rassismus erlebt: Dies habe eine Studie aus dem Jahr 2022 ergeben, so die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Landes Baden-Württemberg (LADS) Dr. Nina Guérin, die beim Auftakt der Antidiskriminierungswochen zum Thema „Diskriminierung in Baden-Württemberg: Lebensrealität“ gesprochen hat.

Bedrückendes Ergebnis

Das Ergebnis des „Afrozensus 2020“, einer Umfrage unter in Deutschland lebenden Schwarzen Menschen, liefert ein noch bedrückenderes Ergebnis: 93 Prozent der Schwarzen Menschen in Deutschland erleben regelmäßig Rassismus. Um zu diskriminieren, brauche es kein „geschlossen rechtes Weltbild“, stellt Nina Guérin klar: Entscheidend seien die „strukturelle Dimension von Diskriminierung“ und unbewusste Vorurteile. „Nicht jeder, der diskriminiert, ist deswegen gleich ein schlechter Mensch“, so Guérin.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier

„Viele rassistische Botschaften sind im gesellschaftlichen Unterbewusstsein verankert“, sagt die Journalistin Tina Adomako in ihrem Vortrag zum Thema „Sprache.Macht.Rassismus – Wie (Bild)Sprache ausgrenzt“. Indem an diese unbewussten Vorurteile immer wieder bewusst angeknüpft werde, werden daraus brandgefährliche politische Botschaften, so die Kernthese von Tina Adomako: „Insbesondere Politik und Medien stehen dabei an der entscheidenden Schnittstelle von Sprache und Macht.“

So würden auch Leitmedien immer wieder „mit ihrer Sprache rassistische Weltbilder transportieren“, so die Journalistin – etwa indem Geflüchtete mit Naturkatastrophen verglichen werden: „Dabei wird bewusst eine Sprache verwendet, die Angst macht.“ Diskriminierende und rassistische Sprache und Bilder würde sich sogar in Schulbüchern finden, so Tina Adomako. Und: „Seit 2017 sitzt mit der AfD eine Partei im Bundestag, die mit einer rassistischen Sprache sehr viele Menschen erreicht. Seitdem steigt die Hasskriminalität in Deutschland an.“

„Dem Rassismus die Stirn bieten“

„Wir haben die Pflicht, dem Rassismus die Stirn zu bieten“, sagt Landrat Roland Bernhard, der unter dem Vorsitz von Andrea Stratmann (Geschäftsführerin der Gemeinnützigen Werk- und Wohnstätten GWW) zusammen mit Ioannis Delakos (Bürgermeister von Holzgerlingen), Harald Grumser (Compart AG) und Ekaterina Ohngemach (Geschäftsführerin des Kreisjugendrings) den Vorstand des Vereins „Landkreis Böblingen bleibt bunt“ bildet: Die Wochen gegen Rassismus würden eine hervorragende Gelegenheit zur Weiterbildung bieten. „Das Engagement gegen Rassismus darf allerdings nicht auf 14 Tage beschränkt bleiben, sondern ist das ganze Jahr über gefordert“, so Roland Bernhard.

Info: Der Verein „Landkreis Böblingen bleibt bunt“ und das Programm der Wochen gegen Rassismus ist unter www.lkbb-bb.de im Internet zu finden. Der Verein „Landkreis Böblingen bleibt bunt“ verfügt jährlich über ein Budget von 20 000 Euro, mit dem sich antirassistische Projekte mit bis zu je 2000 Euro fördern lassen können.