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Von unserem Redakteur Dirk Hamann · 11.06.2021

Kick it like Hrubesch

Mein EM-Moment: Als ein Hamburger Kopfball-Ungeheuer den SZ/BZ-Redakteur Dirk Hamann zum gefühlten Fußball-Riesen machte

Diese Postkarte wird derzeit auf Ebay für neun Euro angeboten. Der Versand kostet einen weiteren Euro. Für Dirk Hamann bleibt das Finale 1980 unbezahlbar.Bild: Ebay/Internet

Dribbeln wie Rummenigge. Passen wie Hansi Müller. Zaubern wie Zico. Feine Fußballer, die 1980 all jenen Nachwuchs-Kickern nicht zum nachahmenswerten Idol taugen, die mit zehn Jahren so groß gewachsen waren, dass sie so beweglich wie eine Zuckerstange über die Bolzwiese staksen. Die zwar Tag und Nacht dem Ball hinterherstolzieren. Aber ganz genau wissen: So stark der Wunsch auch ist, wenigstens ein bisschen Kevin Keegan sein zu dürfen - daraus wird nie etwas. Während sich die Kumpels nach einem Tor als Rossi, Litti, Falcao oder Kempes feiern lassen, jubelt der spargelige Kumpan, wenn er denn mal trifft, demütig als Karlheinz Förster oder als Hans-Peter Briegel. Auch nicht gerade passend, aber wenigstens lacht ihn dafür keiner aus.

Die Rettung für den jungen Lulatsch bringt das EM-Finale 1980. Da schießt einer Deutschland im Finale gegen Belgien im Alleingang zum Titel, der weder elegant, noch technisch brillant, noch graziös daherkommt. Und auch nicht so wirkt, als hätte er fußballerisches Talent mit der Muttermilch eingesaugt. Nein. Horst Hrubesch ist eine Wucht von einem Mann. Ein Hüne. Ein 1,88 Meter großes Kopfball-Ungeheuer. Ein Typ, der die Frechheit besitzt, aus seine gewohnte Art nicht nur das 2:1 einzunicken. Sondern nach einem Pass von Bernd Schuster den Ball von seiner Brust gekonnt abtropfen zu lassen, um ihn dann direkt aus 18 Metern zum 1:0 ins Tor zu schießen. Ein ganz großer Moment für den langen Spross auf dem Bolzplatz. Endlich ein Stürmer, der als Vorbild herhalten kann. Dass der beim HSV und nicht auf Schalke spielt? Schnurzpiepegal. Die Hauptsache ist: "Kick it like Hrubesch!"

Übrigens: So sehr die Bohnenstange es mit Kraft, Kopf und Fuß auch probiert hat, dem EM-Helden nachzueifern - ein Sturmtank wurde nie aus ihr. Was blieb, war die Rolle des Abwehrreckens. Mein erstes Tor im Verein bei der SV Böblingen habe ich erst mit 14 Jahren geköpft. Und selbst dieses Zufallsprodukt hatte wenig mit Hrubesch gemein: Der Treffer war das entscheidende 5:0 in einem unwichtigen Spiel.

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