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Sindelfingen

Abriss und Neubau des Badezentrums: Die richtige Entscheidung?

Das Thema „Abriss und Neubau des Sindelfinger Badezentrums“ bewegt die Menschen. Hier gibt es ein Pro und Contra.

Von Daniel Krauter
Das markante Dach im Sindelfinger Hallenbad.

Das markante Dach im Sindelfinger Hallenbad.

Bild: Nuessle Annette

29 Stadträte stimmten am Dienstag für den Abriss und Neubau des Sindelfinger Badezentrums, neun dagegen. Ein Baubeschluss ist das noch nicht, aber das bedeutet, dass in diese Richtung weitergeplant wird und für eine Sanierung im Bestand weder Zeit noch Geld eingestellt werden. Und auch ein Bürgerentscheid ist nach wie vor möglich. Das Gremium hatte beschlossen, zu einem späteren Zeitpunkt darüber abzustimmen (https://www.szbz.de/nachrichten/artikel/badezentrum-entscheidung-fuer-abriss-und-neubau)

 

Pro Abriss und Neubau:

"Schmerzlicher, aber richtiger Schritt"

Von Daniel Krauter, SZ/BZ-Redakteur: Das eindeutige Votum des Sindelfinger Gemeinderats, das bestehende Badezentrum abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen, emotionalisiert die Menschen. Es ist gut nachvollziehbar, dass viele Bürger sowie auch einige Stadträte den Abriss bedauern. Das Hallenbad ist nicht nur ein funktionaler Ort, sondern auch ein architektonisch und kulturell prägendes Bauwerk mit großem Wiedererkennungswert. Gerade solche Gebäude tragen zur Identität einer Stadt bei, und ihr Verlust hinterlässt immer eine Lücke, die sich nicht einfach ersetzen lässt.

Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, die Argumente der Befürworter eines Neubaus anzuerkennen. Die wirtschaftliche Situation der Stadt, die hohen Sanierungskosten sowie die energetischen Herausforderungen sprechen aus Sicht vieler Verantwortlicher klar gegen eine bloße Sanierung. Auch die Anforderungen an ein modernes Bad haben sich verändert: Barrierefreiheit, Energieeffizienz und ein breites Angebot für unterschiedliche Nutzergruppen lassen sich im Bestand offenbar nur mit erheblichen Kompromissen umsetzen. 

Positiv hervorzuheben ist, dass zentrale Elemente für den Sport erhalten bleiben sollen. Das 50-Meter-Becken ist für Vereine, Schulen und den Schwimmsport von großer Bedeutung und stellt sicher, dass Sindelfingen weiterhin über eine leistungsfähige Infrastruktur für Training und Wettkampf verfügt. Auch die vorgesehenen Wasserflächen tragen dazu bei, dass auch Familien und Kinder passende Angebote finden. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass das neue Konzept versucht, ein breiteres Publikum anzusprechen und damit auch die Wirtschaftlichkeit des Betriebs zu verbessern. Es ist ein schmerzlicher, aber richtiger Schritt.

 

Contra Abriss und Neubau:

"Von 'marode' war damals keine Rede"

Von Axel Finkelnburg, Stadtrat (SPD) in Sindelfingen: Nachdem ich im Verwaltungs- und Finanzausschuss gegen den Abriss des Hallenbads gestimmt habe, wurde ich gefragt, warum ich „für so ein altes Glomb“ sei. Für mich ist es kein „altes Glomb“. Während meines Statements fiel zudem der Zwischenruf: „Wir sind hier nicht im Kulturausschuss.“ Dazu sage ich: Alte Bauwerke sind Teil unserer Baukultur – und davon gibt es in Sindelfingen nur noch wenige.

Zur Entscheidung standen ein Neubau mit Schließung des Klostergartenbads oder der Erhalt und die Erweiterung des bestehenden Bads mit 50-Meter-Becken. Viele Menschen bewegt ein möglicher Abriss sehr. Das Hallenbad ist mit seiner einzigartigen Dachkonstruktion und Ästhetik ein bauliches Wahrzeichen. Sein Erhalt ist für mich nicht in Kosten aufzuwiegen. Ein Abriss dieses stadtbildprägenden Gebäudes wäre ein großer Fehler und für mich nicht vertretbar.
Warum wurden kurzfristig zwei Varianten nach dem Motto „Friss oder stirb“ vorgelegt? Bereits im OB-Wahlkampf entstanden Gräben in der Bevölkerung, die sich nun vertiefen. Diskutiert wird nur noch ein 50-Meter-Becken in einem austauschbaren Neubau – funktional, aber ohne Charakter.

Zudem fehlen belastbare Kosten für den Neubau, da diese erst nach einem Wettbewerb vorliegen. Ein Vergleich der Varianten ist unseriös. Auch Wirtschaftlichkeit und Energiebilanz lassen sich vorab nicht beurteilen. Üblicherweise ist eine Sanierung energetisch sinnvoller als Abriss und Neubau.

Dass die Erhalt-Variante teurer wirkt, liegt an eingerechneten 30 Millionen Euro für das Klostergartenbad. Ein Bürgerentscheid erscheint angesichts der gespaltenen Stadtgesellschaft sinnvoll. Hätte man vor 20 Jahren saniert, wären die Kosten heute deutlich geringer. Noch vor zwei Jahren war sogar ein Umbau zum Spaßbad im Gespräch – von „marode“ war damals keine Rede.