

Sindelfingen. Gegen 23.10 Uhr wollte am Mittwoch vergangener Woche ein 47 Jahre alter Busfahrer vom Gelände einer Tankstelle nach rechts in die Hanns-Martin-Schleyer-Straße abbiegen. Gleichzeitig fuhr ein unbekannter E-Scooter-Fahrer auf dem Radweg auf Höhe der Tankstelle entgegen der eigentlichen Fahrtrichtung (die SZ/BZ berichtete). Um einen Zusammenstoß zu verhindern, lenkte der Busfahrer nach rechts und stieß gegen eine Straßenlaterne. Der E-Scooter-Fahrer fuhr in Richtung Neckarstraße weiter. Der Sachschaden dürfte sich auf etwa 40 000 Euro belaufen. Die Polizei sucht Zeugen. Die Berichte über Unfälle, an denen E-Scooter-Fahrer beteiligt sind, häufen sich.
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E-Scooter endlich raus aus den Innenstädten
Von Daniel Krauter
Es reicht. E-Scooter mögen als praktische Lösung für die letzten Meter gedacht sein. Im dichten Stadtverkehr werden sie aber schnell zum Sicherheitsrisiko. Der Unfall in Sindelfingen liefert einmal mehr dafür ein erschreckendes Beispiel. Wer das als bedauerlichen Einzelfall abtun will, sollte einen Blick auf die bundesweite Entwicklung werfen. 2025 registrierte die Polizei 16 496 E-Scooter-Unfälle mit Verletzten oder Toten. Das waren 38 Prozent mehr als im Vorjahr. Seit 2021 hat sich die Zahl nahezu verdreifacht. 38 Menschen kamen ums Leben, etwa 1900 wurden schwer, rund 16 200 leicht verletzt.
Besonders auffällig: Vor allem junge Menschen sind betroffen. Und gerade bei Jugendlichen sieht man immer wieder, wie sorglos mit den Rollern umgegangen wird, häufig ohne Helm. Auch das Verhalten mancher Fahrer spricht gegen die Verharmlosung des Problems. Mehr als fünf Prozent der Verunglückten waren Mitfahrer, obwohl E-Scooter nur für eine Person zugelassen sind. Alkohol spielt vergleichsweise häufig eine Rolle.
Und die Schuldfrage ist ebenfalls bemerkenswert: Bei Unfällen mit einem Pkw trugen E-Scooter-Fahrer in rund 38 Prozent der Fälle die Hauptschuld. Bei Zusammenstößen mit Radfahrern waren es mehr als 74 Prozent, bei Unfällen mit Fußgängern sogar fast 89 Prozent.
Natürlich hält sich ein Teil der Nutzer an die Regeln. Das ändert aber nichts am Grundproblem. Innenstädte sind bereits voll. Fußgänger, Radfahrer, Busse und Autos teilen sich begrenzten Raum. Dort braucht es nicht noch ein Verkehrsmittel, das klein, schnell, leicht zu übersehen und jederzeit spontan verfügbar ist.
Deshalb müssen Städte den Mut haben, Konsequenzen zu ziehen. E-Scooter gehören aus besonders stark frequentierten Innenstadtbereichen verbannt. Nicht irgendwann, wenn die nächste Unfallstatistik noch schlechter ausfällt, sondern jetzt. Wer wenige hundert Meter zurücklegen will, kann laufen, Rad fahren oder Bus und Bahn nutzen.
Nicht der E-Scooter ist das Problem, sondern rücksichtsloses Fahren
Von Fenja Fecht
Die Unfallzahlen sind bedenklich. Das sollte niemand schönreden. Aber was folgt daraus? E-Scooter waren laut Statistischem Bundesamt 2025 an 5,5 Prozent aller Verkehrsunfälle mit Personenschaden beteiligt. Zum Vergleich: An rund 97.000 waren Fahrradfahrer beteiligt – das entspricht 32,6 Prozent. Das macht E-Scooter nicht ungefährlich. Es zeigt aber, dass man aus steigenden Unfallzahlen nicht automatisch ableiten kann, dass ein Verkehrsmittel gefährlicher ist als andere.
Ebenfalls interessant ist der Blick auf die Unfallursachen: Falschfahren, Alkohol und unerlaubtes Mitfahren gehören zu den häufigsten Fehlverhalten. Dafür muss es – unabhängig vom Fortbewegungsmittel – Konsequenzen geben. Ein Verbot ist da zwar die einfachste Lösung, aber nicht zwangsläufig die klügste. Und wie genau soll es denn eigentlich aussehen? Werden nur die Leih-Scooter verboten oder trifft es auch privat gekaufte? Soll ein Besucher der Innenstadt seinen Scooter vor der Fußgängerzone abstellen müssen, während ein Fahrrad weiterfahren darf?
Andere Städte zeigen, dass man auch gezielter vorgehen kann. In Wien werden E-Scooter in besonders stark frequentierten Bereichen automatisch gedrosselt. Rund um den Praterstern, einen großen Verkehrsknotenpunkt mit vielen Fußgängern und anderen Verkehrsteilnehmern, wird die Geschwindigkeit technisch reduziert. Verlässt der Fahrer die Zone, steht wieder die normale Geschwindigkeit zur Verfügung. Dasselbe gilt für ein anderes Ärgernis: abgestellte E-Scooter, die Gehwege und Plätze blockieren. Auch dafür braucht es kein generelles Verbot sondern klar gekennzeichnete Abstellflächen. Wer seinen Scooter außerhalb dieser Flächen abstellt, muss damit rechnen, dass die Mietzeit weiterläuft. Falschparken wird damit ziemlich teuer.
Darum sollte es gehen: nicht pauschal verbieten, sondern Regeln so gestalten, dass sich regelkonformes Verhalten lohnt und rücksichtsloses Verhalten Konsequenzen hat.
Fenja.Fecht@szbz.de




