Der gute Ton der Feuerwehr: Spielmannszug Ehningen wirbt um neue Mitglieder
Ehningen. Der Spielmannszug Ehningen steht für Tradition, Gemeinschaft und den besonderen Klang der Feuerwehr. Doch wie viele musizierende Gruppen kämpft auch die Ehninger Abteilung mit schwindender Personaldecke. Deshalb wirbt der Spielmannszug nun gezielt um neue Mitglieder. Wer hier mitmachen möchte, muss nicht automatisch in den aktiven Feuerwehrdienst.
„Wer nur Musik machen will, darf gerne nur Musik machen“, betont Leiter des Spielmannszugs, Jürgen Wohlbold. Helm, Piepser oder Einsätze seien keine Voraussetzung. Der Spielmannszug ist zwar Teil der Feuerwehr Ehningen, organisatorisch aber eine eigenständige Abteilung mit eigenem Ausschuss und eigener Leitung.
Allein auf weiter Flur
Derzeit zählt die Gruppe 21 Mitglieder. Realistisch aktiv einsetzbar seien allerdings meist nur 17, weil einzelne Mitglieder in Ausbildung, im Studium oder derzeit pausieren. Bei Auftritten sei man im Schnitt mit 13 oder 14 Musikerinnen und Musikern dabei. Zum Instrumentarium gehören verschiedene Flöten und die kleine und große Trommel und auch die Lyra und das Becken.
Dass die Gruppe trotz ihrer überschaubaren Größe weit über Ehningen hinaus wahrgenommen wird, zeigt ein Blick auf die Region. Als klassischer Spielmannszug ist Ehningen im Kreis nach eigenen Angaben inzwischen allein auf weiter Flur. Andere Spielmannszüge wurden im Lauf der Jahre aufgelöst. Gerade deshalb sieht sich die Abteilung auch als Bewahrerin einer besonderen musikalischen Tradition.
Traditionelles Auftreten
Diese Tradition lebt nicht nur vom Klang, sondern auch vom Auftreten. Bei historischen Anlässen spielt der Spielmannszug in nachgefertigten alten Feuerwehruniformen mit Wolljacke und Helm. Bei anderen Auftritten ist mal die Uniform oder das Polo-Shirt. Das verbindende Element aber bleibt immer dasselbe: die Musik – und der Gemeinschaftsgedanke innerhalb der Feuerwehrfamilie. Oder, wie es die Mitglieder des Spielmannszugs selbst formulieren: Der Spielmannszug ist „der gute Ton der Feuerwehr“.
Zu den rund 20 Proben im Jahr kommen noch etwa zehn Auftritte dazu. Gespielt wird bei Pflichtveranstaltungen der Feuerwehr ebenso wie bei Umzügen, Jubiläen, Frühschoppen oder örtlichen Festen. Auch bei Beerdigungen von Feuerwehrkameraden übernimmt der Spielmannszug die musikalische Begleitung – für die Gruppe ein wichtiges Zeichen des Respekts und der Verbundenheit.
Musikalisch setzt der Spielmannszug vor allem auf Märsche, Unterhaltungsmusik und Stücke, die zum eigenen Klangkörper passen. Zum Repertoire gehören klassische Märsche ebenso wie einzelne Schlager oder Titel von ABBA. Polkas, die stark von Blasmusik geprägt sind, stehen dagegen eher nicht im Mittelpunkt. „Es muss zu uns passen“, sagt Jürgen Wohlbold. Denn nur dann klinge ein Stück auch überzeugend.
Die Instrumente
Zum Instrumentarium gehören verschiedene Flöten – Sopran-, Alt- und Tenorflöten, in einzelnen Stücken auch Diskantflöten –, dazu kleine und große Trommel, Lyra und Becken. Inzwischen arbeitet der Spielmannszug außerdem mit C-Flöten, um im Zusammenspiel mit anderen Musikerinnen und Musikern flexibler zu sein. Grundsätzlich zeigt sich die Gruppe offen für weitere Instrumente. Auch Blechbläser, Schlagzeuger oder Musiker mit anderen passenden Instrumenten seien willkommen.
Die Ausbildung organisiert die Gruppe bislang weitgehend selbst. Mehrere Mitglieder dürfen ausbilden, D-Lehrgänge auf Kreis- und Landesebene ergänzen das Angebot.
Auch Erwachsene gesucht
Gesucht werden deshalb nicht nur Kinder oder Jugendliche, sondern ganz bewusst auch Erwachsene. Besonders willkommen seien Menschen, die früher ein Instrument gespielt haben und nun wieder einsteigen wollen. Angesprochen fühlen dürfen sich laut Spielmannszug auch Eltern, die nach einer Familienphase wieder Zeit für ein eigenes Hobby haben, oder Ältere, die im Ruhestand etwas Neues beginnen möchten. Nach oben gebe es praktisch keine Altersgrenze.
Wichtig ist der Gruppe vor allem, dass Interessierte unkompliziert reinschnuppern können. Wer Lust hat, kann einfach vorbeikommen, zuhören oder mehrere Proben lang mitmachen. „Lieber drei- oder fünfmal kommen als gar nicht“, lautet die Devise. Offen ist der Spielmannszug dabei ausdrücklich für alle, die Musik machen möchten – unabhängig davon, ob sie bereits Teil der Feuerwehr sind oder nicht.
Info
Wer Interesse am Ehninger Spielmannszug hat, kann sich an Jürgen Wohlbold unter spielmannszug@feuerwehr-ehningen.de wenden. Der Spielmannszug probt alle 14 Tage immer donnerstags von 19.30 bis 21 Uhr.
Vom Alarmsignal zur Musiktradition
Die Wurzeln der Spielmannszüge liegen eng bei Feuerwehr und Militär. Lange bevor es Sirenen, Funkmelder oder moderne Alarmierungssysteme gab, wurden Signale mit Hörnern geblasen. Hornisten gaben bei Einsätzen Anweisungen weiter oder riefen die Feuerwehrleute zum Dienst. So hielt die Musik nach und nach Einzug in die Feuerwehr.
Später entwickelten sich aus diesen Signalgebern eigene musizierende Gruppen. Viele Feuerwehrmusikkapellen, Spielmanns- und Fanfarenzüge gehen historisch auf diese Entwicklung zurück. Manche tragen den Bezug zur Feuerwehr noch heute im Namen, auch wenn sie längst eigenständige Vereine sind.
Nach dem Krieg gab es in Deutschland zahlreiche Spielmanns- und Fanfarenzüge. Regional war die Entwicklung allerdings unterschiedlich: Während es in Süddeutschland traditionell viele Musikvereine gab, waren im Norden deutlich mehr Spielmannszüge verbreitet.
Im Landkreis ist diese Tradition heute stark ausgedünnt. Nach Angaben des Spielmannszugs Ehningen ist die Gruppe als klassischer Spielmannszug inzwischen die letzte ihrer Art im Kreis. Andere Formationen, etwa in Jettingen, wurden in den vergangenen Jahren aufgelöst.

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