

Sindelfingen. Die Verwaltung und Oberbürgermeister Markus Kleemann könnten es sich eigentlich ganz einfach machen. Nämlich gar nichts tun. Das Gebrummel über den Verkehr in einer Mittelstadt, in der man mit der Kirche ums Dorf fährt, ist mit den Jahren doch ziemlich leise geworden. Fast gehört es zur Stadtmusik wie die Mercedes-Sirene und das Glockenspiel.
Als hätten sich die Sindelfinger damit abgefunden, nehmen sie es hin, dass nicht immer der logische Weg zum Ziel führt. Anwohner stöhnen selten laut über Parkplatzsucher, die Runden drehen und in Wohnstraßen nach Lücken suchen, weil sie sich den Euro für die Tiefgarage sparen wollen. Manche wissen nicht einmal, dass das eine Alternative wäre.
Die Kakofonie der Misstöne ist erstaunlich schwach zu hören. Nach dem Motto: So ist das halt in Sindelfingen. Das könnte man als Rathausspitze aussitzen, und dann bliebe halt alles beim Alten. Und natürlich könnte man den Schatz der Altstadt locker im Verborgenen lassen und schlecht gelaunt darüber sinnieren, wie schön es hier sein könnte, wenn man nicht nur altes Fachwerk freilegt, sondern Leben schenkt, das nichts mit Motorengeräuschen zu tun hat.
Die Spitze der Stadt hat zum Glück anderes vor. Was nicht bedeuten muss, dass das vorgeschlagene Konzept der Weisheit letzter Schluss sein muss. Aber: Es ist eine Grundlage, auf der man bestenfalls ohne Hass, aber mit mehr oder weniger Leidenschaft diskutieren kann: Aufenthaltsqualität, intelligente Ströme, weniger Stau, aber ein Mehr an Miteinander auch verschiedener Verkehrsmittel. ÖPNV, Fußgänger, Auto, Lkw, Radfahrer – das kann und muss doch besser gehen als heute.
Dass sich Anwohner zu Wort melden, ist richtig und wichtig, denn je mehr Perspektiven gehört werden, desto besser sind die Aussichten auf ein gutes Ergebnis. Vielleicht löst sich manche dunkle Wolke auch von selbst auf. Zum Beispiel, dass in bestimmten Wohnstraßen die Auswirkungen doch nicht so gravierend sind, wenn bestehende Beschränkungen aufgehoben werden. Das gilt es zu untersuchen. Manch andere Alternative ist vielleicht noch gar nicht im Spiel.
Eins ist aber klar: Solange der Verkehr im Gesamten nicht weniger wird, verlagert er sich. Verschwinden wird er nicht. Deshalb ist auch das Anschubsen zum Umstieg richtig. Mobilitätspunkte werden eher mittel- bis langfristig ihren Namen verdienen. Eine attraktive Innenstadt ist eher direkt vor dem Ladengeschäft autofrei und muss dennoch erreichbar sein. Die Marktplatz-Tiefgarage und auch die im Stern-Center haben Potenzial. Und die Schönheit der Altstadt lässt sich nun einmal ebenfalls nur zu Fuß entdecken, womit auch Anwohner gut leben sollten.
Die Verwaltung hatte es nicht einfach am Dienstagabend und musste sich schon einiges anhören. Das gehört dazu. Aber: Der Weg und das Tempo sind richtig und man ist fast versucht zu sagen, es ist erfreulich, dass sich endlich überhaupt etwas tut. Das Ziel ist formuliert, wird aber nur über noch folgende Kraftakte erreicht. Das Thema wird uns also noch eine Weile beschäftigen.




