

Ehningen/Kreis Böblingen. Unter dem Motto „Hier ist Zukunft“ begrüßte SZ/BZ-Verleger Dr. Christian Röhm rund 200 geladene Gäste aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik im IBM Technology Campus in Ehningen.
Hausherr Wolfgang Wendt (Vorsitzender der Geschäftsführung IBM Deutschland GmbH) begrüßte ebenfalls persönlich die Gäste. „In Deutschland blicken wir auf eine über 60-jährige Entwicklungstradition zurück. Unser neuer IBM-Campus ist ein Standortbekenntnis zu Ehningen und zum Kreis Böblingen. Auch im Bereich Künstliche Intelligenz spielt der Standort eine wichtige Rolle. Wir verstehen KI nicht als Ersatz für Menschen, sondern als Unterstützung. Unser Ziel ist es nicht, Arbeitsplätze abzubauen, sondern Mitarbeiter produktiver, präziser und wirkungsvoller zu machen – mit besserem Output und geringerer Fehlerquote. Das ist der Ansatz, den wir bei IBM in Deutschland verfolgen“, so Wolfgang Wendt.
Jörg Niethammer (Vorstandsvorsitzender Vereinigte Volksbanken) gab einen Ausblick auf den „Zukunftspreis 2027“, der im Rahmen der Zukunftsveranstaltung im nächsten Jahr gemeinsam mit der SZ/BZ verliehen wird: „Mit diesem Award möchten wir ein Unternehmen auszeichnen, dass die Region voranbringt, wirtschaftlich erfolgreich ist und gute Beispiele sichtbar machen. Ganz nach unserem Motto: ‚Meine Bank, die Heimat lebt‘. Bewerben können sich die Unternehmen selbst, aber auch andere Unternehmen können vorgeschlagen werden.“
„Wie bleibt unsere Region wirtschaftlich führend?“ Das ist die zentrale Frage, die dem SZ/BZ-Wirtschaftsbarometer 2026 zugrunde liegt. 583 Unternehmen aus dem Kreis Böblingen haben an der Umfrage teilgenommen, die die SZ/BZ in Kooperation mit der Kreissparkasse Böblingen und mit Unterstützung der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) aus Ludwigsburg organisiert und durchgeführt hat.
Dr. Christian Röhm präsentierte zusammen mit Markus Linha, Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Böblingen, die Ergebnisse. Ist der Kreis Böblingen Ihrer Meinung nach auch in zehn Jahren noch wirtschaftlich führend? So lautete eine der Fragen des SZ/BZ-Wirtschaftsbarometers. 64,2 Prozent antworteten mit „eher ja“. Beim Wirtschaftsbarometer 2025 beantworteten diese Frage noch 68,0 Prozent mit „eher ja“. „Wenn im Umkehrschluss ein Drittel der befragten Unternehmen denken, dass der Kreis Böblingen in zehn Jahren nicht mehr wirtschaftlich führend ist, dann stimmt mich das sehr nachdenklich“, machte Markus Linha deutlich.
Das Thema KI nahm einen großen Fragenkomplex beim Wirtschaftsbarometer 2026 ein. Die Erkenntnis daraus ist das KI-Paradox: Über 80 Prozent sagen, KI ist wichtig. Aber nur 40 Prozent setzen sie mehr als experimentell ein. Welche Konsequenzen hat das? „Wer jetzt nicht über Experimente hinauskommt, verliert den Anschluss und merkt es zu spät. Haupthemmnisse laut Wirtschaftsbarometer: fehlendes Know-how, Integrationsaufwand in bestehende Systeme, fehlende Priorisierung. Als Appell an Politik und Wirtschaftsförderung: Wissenstransfer und niedrigschwellige Einstiegsformate sind das Gebot der Stunde - keine abstrakten Förderprogramme“, so Dr. Christian Röhm.
Im Anschluss an die Präsentation des SZ/BZ-Wirtschaftsbarometers diskutierten Redaktionsleiter Tim Schweiker und Chefreporter Jürgen Wegner mit Ronja Kemmer (stellvertretende Vorsitzende CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Digitales und Staatsmodernisierung), Isabell Sippli (IBM Distinguished Engineer und Bereichsleiterin Software Entwicklung Deutschland), Dr. Stephen Travers (Centerleiter im Bereich Technologie, System Engineering & IT Mercedes-Benz Cars Operations) und Benedict Kurz (CEO & Co-Founder Knowunity, stellvertretender Vorsitzender Start-Up-Verband Deutschland) über das aktuelle Wirtschaftsklima, die wirtschaftlichen Perspektiven im Kreis Böblingen und vor allem darüber, welche Herausforderungen Künstliche Intelligenz (KI) mit sich bringt.
„Während früher vor allem Netzausbau und Zugang im Fokus standen, geht es heute um Datenökonomie, Künstliche Intelligenz, digitale Verwaltung und technologische Souveränität. KI ist damit zu einem entscheidenden Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und staatliche Leistungsfähigkeit geworden“, so Ronja Kemmer. Heute bestehe ein breiter Konsens, dass der Staat aktiv gestalten, klare Rahmen setzen und selbst digital leistungsfähig sein müsse.
„Die Dynamik rund um Künstliche Intelligenz hat die Geschwindigkeit der Entwicklung nochmals massiv erhöht und den politischen Handlungsdruck deutlich verstärkt. Noch vor wenigen Jahren, während meiner Arbeit in der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages zu Künstlicher Intelligenz, konnte selbst unter Experten kaum jemand voraussagen, wie schnell und tiefgreifend sich diese Technologie entwickeln würde“, sagte Ronja Kemmer.
Knowunity, 2019 von Benedict Kurz, Lucas Hild, Gregor Weber, Julian Prigl und Yannik Prigl in Sindelfingen gegründet, ist Europas am schnellsten wachsende KI-Lernplattform mit rund 30 Millionen registrierten Usern in 30 Ländern. Mittlerweile zählt das Team von Benedict Kurz 80 Mitarbeitende und Firmensitz ist längst in Berlin.
Und welche Rolle spielt KI bei Knowunity? „Für uns ist KI nicht einfach ein Add-on – sie ist das Herz der App. Knowunity ist heute ein vollwertiger AI-Learning-Companion, also ein intelligenter, KI-gestützter Lernbegleiter, der den Lernprozess personalisiert und interaktiv gestaltet. Er schlägt Inhalte vor, visualisiert schwierige Themen, erstellt Lernpläne und Visuals, erklärt Konzepte und passt sich komplett an das individuelle Level der Schülerinnen und Schüler an. Auch intern nutzen wir KI fast überall – ob Support, Growth, Recruiting oder Produktentwicklung. Dadurch können wir schnell bleiben, ohne riesige Teams aufzubauen“, so Benedict Kurz.
Für Isabell Sippli ist die Geschwindigkeit der KI-Innovationen in der Software-Entwicklung beeindruckend. „KI verändert alles, die Entwickler werden von reinen Code-Schreibern zu Lösungsdesignern. Die KI ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Durch KI können wir Qualität steigern, Ressourcen werden frei, die dann für andere Bereiche genutzt werden können. Und dies führt zu einem klaren Wettbewerbsvorteil in Zeiten hoher Innovationsgeschwindigkeit.“
Und auch einen Rat hat Isabell Sippli parat: „Man sollte sich heute mit diesen Technologien auseinandersetzen. Da kann man nicht bis morgen warten. Der mögliche Gewinn an Produktivität ist für Entwickler signifikant. Und auch der Wettbewerbsvorteil von diesen Systemen liegt nachher nicht nur in der Software selbst, sondern auch in der Fähigkeit solche KI-Agenten, die nicht nur in der Softwareentwicklung laufen können, vernünftig zu observieren, orchestrieren und einzusetzen.“
Bei Mercedes-Benz setzt man KI entlang der gesamten Wertschöpfungskette ein. „Künstliche Intelligenz ist Schlüsseltechnologie und Innovationstreiber. Wir optimieren Produkte und Prozesse, automatisieren Routineaufgaben und nutzen KI als Co-Piloten bei kreativen Aufgaben“, sagt Dr. Stephen Travers und ergänzt: „KI ist bei Mercedes-Benz tief in die Arbeitsabläufe integriert – strategisch, skalierbar und verantwortungsvoll. Sie unterstützt unsere Teams dabei, Routinetätigkeiten zu automatisieren, kreative Prozesse zu fördern und datenbasierte Entscheidungen schneller und präziser zu treffen.“
Info: Die kompletten Ergebnisse des Wirtschaftsbarometers werden gedruckt und in einem digitalen Dossier in der Wirtschaftsthemenausgabe „Hier ist Zukunft“ am 15. Juli in der SZ/BZ und am 17. Juli im Wochenblatt veröffentlicht.



