

Kreis Böblingen. Stiche und juckende Hautausschläge: „Nahezu die gesamte Landhaussiedlung ist betroffen“, heißt es in der Nachricht am Montagnachmittag an die SZ/BZ-Redaktion. Die Brisanz unterstreicht ein Chatverlauf, in dem sich etliche Anwohner austauschen und auch über ähnliche Beobachtungen aus dem Hinterweil und dem Spitzholz berichten.
Dabei hatte die SZ/BZ erst letzten Mittwoch unter der Überschrift berichtet: „Wenn der Spaziergang mit quälendem Ausschlag endet“. Unsere Redakteurin Esther Elbers schrieb: „In Sindelfingen und Holzgerlingen berichten Bürger von Hautreaktionen nach Aufenthalten im Freien. Auch Böblingen meldet ein massenhaftes Auftreten des Eichenprozessionsspinners im Stadtwald.“
Im Kreis Böblingen warnen Landkreis und Städte derzeit vor dem Eichenprozessionsspinner. Die Raupen des Nachtfalters können im Frühsommer für Menschen gefährlich werden, weil ihre feinen Brennhaare Haut, Augen und Atemwege reizen können. Auf Anfrage der SZ/BZ verweist die Stadtverwaltung Sindelfingen explizit noch auf die Internetseite, die sie hierzu eingerichtet hat, die die Raupe erklärt, Probleme aufzeigt und Rat gibt. Und sie erklärt das Vorgehen: In städtischen Einrichtungen wie Kitas, Schulen, Spielplätzen und dem Freibad werden die Raupen und Gespinstnester durch Fachleute unter besonders strengen Sicherheitsvorkehrungen und großem zeitlichen Aufwand entfernt.
Im Wald dagegen sei das, abgesehen von besonderen Orten wie Waldspielplätzen, anders: „Vorbeugende Maßnahmen können schon allein aufgrund der hohen Anzahl von Eichen in den Sindelfinger Waldbeständen nicht durchgeführt werden. Bäume in zweiter oder dritter Reihe sowie im Bestand bleiben sowohl für prophylaktische Spritzungen als auch für das Einsaugen beziehungsweise Absammeln von Gespinsten unerreichbar“, heißt es.
Der Landkreis Böblingen weist darauf hin, dass die Gefährdung für Menschen im Frühsommer am größten ist. In dieser Zeit entwickeln die Raupen ihre Brennhaare. Besonders dort, wo Eichen an sonnigen Standorten stehen, können Gespinste auftreten. Weder Raupen noch Gespinstnester sollten berührt werden. Auch mit Stöcken sollte nicht in Nestern gestochert werden, weil sich die Brennhaare dadurch in der Luft verteilen können.
Im Siedlungsbereich prüfen Kommunen Maßnahmen, wenn Nester an stark frequentierten Orten entdeckt oder gemeldet werden. Im Wald ist die Lage anders: Dort gilt der Eichenprozessionsspinner als sogenannte waldtypische Gefahr, vergleichbar mit Zecken oder dem Fuchsbandwurm. Eine großflächige chemische Bekämpfung kommt nach Angaben des Landkreises mit Blick auf das Insektensterben nicht infrage. Auch das Absaugen der Nester im gesamten Wald sei praktisch nicht möglich. Bei akuter Gefährdung können Warnschilder aufgestellt oder einzelne Bereiche wie Bänke oder Grillstellen vorübergehend gesperrt werden.
Für Spaziergänger, Radfahrer, Kinder und Hundehalter heißt das: Abstand zu befallenen Eichen halten, auf Wegen bleiben und Raupen oder Nester nicht berühren. In betroffenen Eichenwäldern sollte auch der Kontakt mit der Bodenvegetation vermieden werden. Empfindliche Hautbereiche wie Nacken und Unterarme sollten möglichst geschützt werden. Nach Aufenthalten in betroffenen Bereichen raten die Behörden, Kleidung zu wechseln, Haare und Haut gründlich zu reinigen und Kleidung bei 60 Grad zu waschen. Bei Kontakt mit Brennhaaren sollten betroffene Hautstellen gekühlt werden. Treten starke Beschwerden, Augenreizungen oder Atemprobleme auf, sollte medizinischer Rat eingeholt werden.
Die feinen Brennhaare können leicht abbrechen und mit dem Wind verdriftet werden. Fachinformationen nennen je nach Wind und Umgebung eine mögliche Verbreitung über mehrere Hundert Meter; die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau spricht von 200 bis 500 Metern. Deshalb reicht es nicht immer, nur die Nester selbst nicht zu berühren. Wer Raupen oder Gespinste entdeckt, sollte Abstand halten, nichts berühren und keine eigenen Beseitigungsversuche unternehmen.
In Sindelfingen nimmt die Stadt Hinweise auf Nester des Eichenprozessionsspinners in stark frequentierten Bereichen möglichst mit Foto per E-Mail an EPS@Sindelfingen.de entgegen.
In Böblingen können Fälle im Stadtgebiet an die Abteilung Umwelt und Grünflächen gemeldet werden: Stadtgärtnerei, Telefon 07031 / 669-5362, E-Mail stadtgaertnerei@boeblingen.de.
Wer in Holzgerlingen im Siedlungsbereich befallene Bäume entdeckt, sollte das per E-Mail an bauhof@holzgerlingen.de melden.




