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Abstimmung über den Spielbetrieb

Einen gemeinsamen Spielbetrieb mit Baden gibt es frühestens im nächsten Jahr

Bei der Mitgliederversammlung des Tennis-Bezirk C im Haus des Sports in Stuttgart wurde auch über Padel und Pickle gesprochen.
Von Thomas Volkmann
Markus Graßmann, WLSB-Geschäftsführer und ehemaliger Vize-Präsident des VfL Sindelfingen,  begrüßte die Mitglieder bei der Versammlung des Tennis-Bezirks C. 	Bild: Volkmann

Markus Graßmann, WLSB-Geschäftsführer und ehemaliger Vize-Präsident des VfL Sindelfingen, begrüßte die Mitglieder bei der Versammlung des Tennis-Bezirks C. Bild: Volkmann

Bild: Volkmann

Tennis. Nach 23 Jahren im Bürgerhaus Maichingen hat der Tennisbezirk C (Stuttgart/Böblingen/Calw) seine jährliche Mitgliederversammlung im Haus des Sports in Bad Cannstatt abgehalten. Die leise Hoffnung, auf diese Weise Vertretern der zahlreichen Stuttgarter Tennisclubs das Kommen zu erleichtern, bewahrheitete sich indes nicht. Präsent waren letztlich nur etwa 15 Prozent der aktuell 131 Mitgliedsvereine des Bezirks, die mit der vor einem Jahr gewählten Bezirksvorsitzenden Martina Fischer (TC BW Calw) das vergangene Jahr Revue passieren ließen. Mit Blick in die Zukunft stellte Klaus Berner, Vorstand des Württembergischen Tennis-Bundes, eine neue WTB-Strategie vor und gab einen Zwischenstand zu den Bemühungen um einen gemeinsamen Spielbetrieb mit dem Nachbarlandesverband Baden.

Als Bilanz ihrer ersten Amtszeit als Vorsitzende des Bezirksvorstands in der Nachfolge von WTB-Ehrenmitglied Manfred Kiefer (Nagold) zog die seit 2002 dem Bezirksrat angehörende Martina Fischer ein durchweg positives Fazit. „Es war ein intensives und bewegtes Jahr“, so Fischer. Bei ihren zahlreichen Vereinsbesuchen und Begegnungen mit Menschen in den Vereinen habe sie Leidenschaft und Einsatzbereitschaft gespürt, habe man mit dem seit 25 Jahren für den WTB tätigen Verbandstrainer Genadi Mihaylov einen starken Motor für die Jugendarbeit an Bord, zudem wisse sie ein engagiertes Vorstandsteam hinter sich, um die Aufgaben im Bezirk kompetent zu erfüllen. Festgehalten hat sie auch, dass erstmals seit der Bezirksreform im Jahr 2013 der Mitgliederstand über die Marke von 30 000 gesprungen sei. Den Aufwärtstrend hatte zuvor schon Hausherr Markus Graßmann, Hauptgeschäftsführer des WLSB, in seinem Grußwort angemerkt. Der jüngsten Bestandserhebung zufolge verzeichnete der WTB dabei einen Zuwachs um 1,6 Prozent (+ 2800) auf 177 400 Mitglieder. Interessant auch, dass von den 645 Förderzuschussanträgen, die der WLSB über alle Sportfachverbände hinweg in 2025 mit einer Gesamthöhe von 15 Millionen Euro bewilligt hat, 142 Anträge (22 Prozent) mit einem Zuschussvolumen von 2,7 Millionen Euro an WTB-Vereine ausgeschüttet worden sind. 14 dieser Anträge betrafen den Bau von Padelanlagen mit insgesamt 23 Courts, ein weiterer den Bau eines Pickle-Spielfeldes beim TC Schönaich, das sich gerade in der Fertigstellung befindet.

Ob das unkompliziert und leicht erlernbare Pickleball eine neue Klientel anziehen und der Padelboom weitergehen wird, das wird die Zukunft zeigen. Der WTB jedenfalls sieht in beiden Trendsportarten großes Potenzial für Tennisvereine, sich breiter aufzustellen. „Beim Stuttgarter Messeherbst waren wir mit unserem Pickleball-Angebot der bestbesuchte Stand, man hat die Leute fast nicht mehr vom Platz herunterbekommen“, hielt WTB-Vorstand Klaus Berner fest – und schob mit Blick auf die Möglichkeit, dass Padel 2032 in den Kanon olympischer Disziplinen aufgenommen werden könnte, nach: „Ich hätte schon gern, dass ein paar WTB’ler bei Olympia dabei sind.“

Padelliga mit badischen Vereinen

Anders als das Vorhaben, eine gemeinsame Sommerverbandsrunde mit Baden aufs Gleis zu bringen, wurde vergangenes Jahr erstmals eine Padelliga mit badischen und württembergischen Clubs gespielt. „Da gab’s noch keine gewachsenen Ansprüche, insofern war es einfach, das umzusetzen“, so Berner. Für den Tennisspielbetrieb sind inzwischen zwar Anpassungen hinsichtlich der Wettspielordnung erfolgt, was immer noch fehlt, ist hingegen das „Go“ der Mitgliedsvereine aus Baden. Die aber kommen erst wieder im Oktober zusammen – weshalb an eine Umsetzung frühestens 2027 zu denken ist.

Auf andere Weise ausgebremst wird der WTB nach wie vor hinsichtlich der Aufarbeitung seines im Frühjahr 2021 aufgedeckten Finanzskandals. „Es sind aber wichtige Schritte unternommen worden, um Aufklärung und Neuordnung voranzutreiben und zu einer Einigung mit den Finanzbehörden zu kommen. In dieser angespannten Situation ist es bemerkenswert, wie professionell die WTB-Geschäftsstelle agiert und trotz eines momentanen Investitionsstopps über den Umbau der Geschäftsstelle und den Bau neuer Freiplätze in Stuttgart-Stammheim nachgedacht wird“, merkte Martina Fischer hierzu an.

Ausbau von Allwetterplätzen

Dass der WTB die Zukunft im Blick hat, machte Klaus Berner mit der Vorstellung einer neuen Strategie deutlich. „Wir wollen Teil einer sportlichen Bewegung sein, unseren Claim ‚Tennis ist Team‘, der mehr sozialen Charakter hatte, weiterentwickeln. Neue Spielformen wie Padel und Pickle sollen keine Konkurrenz sein, sondern die Vielfalt der Rückschlagsportart Tennis aufzeigen“, so der WTB-Vorstand weiter. Auch müsse der Ausbau von Allwetterplätzen gefördert werden und kleinere Vereine ohne eigene Halle die Möglichkeit erhalten, im Winter Turn- und Stadthallen zu nutzen. WTB-Vizepräsident Chris Efler gab anschließend noch einen Abriss über das vom Umweltministerium Baden-Württemberg und den LSV initiierte Nachhaltigkeitsprojekt „N!Charta Tennis“, an dem seit 2023 18 WTB-Vereine teilnehmen, darunter aus dem Bezirk C die TA SV Böblingen, die TA SV Sillenbuch und der TC Weiss-Rot Stuttgart.

Bei der Wahl der Delegierten, die am 4. Mai auf der WTB-Versammlung über Satzungsanpassungen und die Weiterverfolgung des Projektes Gemeinsamer Spielbetrieb mit Baden abstimmen dürfen, wählte die Bezirksversammlung folgende Vereinsvertreter: Thomas Bürkle (TEC Waldau), Axel-Michael Frühwald (STG Geroksruhe), Karl-Heinz Kuhbier (TA TV Darmsheim), Jan-Peter Lorenz (TC Maichingen), Thomas Wintterle (TC Herrenberg), Sven Weinberger (TA SV Sillenbuch), Dirk Wolf (TA TSV Dagersheim) und Wolfgang Zierhut (TC Gärtringen). Und was die Sommerverbandsrunde anbetrifft: hierfür hat der WTB im Zuge seiner Digitalisierungsstrategie seit Kurzem einen KI-Chatbot aktiviert. Der digitale Assistent namens „Smashy“ liefert in Echtzeit Antworten zu allen Fragen rund um die Wettspielordnung des WTB – und das 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Er sorgt so auf und neben dem Platz schnell für Klarheit zu Regelungen und Abläufen im Wettspielbetrieb – und sollte damit Geschäftsstelle sowie Sport- und Jugendwarte deutlich entlasten.