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Spenden gehen an krebskranke Menschen

Erst Gipfelsturm, jetzt Mammut-Tour nach Knochenkrebs: John Müller will helfen und bis bis zum Taj Mahal radeln

Zehn Monate Krankenhaus mit 14 Chemozyklen: Damals schwor sich der 25-Jährige der unter anderem für ein Sindelfinger Start-up arbeitete: „Wenn ich das überlebe, möchte ich der Welt etwas zurückgeben.“ Wer das Projekt unterstützt, spendet an junge, erwachsene Krebspatienten, die an einem Sarkom erkrankt sind.
Von Thomas Holzapfel

Extremsport. Die Welt von John Müller stürzte ein. Von einem „Sechser im Lotto, aber halt im negativen Sinne“ spricht er heute über die Krebsdiagnose „Ewing-Sarkom“. „Das ist ein sehr seltener Knochenkrebs, der hauptsächlich bei jüngeren Menschen auftritt. In Deutschland sind davon pro Jahr nur 25 Personen betroffen“, erläutert John Müller, der sich die Frage nach dem „Warum?“ stellte.

Damals, vor drei Jahren, schwor er sich: „Wenn ich das überlebe, möchte ich der Welt etwas zurückgeben und vor allem Krebskranke finanziell unterstützen.“ Im Mai startet der 25-jährige Wahl-Schwabe zu einer Radtour der besonderen Art: Bis zur Kultstätte Taj Mahal nach Indien, stolze 8000 Kilometer sollen dabei in 80 Tagen geradelt werden. Und 8000 Euro möchte John Müller dabei für den guten Zweck einsammeln – mindestens.

John Müller auf dem Gipfel des Mont Blanc.

John Müller auf dem Gipfel des Mont Blanc.

Bild: z

Der gebürtige Kemptner hat Job und Wahlheimat im Kreis Böblingen gefunden. Unter anderem arbeitete er für das in Sindelfingen gegründete Startup-Unternehmen Knowunity. Hauptrollen spielen aber weiterhin Sport und Berge. Mit 15 Jahren unternahm er eine 400-Kilometer-Biketour durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Ein Jahr später absolvierte er seinen ersten großen Triathlon und mit 17 lief er 663 Kilometer auf dem Jakobsweg. Später lief er einen 107-Kilometer-Ultramarathon und erklomm den Mont Blanc – bis dann die Krebsdiagnose von heute auf morgen alle weiteren Träume zunichtemachte.

„Sehe ich nie wieder die Berge?“

Warum bin ich nicht vorher noch auf die Zugspitze gewandert? Sehe ich nie wieder die Berge? Wie schaffe ich das alles? Solche Fragen schwebten durch den Kopf von John Müller, der sich zehn Monate lang im Klinikum Stuttgart behandeln lassen musste, dabei 14 Chemozyklen überstand. „Der Sport hat mir zu dieser Zeit definitiv geholfen“, sagt John Müller heute.

Der 23. Geburtstag mit dem kleinen Bruder Jack. Die Hoffnung lebt.

Bild: z

Mit seinen 22 Jahren biss er sich durch, kämpfte gegen die Widerstände der tückischen Krankheit und die Nebenwirkungen der Chemotherapie. „Ich habe noch so viel vor, das kann jetzt nicht das Ende sein. Ich muss einfach wieder gesund werden“, sagte er sich damals. Auf der Onkologie-Station im Klinikum war John Müller Stammgast im hauseigenen Fitnessraum – so oft und so gut es eben ging. „Sport kann bei einer Krebsheilung einen großen Unterschied ausmachen“, weiß John Müller von der Kampagne „Sport ist keine Option – Sport ist ein Gamechanger“, die das Klinikum Stuttgart ins Leben rief. Und die Sport als therapeutischen Schlüssel definiert.

Tränen auf Mexikos Gipfel

Jetzt, knapp drei Jahre später, ist John Müller noch nicht final geheilt, aber krebsfrei. „Wenn sich der Krebs nach fünf Jahren nicht mehr gemeldet hat, kann ich von einem großen Erfolg sprechen“, sagt er – und in der Aussage klingt enorm viel Zuversicht mit. Zuversicht, die sich schon längst wieder im Tatendrang von Müller widerspiegelt. Vor einem Jahr unternahm er einen Trip nach Mexiko, bestieg mit dem Gipfel des 5636 Meter Pico de Orizaba den höchsten Berg des Landes. „Auf dem Gipfel kamen mir die Freudentränen“, erinnert er sich. Bereits vor acht Jahren, als er in Ecuador seinen Freiwilligendienst absolvierte, begann er von einer Indien-Reise zu träumen. „Dort irgendwann mit dem Fahrrad hinzufahren, wäre doch der Wahnsinn“, dachte er sich.

Täglich 100 Kilometer

Ein Plan, der in diesem Jahr zur Wirklichkeit wird. Auch, weil er weiß, dass man derartige Vorhaben nicht auf die lange Bank schieben soll. Getreu dem Motto „Träume nicht dein Leben – lebe deinen Traum“. „Nach der überstandenen Leidenszeit hat das Projekt natürlich noch etwas schneller an Fahrt aufgenommen“, sagt John Müller, der sich derzeit in der intensiven Planungsphase befindet. Am 8. Mai, genau drei Jahre nach seiner größten, weil richtungsweisenden Operation, startet John Müller in sein großes Abenteuer.

Nach der OP beim Klettern in Mexiko.

Nach der OP beim Klettern in Mexiko.

Bild: z

Täglich wird er 100 Kilometer auf dem Gravelbike abstrampeln, pro Woche plant er einen Ruhetag ein. Über Österreich, Ungarn, Serbien, Bulgarien und die Türkei geht es auf dem Sattel durch den Iran und Afghanistan bis nach Indien. Wohl wissend, dass die Tour auch ihre Risiken birgt. „Ich werde notfalls den Trubel meiden, aber ich vertraue auf das Gute im Menschen und werde immer mit einem Lächeln unterwegs sein. Über allem steht der gute Zweck.“ So werde er auch mehrere Krebskliniken aufsuchen, mit denen er bereits im Vorfeld Kontakt aufgenommen hat.

Spenden für Krebspatienten

Über den Instagram-Account 8000km.live kann man John Müller ab Mai auf seiner Reise begleiten. Spenden sind bereits jetzt möglich über die Internetseite https://8000km.live/donate. Das Geld geht projektbezogen an junge, erwachsene Krebspatienten, die an einem Sarkom erkrankt sind. „Das Geld soll flexibel an die Sarkomzentren in Deutschland gehen, wo es gerade am meisten gebraucht wird. Mit dem Geld möchte ich jungen Patienten in ihrer schwierigen Lage Mut und Hoffnung geben“, sagt John Müller. Mut und Hoffnung, die auch ihm die Kraft gaben, das schier Unmögliche doch irgendwie möglich zu machen. „Die große Radtour ist ein Herzensprojekt für mich, das fühlt sich genau richtig an“, sagt John Müller.

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