

Böblingen. Der deutsche Bauernkrieg galt lange als reine Männersache. Dass diese Sicht zu kurz greift, ist Thema einer Matinee, zu der die Museumsfreunde Böblingen am Sonntag, 7. Juni 226, um 11 Uhr ins Museum Zehntscheuer in der Pfarrgasse einladen. Referent ist Dr. Günter Scholz, ehemaliger Leiter des Amtes für Kultur und des Deutschen Bauernkriegsmuseums.
Im Mittelpunkt des Vortrags stehen Frauen, die während des Bauernkriegs und der Reformation öffentlich hervortraten, für ihre Überzeugungen einstanden und damit die damaligen Rollenbilder infrage stellten. Der Vortrag knüpft an das Gedenkjahr „500 Jahre deutscher Bauernkrieg“ an und unterstützt nach Angaben der Veranstalter die Spurensuche des Deutschen Bauernkriegsmuseums nach kämpferischen Frauen von 1525.
Ein Beispiel ist Margarete Renner, bekannt als die „Schwarze Hofmännin“. Sie setzte sich bei Weinsberg für Recht und Freiheit ein. In Böblingen erinnert bislang dennoch kein Straßenname auf der Diezenhalde an eine Frau aus der Revolution von 1525. Dort sind Straßen nach Persönlichkeiten dieser Zeit benannt, Frauen fehlen jedoch. Nach Darstellung der Museumsfreunde hätte etwa Margarete Renner eine solche Würdigung verdient.
Erhalten blieb die Erinnerung an sie auch durch die Kunst. Käthe Kollwitz griff die Vorkämpferin der Bauern in ihrem Zyklus „Bauernkrieg“ auf, der zwischen 1903 und 1908 entstand. Der Zyklus gehört zur Böblinger Sammlung „Bauernkrieg und Kunst“.
Der Vortrag richtet den Blick auch auf das gesellschaftliche Umfeld der frühen Neuzeit. Frauen wurden bis dahin häufig als dem Mann untergeordnet betrachtet. Abfällige Urteile über das weibliche Geschlecht waren verbreitet. In der Zimmerischen Chronik heißt es: „Die Weiber tragen lange Kleider, aber nur kurzen Verstand.“ Auch Martin Luther sprach Frauen Kraft, Geist und Begabung ab. Vor diesem Hintergrund bedeutete das Auftreten von Frauen in Bauernkrieg und Reformation einen Bruch mit herkömmlichen Vorstellungen.
Frauen handelten in dieser Zeit nicht nur im privaten Bereich. Sie traten als Regentinnen, Herrscherwitwen und Erzieherinnen auf, waren im Handwerk und Handel tätig und mischten sich auch in religiöse und politische Auseinandersetzungen ein. Die Reformation wurde nach Angaben der Veranstalter rasch auch zur Frauensache. Genannt werden Katharina Luther, Anna Zwingli und Idelette Calvin.
Einige Frauen wandten sich mit Flugschriften direkt an die Öffentlichkeit. Argula von Grumbach forderte in Bayern die Theologen der Universität Ingolstadt zu einem Streitgespräch heraus. Elisabeth von Rochlitz trat am Dresdener Hof ihrem katholischen Schwiegervater, Herzog Georg von Sachsen, entgegen. Solche Beispiele zeigen, dass Frauen in den Konflikten des 16. Jahrhunderts nicht nur Betroffene waren, sondern selbst handelten und Stellung bezogen.

























