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Was war wichtig? Über was wurde gestritten? Welche Romane sollte man nicht versäumt haben? Wir lassen die wichtigsten Momente des literarischen Lebens dieses Jahres noch einmal Revue passieren.
Von Stefan Kister
Alle Wege zu dem Kosmopoliten Rilke führen künftig nach Marbach. Gemessen an dem, was die Chefin des deutschen Literaturarchivs, Sandra Richter, Anfang Dezember in der Berliner Landesvertretung Baden-Württembergs der Öffentlichkeit vorstellt, klingen die Worte der bekanntermaßen äußerst Euphorie-fähigen Kulturstaatsministerin, Claudia Roth, beinahe wie eine Untertreibung: „Vielleicht die wichtigste Nachlass-Erwerbung in der Nachkriegsgeschichte.“ 10 000 handschriftliche Seiten mit Werkentwürfen und Notizen, Zeichnungen, hunderte bisher unbekannte Fotografien aus allen Lebensphasen – auf nach Marbach!
Foto: DLA Marbach/DLA Marbach
Kann es sein, dass Peter Handke tatsächlich schon 80 Jahre sein soll? Unbeirrt treibt er sein Projekt der Poetisierung der Welt in immer unzugänglichere Winkel. „Zwiegespräch“ heißt sein jüngstes Werk. Darin tritt ein Paar auf. Es „redete in einer Fremdsprache, einer unerhört schönen – und doch war es eine, wie keine Sprache sonst, vertraute.“ Eine Sprache wie diese ist das versöhnliche Versprechen von Handkes lebenslangem Zwiegespräch mit seinen Lesern. Das klingt altersmild, ist aber so eigensinnig und aufregend wie am ersten Tag.
Foto: imago images/Agencia EFE..
2022 ist nicht nur der Denker der Klimakatastrophe, Bruno Latour, gestorben, sondern auch jemand, der sich im Bild des fliegenden Robert wiedererkannte. Man hat Hans Magnus Enzensberger einmal als Ein-Mann-Literaturgeschichte der Bundesrepublik bezeichnet. Zweifellos zurecht. Seine Lyrik und Prosa, seine Herausgeberschaften und Trüffelschwein-Verdienste umspannen ein knapp siebzigjähriges schreibendes Dasein. Und sie stehen für Tendenzen eines Sprachkünstlers, dessen Sensorium für die Tendenzen der Zeit so fein ausgeprägt war, dass er nicht nur den Ruf der Stunde klarer als andere vernommen hat, sondern auch als erster ihr unwiderrufliches Vergehen.
Foto: dpa/Marcus Brandt
So sehr das Schreiben der diesjährigen Literaturnobelpreisträgerin Annie Ernaux um sich selbst zu kreisen scheint, auf der Suche nach einer verlorenen Wirklichkeit, so sehr misst es zugleich den Gedächtnisraum kollektiven Erinnerns aus. Ihre Bücher handeln ebenso von privaten Erlebnissen wie von dem Problem, diese mit dem Prozess des Erinnerns zur Deckung zu bringen. Das Persönliche ist nur das Sprungbrett, ohne Tabus in den Erfahrungsschatz einer Generation einzutauchen. Doch kein Literaturnobelpreis ohne Kontroverse. Kaum wurde die Entscheidung euphorisch begrüßt, machten Unterschriften der Autorin unter einige israelkritische Petitionen der umstrittenen BDS-Bewegung die Runde.
Foto: epd/Marion Kalter / akg-..
In einer historischen Stunde hat der ukrainische Schriftsteller und Musiker Serhij Zhadan zum Ausklang der Frankfurter Buchmesse den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entgegengenommen. So nah hat in der Frankfurter Paulskirche noch niemand an die schreckliche Realität des Krieges herangeführt. In seiner eindringlichen Rede wird der Appell an die literarische Verantwortung des Bezeugens und Erzählens zu dessen gleichzeitigem Vollzug.
Foto: dpa/Sebastian Gollnow
Man kann sich den Ton dieses vom Krieg verdüsterten Jahres von den wichtigsten Buchtiteln vorgeben lassen: „Vernichten“, „Erschütterung“, selbst der Schein von Karl Ove Knausgards „Morgenstern“ fällt ...