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Die Kinder leiden sehr

Bundesweite Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien

Im Kreis Böblingen engagieren sich Selbsthilfegruppen aktiv für Betroffene und Angehörige.
Von Peter Maier
Jedes fünfte bis sechste Kind in Deutschland wächst mit suchtkranken Eltern auf.

Jedes fünfte bis sechste Kind in Deutschland wächst mit suchtkranken Eltern auf.

Bild: arborpulchra/Adobe Stock

Kreis Böblingen. Vom 22. bis 28. Februar 2026 findet die 17. bundesweite COA-Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien statt. Unter dem Motto „Wir werden sichtbar“ machen auch Selbsthilfegruppen im Landkreis Böblingen auf die Situation von Kindern und Angehörigen aufmerksam, die mit einer Suchterkrankung in der Familie leben.

In Deutschland wächst etwa jedes fünfte bis sechste Kind mit einem suchtkranken Elternteil auf. Viele dieser Kinder übernehmen früh Verantwortung, erleben Überforderung, Scham oder emotionale Belastungen – oft im Stillen. Hinzu kommen rund sechs Millionen Erwachsene, die in suchtbelasteten Familien groß geworden sind und häufig bis ins Erwachsenenalter unter den Folgen leiden. Ihr Risiko, selbst eine Suchterkrankung oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln, ist deutlich erhöht.

Die bundesweite Aktionswoche wird von NACOA Deutschland e.V. koordiniert. Die Schirmherrschaft teilen sich die Influencerin Betty Taube, die selbst mit einer alkoholkranken Mutter aufwuchs, sowie der Bundesdrogenbeauftragte Prof. Hendrik Streeck. Ziel der Aktionswoche ist es, Kinder suchtkranker Eltern sichtbar zu machen, über Hilfsangebote zu informieren und Prävention zu stärken.

Auch im Landkreis Böblingen engagieren sich Selbsthilfegruppen aktiv für Betroffene und Angehörige. Zwei Gruppen – die Selbsthilfegruppe für abstinente Alkohol- und Drogenabhängige in Böblingen sowie der Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe in Leonberg – beteiligen sich mit Beiträgen in den sozialen Medien an der Aktionswoche.

„Kinder übernehmen oft Aufgaben der Erwachsenen und erleben keine normale Kindheit“, heißt es aus dem Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe Leonberg. Und ein Teilnehmer aus Böblingen berichtet: „In der Selbsthilfe habe ich zum ersten Mal gemerkt, dass ich nicht allein bin.“

Diese Stimmen zeigen: Sucht betrifft nicht nur die erkrankte Person, sondern immer das gesamte Umfeld – Partnerinnen und Partner, Eltern, Geschwister und vor allem Kinder.

Im Landkreis Böblingen gibt es über 20 Sucht-Selbsthilfegruppen für Betroffene und Angehörige. Sie bieten einen geschützten Raum für Austausch, Verständnis und gegenseitige Unterstützung. Die Teilnahme ist kostenlos und vertraulich.

Das Kontaktbüro Selbsthilfegruppen im Gesundheitsamt des Landkreises Böblingen unterstützt die Aktionswoche und informiert über passende Angebote vor Ort. Ziel ist es, Hemmschwellen abzubauen und deutlich zu machen: Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Mut.

Informationen rund um sämtliche Gruppen finden sich online unter www.selbsthilfe-bb.de oder persönlich; Tel. 07031 663 1751, bzw. per Mail an selbsthilfebuero@lrabb.de. Informationen zur bundesweiten COA-Aktionswoche: www.coa-aktionswoche.de