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Meine Meinung

Der Kommentar: Die AfD, nur ein Scheinriese

Auf seiner Reise mit Lukas, dem Lokomotivführer, entdeckt Jim Knopf in der Geschichte von Michael Ende am Horizont einen Riesen von einer Größe, dass sogar mächtige Berge neben ihm wie kleine Hügel wirken. Furchterregend. Doch je näher der Riese ihnen kommt, umso kleiner wird er. Schließlich ist er sogar einen Kopf kleiner als Lukas.

Wie ein Scheinriese wirkt aktuell die AfD. Aufgrund der aktuellen Umfragewerte strotzt die Partei, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft wird, vor Kraft. Ohne jedwede Aussicht, Regierungsverantwortung übernehmen zu können, stellt die Parteispitze schon mal ein 10-Punkte-Papier vor, mit dem die Partei umreißt, was sie täte, käme sie an die Macht. Markus Frohnmaier, Böblinger AfD-Bundestagsabgeordneter, Kreis-Vorsitzender und Landessprecher seiner Partei, sieht die AfD dauerhaft bei 18 bis 25 Prozent. Und nach der Kommunalwahl 2024 als zweit- oder drittstärkste Fraktion im Kreistag. Doch die Partei ist bei Weitem nicht so stark, wie sie vorgibt.

Sollte die AfD 2024 die von ihr angestrebten rund 15 Kreistagsmandate oder mehr erhalten, wäre bald jedes zehnte AfD-Parteimitglied aus dem Kreis – die AfD hat geschätzt an die 200 – auch Kreisrat. Schon aus personellen Gründen wird sie dazu kaum bei den Gemeinderatswahlen in allen 26 Kreis-Kommunen antreten können.

Die aktuellen Umfrageergebnisse sind der Schein, der die AfD umgibt. Zum furchterregenden Riesen machen sie diese noch lange nicht. Umso wichtiger ist es, der AfD furchtlos und unaufgeregt gegenüberzutreten und sich inhaltlich mit ihren politschen Angeboten auseinanderzusetzen. Auch da ist sie, nicht zuletzt auf kommunaler Ebene, ziemlich schwach auf der Brust. Sie ist nur ein Scheinriese.

dirk.hamann@szbz.de