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Die Reaktivierung 1996 war ein großer Erfolg

Der Zweckverband Schönbuchbahn stellt Fragen und gibt Antworten über die Probleme von Nexio

Mit dem Betreiber WEG soll künftig ein stabiler Betrieb für die vielen Pendler zwischen Böblingen und Dettenhausen möglich sein.
Von Peter Maier
Die Schönbuchbahn ist in den vergangenen Monaten fast öfter ausgefallen, statt gefahren. 	Bild: z

Die Schönbuchbahn ist in den vergangenen Monaten fast öfter ausgefallen, statt gefahren. Bild: z

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Kreis Böblingen. Angesichts der Ausfälle der neuen Nexio-Triebzüge für die Schönbuchbahn und der öffentlichen Diskussion über die grundsätzliche Entscheidung für ein solches Pionierprojekt nimmt der Zweckverband Schönbuchbahn Stellung zu den Hintergründen der Fahrzeugbeschaffung und den damit verbundenen Herausforderungen.

Warum musste die Schönbuchbahn ausgebaut werden?

"Die Schönbuchbahn war seit ihrer Reaktivierung 1996 ein großer Erfolg. Die Fahrgastzahlen übertrafen die Erwartung von 2 500 Fahrgästen pro Tag um ein Vielfaches. Aktuelle Prognosen gehen von 14 000 Fahrgästen pro Tag aus. Die bestehende Infrastruktur war dieser Belastung nicht mehr gewachsen: Die Züge waren in den Hauptverkehrszeiten überfüllt, und es kam ständig zu Verspätungen. Da die Strecke größtenteils eingleisig ist, übertrug sich jede kleine Verzögerung sofort auf den Gegenverkehr, was oft zum Verpassen von Anschlüssen in Böblingen führte."

Hätten nicht einfach neue Dieselzüge gereicht?

"Nein, das hätte die Probleme sogar verschärft. Die eingesetzten Dieselzüge näherten sich dem Ende ihrer Lebensdauer, wurden jedoch nicht mehr hergestellt. Neue Züge waren zu schwer und zu langsam. Ihr Einsatz hätte die Fahrzeit verlängert und den bestehenden 30-Minuten-Takt unmöglich gemacht. Ein „Weiter so“ mit neuer Dieseltechnik hätte für mehr Geld ein langsameres und unattraktiveres Angebot bedeutet. Zudem hätten die Emissionen weiterhin die Anwohner entlang der Strecke belastet."

Wie sah die Lösung mit der Elektrifizierung aus?

"Um die Schönbuchbahn zukunftsfähig zu machen, wurde eine dreiteilige Lösung beschlossen: 15-Minuten-Takt: Um die hohe Nachfrage zu bewältigen und verlässliche Anschlüsse zu sichern, wurde der Takt zwischen Böblingen und Holzgerlingen verdoppelt. Zweigleisiger Ausbau: Ein 15-Minuten-Takt ist auf einer eingleisigen Strecke nicht möglich. Daher mussten Streckenabschnitte zweigleisig ausgebaut werden, damit sich Züge begegnen können. Elektrifizierung: Elektrische Züge beschleunigen schneller als Dieselfahrzeuge. Diese hohe Fahrdynamik ist zwingend nötig, um den engen Fahrplan einzuhalten. Zudem ist der Elektroantrieb umweltfreundlicher und langfristig wirtschaftlicher."

Warum wurde kein Standard-Zug gekauft?

"Zum Zeitpunkt der Entscheidung (ca. 2014) gab es auf dem Markt kein passendes Standardfahrzeug. Eisenbahnen waren für die Anforderungen der Schönbuchbahn zu schwer, boten bei gleicher Länge weniger Sitzplätze und waren für höhere Geschwindigkeiten auf Hauptstrecken ausgelegt. Ihr Einsatz wäre ineffizient gewesen und hätte die Gleise stärker abgenutzt. Straßenbahnen dürfen schon aus rechtlichen Gründen die Strecke der Schönbuchbahn nicht befahren. Sie wären ohnehin zu langsam und hätten nicht zu den Dimensionen der vorhandenen Bahnsteige gepasst."

War die Beauftragung einer Neuentwicklung nicht riskant?

"Eine passgenaue Lösung war damals der einzig gangbare Weg, um das Verkehrskonzept umzusetzen. Die Entscheidung wurde nach sorgfältiger Abwägung aller Risiken getroffen. Aus einem rechtlich vorgeschriebenen, europaweiten Wettbewerb ging der spanische Hersteller CAF als wirtschaftlichster Anbieter hervor."

Wer ist CAF?

"Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles (CAF) hat internationales Renommee. Es ist ein führender, 1917 gegründeter Hersteller von Schienenfahrzeugen mit Sitz in Spanien und Standorten in weiteren europäischen Ländern. Auch in Deutschland ist CAF präsent. Neben der Münchner Hauptniederlassung hat es wichtige Servicestandorte unter anderem in Gelsenkirchen, Freiburg, Essen. Das Unternehmen produziert mit seinen 17 000 Mitarbeitern U-Bahnen, Straßenbahnen, Regionalzüge sowie Hochgeschwindigkeitszüge."

Könnten nicht einfach andere Züge als Ersatz fahren?

"Während des Zulassungsprozesses der Nexio-Züge setzte der Zweckverband zur Überbrückung vorübergehend Elektrozüge der älteren Baureihe ET 426 ein. Die Erfahrung hat gezeigt, dass diese als Ersatz ungeeignet sind: Sie waren unzuverlässig und extrem teuer in der Instandhaltung. Der Markt für andere gebrauchte oder neue Ersatzzüge ist derzeit leer, da in ganz Deutschland viele Fahrzeuge für das einheitliche europäische Zugbeeinflussungssystem (ETCS) umgerüstet werden und daher selbst gebraucht werden.Der Fokus des Zweckverbands liegt nun darauf, gemeinsam mit dem Betreiber WEG einen stabilen Betrieb zu gewährleisten und die unbestreitbaren Vorteile des Ausbaus für die Tausenden täglichen Pendlerinnen und Pendler Realität werden zu lassen. Häufige Fragen und Antworten zur aktuellen Betriebslage und zum Fahrzeugbeschaffungsprozess kann man auf der Internetseite der Schönbuchbahn nachlesen: www.schoenbuchbahn.de/faq+zur+aktuellen+betriebslage