Ein wichtiges Signal: „Du bist uns nicht egal“
Fußball. Es ist noch keine zwei Jahre her, da war die Welt von Thomas Oberdorfer noch in Ordnung. Der damals 58-Jährige hatte gerade erst im Frühjahr eine Festanstellung als Redakteur bei der Sindelfinger/Böblinger Zeitung angetreten. Am 4. Oktober 2024 wurde ihm im wahrsten Sinn des Wortes der Boden unter den Füßen weggerissen. Wie so oft war er mit dem Fahrrad in Böblingen unterwegs. Es war die typische Art und Weise, wie sich der sportliche Mann von A nach B bewegte. Dann wurde es dunkel. Eine Hirnblutung. Operation. Koma. Reha. Seit Ende Januar 2025 wird der heute 59-Jährige in einer Einrichtung für Menschen mit neurologischen Verletzungen im Kreis Reutlingen betreut. Nichts ist mehr, wie es einmal war.
Besuch hinterlässt Eindruck
Wenn Gerd Körber und Jürgen Schuhmann über ihren Besuch bei Thomas Oberdorfer sprechen, werden sie nachdenklich. Manchmal müssen sie nach den richtigen Worten suchen, um die Empfindungen auszudrücken. Zusammen haben sie Bilder aus vergangenen Zeiten angeschaut. „Ich habe den felsenfesten Eindruck, dass er uns erkannt hat. Er hat auch auf einige Fotos reagiert“, sagt Körber. Er verschweigt nicht, dass der Besuch Überwindung gekostet hat. Und er hat Eindruck hinterlassen. „Wir waren ziemlich geerdet danach“, sagt Körber.
Er ist Fußball-Abteilungsleiter des TV Darmsheim, der ehemalige Torwart Jürgen Schuhmann mit 754 Partien der Rekordspieler des TVD. Wie so viele kennen beide Oberdorfer schon ewig. Schuhmann hat 1993 noch mit ihm zusammen gekickt. „Wir standen zusammen in der Landesliga-Mannschaft, die 1993 die Meisterschaft geholt und in die Verbandsliga aufgestiegen ist“, erinnert er sich mit einem Lächeln. Thomas Oberdorfer spielte eine wichtige Rolle.
"Absoluter Kämpfer"
„Er war ein absoluter Kämpfer, ein echter Mannschaftsspieler, der immer daran interessiert war, das Team zusammenzuhalten“, erzählt Schuhmann. Das zeigte sich auch noch später. Zehn Jahre nach dem legendären Triumph war es Oberdorfer, der die Idee hatte, die Meistermannschaft von damals noch einmal zusammenzutrommeln und gegen das damalige Bezirksligateam des TVD antreten zu lassen. Und auch bei späteren Treffen der ehemaligen Kameraden war Thomas Oberdorfer die treibende Kraft.
Dieses Engagement haben sie beim TV Darmsheim nicht vergessen. Roland Gann, der in der Vergangenheit auf dem Eichelberg verschiedene Aufgaben übernommen hat, gab früh den Anstoß, irgendetwas für den ehemaligen TVD-Spieler auf die Beine zu stellen. „Jürgen Schuhmann, mein Stellvertreter Milton Kautz und ich haben dann die Köpfe zusammengesteckt“, sagt Gerd Körber, der im Laufe der Jahre in verschiedenen Funktionen immer wieder mit dem Sportjournalisten Oberdorfer Berührungspunkte hatte. „Bei mir ist der Kontakt zu ihm nie abgerissen“, sagt Jürgen Schuhmann. „Ich habe ihn immer wieder im Breuningerland getroffen, weil er dort ganz oft mit seinem Laptop in einem Café gesessen ist“, erinnert er sich. „Es ist uns wichtig zu zeigen: ‚Du bist uns nicht egal. Wir haben dich nicht vergessen‘.“
Spendenkonto eingerichtet
Es entstand die Idee, den Fußball als Bühne zu nutzen. Und zwar mit einem Benefizspiel zwischen den beiden ersten Mannschaften des TV Darmsheim und des VfL Sindelfingen. Neben dem TVD hat Thomas Oberdorfer auch für den VfL, die SV Böblingen und den GSV Maichingen gespielt. Am kommenden Sonntag um 14 Uhr wird die Partie auf dem Eichelberg angepfiffen. „Wir werden Eintritt nehmen, was wir sonst bei Freundschaftsspielen nicht tun, und bewirten“, sagt Gerd Körber. „Alle Einnahmen werden für diesen Zweck verwendet“, erklärt er. Für Spenden ist ein Konto bei der Volksbank eingerichtet worden. Wofür das Geld am Ende konkret verwendet wird, liegt in den Händen der gesetzlichen Betreuer Oberdorfers.
Esther Elbers, seine beste Freundin und als Redakteurin der Sindelfinger/Böblinger Zeitung langjährige Kollegin, sowie Robert Stadthagen, als „Gäubote“-Sportredakteur ebenfalls ein langjähriger und enger Kollege Oberdorfers, kümmern sich um alle Belange des 59-Jährigen. „Es gibt ständig Dinge, die besorgt werden müssen. Erst in der vergangenen Woche haben wir ein Tablet gekauft, damit Thommy eine von der Krankenkasse bewilligte Therapie-App benutzen kann“, nennt Stadthagen ein Beispiel. Und längst nicht alle Hilfsmittel, die aus Sicht von Therapeuten oder des Umfelds sinnvoll sind, werden von den Kostenträgern genehmigt. „In solch einer Lage rinnt einem das Geld durch die Finger“, erklärt Stadthagen.
"Er überrascht uns immer wieder"
Viele werden am Rande des Spielfeldes fragen, wie es Thomas Oberdorfer geht. Wie einst auf dem Fußballfeld zeigt er auch in dieser schwierigen Situation Kämpfer-Qualitäten. Er ist aufgrund seiner schwerwiegenden Hirnverletzung auf den Rollstuhl angewiesen. Ob er jemals wieder selbstständig laufen kann, lässt sich nicht beurteilen. Er ist gerade dabei, das Sprechen wieder zu erlernen. Auch das ist ein weiter Weg. Viel Kommunikation funktioniert über Gesten und Mimik. „Er überrascht uns immer wieder“, sagt Robert Stadthagen. „Als wir vor einiger Zeit im Café waren, hat er plötzlich leise aber ganz deutlich das Wort
Cappuccino gesagt. Das war der Moment, als ich ihn nach der Hirnblutung zum ersten Mal wieder sprechen hören habe“, erzählt der Betreuer. Das sind die Erlebnisse, die Motivation geben, das Engagement nicht zurückzufahren.
Info: Der TV Darmsheim hat ein Spendenkonto eingerichtet. IBAN: DE86 6039 0000 0018 1180 54
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