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Böblingen: Die freiwilligen Feuerwehrleute werden nicht nur immer öfter, sondern auch immer anspruchsvoller gefordert

Erstmals mehr als 600 Einsätze

Mit 636 Einsätzen hat die Freiwillige Feuerwehr Böblingen im Jahr 2017 erstmals die Marke von 600 Einsätzen geknackt. Dies geht aus dem Jahresbericht hervor, den Kommandant Thomas Frech auf der gemeinsamen Hauptversammlung der Abteilungen Böblingen und Dagersheim vorgestellt hat. „Die Feuerwehr wird immer mehr gefordert“, so Frech.
Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber

Dies bedeutet eine Steigerung gegenüber dem Jahr zuvor um rund 20 Prozent – 2016 war die Böblinger Wehr zu 524 Einsätzen ausgerückt. Im Jahr 2018 waren die Böblinger Kameraden bislang 180 Mal gefordert: „Wenn wir das bis zum Jahresende hochrechnen, kämen wir dieses Jahr auf 840 Einsätze“, so Thomas Frech. Ein Grund für die stetige Zunahme seien viele kleine Einsätze, die unter anderem auf die vermehrte Zahl von Rauchmeldern zurückzuführen seien.

Die Einsätze im letzten Jahr teilen sich auf in 233 Brände, 228 technische Hilfeleistungen, 34 Umwelteinsätze und 141 Fehlalarme. Die spektakulärsten Einsätze waren ein Bombenfund in der Talstraße am 24. Februar, ein Zimmerbrand in der Kleiststraße am 31. März, ein Ertrinkungsfall am 2. April, der Großbrand im Möbelhaus am 1. Juni und der tragische Tod zweier Menschen durch einen auf ein Auto stürzenden Baum am 16. November.

Nicht nur würden die Einsätze mehr, sondern viele davon auch anspruchsvoller, so Thomas Frech. Unter anderem das Wachstum Böblingens mit immer mehr großen Wohn- und Geschäftsgebäuden, Tiefgaragen, Altenheimen oder Hotels verursache vielfältige Herausforderungen. Zudem werde die Feuerwehr immer öfter als Ersthelfer gefordert: Der demografische Wandel bringe mit sich, dass mehr allein lebende ältere Menschen in Not geraten und die Feuerwehr für technische und medizinische Unterstützung des Rettungsdienstes alarmiert würde, so Frech.

Dass diese Herausforderungen künftig nur von einer Berufsfeuerwehr bewältigt werden können, glaubt Thomas Frech jedoch nicht: „Ich trete entschieden den Gerüchten entgegen, dass ich eine Berufswehr will.“ Vielmehr sei ein „hauptamtliches Korsett“, das die ehrenamtliche Freiwillige Feuerwehr entlaste, der richtige Weg. Es könne jedoch nötig sein, die Zahl der Hauptamtlichen von derzeit 15 auf 18 zu erhöhen. Indem kleine Einsätze tagsüber von Hauptamtlichen übernommen würden, könnten die Arbeitgeber der ehrenamtlichen Feuerwehrkräfte entlastet werden, so Frech.

Bei einer Umfrage, die im November im Rahmen einer Studienarbeit unter den Mitgliedern der Böblinger Feuerwehr durchgeführt wurde, habe es „Lob und Kritik“ gegeben, berichtet Thomas Frech. Das Ergebnis ist die Gründung einer Projektgruppe die derzeit eine „Strategische Entwicklungskonzeption Feuerwehr Böblingen“ erarbeitet. „Unser Programm ist sportlich“, so Thomas Frech, „wir haben bis Ende März noch acht Sitzungen vor uns.“ Ziel der Konzeption ist es, die Zufriedenheit der Böblinger Feuerwehrleute zu erhöhen.

Die Freiwillige Feuerwehr müsse nicht nur zu immer mehr Einsätzen ausrücken, sondern sei dabei auch immer größeren Gefahren ausgesetzt, sagt Böblingens Erster Bürgermeister Tobias Heizmann in seinen Grußworten. Welchen Einsatz für die Allgemeinheit die Feuerwehrkameraden leisten, müsse offensiv in der Öffentlichkeit berichtet werden: „Das muss in die Köpfe der Menschen rein.“ Die Böblinger Wehr sei sehr gut aufgestellt, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern, so Heizmann: „Ich bin mir sicher, dies mit dieser Mannschaft hinzukriegen.“

Ehrungen bei der Böblinger Feuerwehr: Werner Dinkelaker (als Chef der Schönbuch Braumanufaktur ausgezeichnet als „Partner der Feuerwehr“), Tobias Heizmann (Erster Bürgermeister), Markus Priesching (Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Böblingen), Albert Dannecker (zum Ehrenmitglied ernannt), Thomas Reuter (25 Jahre Mitgliedschaft, silbernes Feuerwehr-Ehrenzeichen des Landes Baden-Württemberg), Horst Reichert (60 Jahre Mitgliedschaft in den Wehren Aidlingen und Böblingen), Jürgen Rudolf (50 Jahre Mitgliedschaft), Friedhelm Secker (25 Jahre Mitgliedschaft, silbernes Feuerwehr-Ehrenzeichen des Landes Baden-Württemberg), Michael Jursch (25 Jahre Mitgliedschaft, silbernes Feuerwehr-Ehrenzeichen des Landes Baden-Württemberg), Andreas Beck (silbernes Feuerwehr-Ehrenkreuz des Deutschen Feuerwehrverbands), Guido Plischek (Kreisbrandmeister), Andreas Kopp (silbernes Feuerwehr-Ehrenkreuz des Deutschen Feuerwehrverbands), Thomas Frohmader (Abteilungskommandant Dagersheim) und Kommandant Thomas Frech (goldenes Feuerwehr-Ehrenkreuz des Deutschen Feuerwehrverbands). Es fehlen: Alfred Wiedemann (65 Jahre Mitgliedschaft), Helmut Hahn (60 Jahre Mitgliedschaft). Bild: Staber