

Böblingen. „Einmal ist gut, zweimal ist besser“, sagt zur Eröffnung des Bühnen- und Aktionstages beim Stadtteilfest Diezenhalde am Samstag Böblingens Erster Bürgermeister Tobias Heizmann. Tatsächlich ist das Fest da schon zwei Tage alt. Und damit erstmals nach Corona wieder in der alten Spur.
Denn nach sieben Jahren läuft dieses 29. Stadtteilfest wie zuletzt vor Corona 2019 wieder an zwei Tagen. Als nach der Pandemiepause das Stadtteilfest 2024 seine Wiederauferstehung erlebte, war es ein Eintagesevent.
Nun lockte schon am Freitag die Stadtteilbibliothek mit Sonderöffnung am Nachmittag und im Anschluss ab 17 Uhr eine Hocketse mit Live-Musik vom Musikverein Musberg. „Wir haben fünf Stunden gespielt, ohne ein Stück zu wiederholen“, erzählt Carola Kieß, Querflötistin und Vorstandsmitglied bei den Musbergern. Und auf der Diezenhalde hauptamtlich aktiv als städtische Angestellte bei der Fachstelle bürgerliches Engagement im Stadtteiltreff Café Emil.
Womit sie als Ehrenamtliche beim Musikverein dort, hier als Hauptamtliche in Böblingens jüngstem und mit rund 9000 Einwohnern gleichzeitig größtem Stadtteil quasi ein lebendes Symbol für dieses Stadtteilfest selbst ist. Denn das verdankt seine schon am Eröffnungsfreitag trotz nicht ganz kuscheliger Wetterbedingungen große Anziehungskraft einem Netzwerk, geknüpft aus bürgerschaftlichem Engagement und hauptamtlichem Einsatz.
Die Koordinatorin des Diezenhalde-Fests Natalie Huttenlocher-Drachsler (links) am Stand der Frauengruppe Muhabbet. Bild: Heiden
Koordinatorin und Hauptverantwortliche für dieses Stadtteilfest Nr. 29 ist Natalie Huttenlocher-Drechsler. Die Sozialarbeiterin von der Fachstelle für bürgerschaftliches Engagement Böblingen ist in Elternzeitvertretung seit eineinhalb Jahren Leiterin des Stadtteil-Arbeitskreises AK Diezenhalde. Sie gibt freilich nach wenigen Worten zum Start des Bühnen- und Aktionstages am Samstag das Bühnenmikro schon weiter in ehrenamtliche Hände: Andrea Lenart-Decker und Ulf Gerhards moderieren das Bühnenprogramm am Stadtteilzentrum in der Freiburger Allee.
Im Gespräch abseits der Bühne betont Sozialarbeiterin Huttenlocher-Drechsler dann auch: Ohne die vielen Bürger, die sich ehrenamtlich einbringen, würde es dieses Fest nicht geben. So gehört zum kleinen hauptamtlichen Vorbereitungsteam auch das größere ehrenamtliche, bei dem auch das Moderatorenduo mitwirkt. Dabei erlebt die hauptamtliche Leiterin des AK Diezenhalde eine immense Bereitschaft der Bürgerschaft, sich hier zu engagieren. „In eineinhalb Jahren war es nicht schwierig, jemanden zu finden“, erzählt Natalie Huttenlocher-Drechsler zur Gewinnung von Feschtleshelfern. Und in derselben Zeit seien vier neue Ehrenamtliche zum Stadtteiltreff-Team dazugekommen. „Ich musste mich darum gar nicht bemühen“, so die AK-Leiterin.
Tobias Heizmann stellt derweil heraus, dass neben dem Bühnenprogramm auch das Gastroangebot nicht kommerziell und ehrenamtlich gewuppt wird. Tatsächlich trägt erstmals der Verein Grün-Weiss Böblingen mit rund 40 Köpfen die Gastro-Hauptversorgung von Pommes bis Bier bei der Fest-Hocketse. „Zwei Telefonate, dann schon ein Vor-Ort-Termin, das war völlig unproblematisch“, lobt dazu der Grün-Weiss-Vorsitzende Bela Stahl die völlig unbürokratische Anbahnung. Ergänzt wird das Gastroangebot von der Frauengruppe Muhabbet mit türkischen Spezialitäten und den Fördervereinen der Kitas Tannenzwerge und Peterstaler Straße und des Cafés Emil.
Das Bühnenprogramm am Samstag gestalteten der Chor der Erich-Kästner-Grundschule unter Leitung von Irene Bold, die Chorküken und Chorschnäbel der ökumenischen Kinderchöre unter Leitung von Joachim Schönball und Eva-Maria Haußmann, Bläserkids und Jugendkapelle der Böblinger Stadtkapelle und das Integrationsprojekt „In the Hood“ mit Kreistänzen, bevor am Abend dann die Schönaicher Band „Beyond Teenage“ die Bühne in Beschlag nahm. Beim großen Aktionsprogramm mit Ständen und Stationen warteten am Stadtteilzentrum unter anderem Rollenrutsche und Popcornstand des ökumenischen Gemeindezentrums, Airbrush- und Glitzertattoos der Kreissparkasse, Kreatives und Graffiti des Kinder- und Jugendtreffs und Torwandschießen nebst Schusskraftmessung der mobilen Jugendarbeit und Hüpfburg.
Während sich an den beiden Fest-Tagen bei ordentlich bis prima Wetterbedingungen bürgerschaftliches Engagement mit Händen greifen lässt, unterstreicht Bürgermeister Heizmann dessen Bedeutung: „Es wird immer wichtiger, dass wir zivilgesellschaftlich zusammenwirken und solidarisch sind, um eine bessere Zukunft für unsere Kinder gestalten zu können.“




