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150 Flurstücke wurden ausgewählt

Für den Schutz der Kulturlandschaft

Der Landschaftserhaltungsverband und der Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn haben gemeinsam ein Maßnahmenpaket zum Schutz vion Fledermäusen und Streuobstwiesen geschnürt.
Von Peter Maier
Hans Necker (Zweiter von links) hat als einer der ersten Streuobstwiesenbesitzer die Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Auf dem Bild sind Constanze Heck (LEV), Hans Necker, Philipp Beck (LEV) und Kai Kübler (ZV Hermann-Hesse-Bahn) zu sehen. Bild: z

Hans Necker (Zweiter von links) hat als einer der ersten Streuobstwiesenbesitzer die Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Auf dem Bild sind Constanze Heck (LEV), Hans Necker, Philipp Beck (LEV) und Kai Kübler (ZV Hermann-Hesse-Bahn) zu sehen. Bild: z

Kreis Böblingen/Kreis Calw. Im Rahmen der Reaktivierung der Bahnstrecke Weil der Stadt – Calw als Bestandteil der „Hermann-Hesse-Bahn“ wurde zwischen dem Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn und dem Naturschutzbund Deutschland Landesverband Baden-Württemberg ein umfangreiches Maßnahmenpaket zum Schutz der in und an den Bestandstunneln lebenden und überwinternden Fledermausarten vereinbart.

Dabei werden unter anderem verschiedene bauliche Maßnahmen umgesetzt. In den Bestandstunneln wird die sogenannte „Kammerlösung“ realisiert und im Umfeld wurden bereits zusätzliche Ersatzquartiere gebaut. Ein Großteil der Fledermaus-Maßnahmen zielt aber auf eine populationsstützende Aufwertung von Flächen im näheren Umfeld der Bahnstrecke ab. Dazu gehören neben der Neuanlage und Reaktivierung von Tümpeln auch Projekte im Wald, die den Fledermäusen mehr Lebens- und Nahrungsräume bieten sollen.

Den größten Teil der Maßnahmen bildet aber die langfristige Aufwertung mehrerer großer Streuobstgebiete entlang der Bahnstrecke. Streuobstwiesen prägen nicht nur das typische Kulturlandschaftsbild, sondern sind auch von großer Bedeutung für den Natur- und Artenschutz. Sie bieten einen unverzichtbaren Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten. Darunter auch zahlreiche Fledermausarten, die Streuobstwiesen bei ihrer Nahrungssuche als Jagdhabitate und alte Baumhöhlen im Sommer als Schlafplätze nutzen. Um die ökologische Funktion, aber auch die Ertragsfähigkeit der Bäume langfristig zu erhalten, bedarf es einer regelmäßigen und fachgerechten Pflege. Für Streuobstwiesenbesitzerinnen und -besitzer eine arbeitsintensive und in vielen Fällen auch selbst kaum leistbare Aufgabe.

Für die Umsetzung der zahlreichen Fledermaus-Schutzmaßnahmen wurde deshalb im vergangenen Jahr ein Kooperationsprojekt zwischen dem Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn und dem Landschaftserhaltungsverband Calw (LEV) ins Leben gerufen. Seit August 2021 betreut Constanze Heck die Umsetzung der populationsstützenden Maßnahmen entlang der Bahnstrecke. Die studierte Agrarwissenschaftlerin und ausgebildete Fachwartin für Obstbaumpflege und kümmert sich nun zunächst vorwiegend um die zu pflegenden Streuobstbestände. Insgesamt sollen 20 Hektar Streuobstflächen in den Bereichen Althengstett, Ostelsheim und Calw aufgewertet und fachgerecht gepflegt werden. Es handelt sich um mehr als 150 Flurstücke mit über 1000 Bestandsbäumen. Viele der potentiell geeigneten Flächen wurden bereits ausgewählt und die Grundstückseigentümer kontaktiert. „Die aktive Pflege der Obstbäume ist entscheidend, damit diese ein hohes Baumalter erreichen und wertvolle Habitatstrukturen entstehen können“, berichtet Constanze Heck.