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Kommentar

Jede Menge faule Ostereier

Von Chefredakteur Jürgen Haar

Ladenschließungen:

Ganz allmählich dämmert es auch den Gutgläubigen, dass die baden-württembergische Landesregierung mit ihrer Verordnung zur Schließung von Ladengeschäften den kleinen Handwerksbetrieben und Einzelhändlern jede Menge faule Ostereier ins Nest gelegt hat und für eine enorme Wettbewerbsverzerrung sorgt. Und mit ihrem Zickzack-Kurs fördert die Regierung die Verunsicherung. So ist dem offensichtlich überforderten Sozialminister Manne Lucha (Grüne) nach über drei Wochen klar geworden, dass man jetzt auch die Zahnarztpraxen schließen muss und nur noch akute Erkrankungen und Notfälle behandelt werden dürfen. Man wolle den Zahnärzten „Rechtssicherheit“ sagte Lucha im Fernsehen. Was er damit meint, wird nicht klar. Dass man erst jetzt darauf gekommen ist, begründet Lucha mit der „dynamischen Entwicklung“.

Landesweit löst das Hin und Her nur noch Kopfschütteln aus. Einmal dürfen Metzgereien an Karfreitag öffnen, dann heißt es wenige später „April, April“. Zu was das führt, hat die SZ/BZ am Beispiel der Metzgerei Lipp aufgezeigt (siehe auch die Ausgabe vom 8. April).

Noch gravierender aber ist, dass das CDU-geführte Wirtschaftsministerium in Stuttgart mit ihren Auslegungen den großen Ketten wie Aldi, Lidl, Real, Müller, DM, Hornbach oder Obi die Kundschaft in die Arme treibt und damit den Fach-Einzelhandel am ausgestreckten Arm verhungern lässt. Die Waschmaschine, die jetzt bei Real gekauft wird, ist für den Elektro-Fachhandel später verloren.

Dass man die kleinen Händler schützen kann, beweist einmal mehr Bayern. Während Müller in seinen Märkten in Böblingen und Sindelfingen weiter alles verkaufen darf, also auch Schreibwaren und Spielzeugartikel, musste der Müller-Markt in der Münchner Innenstadt alle Sortimente absperren, die mit Drogerieartikeln nichts zu tun haben.

juergen.haar@szbz.de