

„17,50 Euro im Monat sind echt nicht viel Geld dafür, dass jemand Unabhängiges berichtet“, sagt Stefanie Schneider, die für ein Zusammenspiel von privaten und öffentlich-rechtlichen Medien argumentiert: „Das duale System, das wir haben, ist gut.“
Warum für diese Funktion der Öffentlich-Rechtlichen ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm nötig ist, begründet Schneider so: „Eine Demokratie funktioniert nur, wenn auch Menschen die Chance haben, gut informiert zu sein, die nicht aktiv nach diesen Informationen suchen. Nur mit Meinungseliten funktioniert eine Demokratie nicht.“ Die Nachrichten nach der Schlagersendung, die hochwertige Dokumentation nach dem spannenden Krimi: „Wir brauchen eine Mischung, die gut zu konsumieren ist“, sagt Stefanie Schneider, die auf diese Weise Informationen an Menschen heranbringen möchte, die eigentlich nur unterhalten werden wollen.
Doch auch bei der Unterhaltung selbst hätten öffentlich-rechtliche Medien eine wichtige Funktion, argumentiert Schneider: „Es gibt auch andere Unterhaltung als Bauer sucht Frau’, nämlich Unterhaltung, die respektvoll mit Menschen umgeht.“ Solche „freundliche Unterhaltung“ sei wichtig, damit lasse sich jedoch kein Geld verdienen: „Was sich gut verkauft, lebt von immer härterer und krasserer Zuspitzung.“ Auftrag der Öffentlich-Rechtlichen sei es, Unterhaltung auch für Menschen anzubieten, die mit dieser Zuspitzung nichts anfangen können – auch, wenn der Markt eigentlich etwas anderes verlangt.
Den Einwand des Böblinger SPD-Stadtrats Florian Wahl, dass die Öffentlich-Rechtlichen inzwischen entgegen ihres Kernauftrags bei der hart umkämpften Lokalberichterstattung mitmischen und so den Markt verzerren, lässt Stefanie Schneider nicht gelten: „Wir machen keine flächendeckende Lokalberichterstattung.“ Und aus der regionalen Berichterstattung hätten sich viele Verlage zurückgezogen, lange bevor die Öffentlich-Rechtlichen diese Lücke gefüllt hätten. „Außerdem lässt sich mit echtem Journalismus im Internet kein Geld verdienen. Die Verlage hätten gar nichts davon, wenn sich die Öffentlich-Rechtlichen aus der Regionalberichterstattung zurückziehen würden.“
Beim „Wortwechsel“ mit Stefanie Schneider handelt es sich um die fünfte Auflage dieses Formats, bei dem das Kulturnetzwerk Blaues Haus mit dem Böblinger Max-Planck-Gymnasium kooperiert. Mithilfe der Lehrerinnen Johanna Wörner-Wohlfelder und Heike Laws sind bei „Wortwechsel“ Schüler federführend für die Interviews der geladenen Gäste verantwortlich. „Die Vorbereitung und mein Auftritt sind Teil meines Schulunterrichts“, erklärt Lena Strobel, die das Gespräch mit Stefanie Schneider gemeinsam mit dem Moderator der Night-Talk Reihe im Blauen Haus, Steffen Volkmer, führt: „Gemeldet habe ich mich aber hauptsächlich deswegen, weil mich das Thema persönlich sehr stark interessiert.“
Bei der nächsten Auflage von „Wortwechsel“ wird am 15. Juli der ehemalige Fußballschiedsrichter Knut Kircher im Blauen Haus zu Gast sein.


