Menü
Weil der Stadt: Informationstag zum Thema „Frauen in der Geschichte des Islam“ in der Qamar-Moschee / Miteinander ins Gespräch kommen

Klare Rollenverteilung, aber gleiche Rechte

Zum ersten Mal hat sich die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde an den Weil der Städter Frauenwochen beteiligt. Unter dem Motto „Frauen in der Geschichte des Islam“ folgten über 20 Interessierte der Einladung von Rameza Bhatti und Ayesha Shaheen in die Qamar-Moschee, um sich durch Vorträge und eine Ausstellung über die Stellung der Frau im Islam zu informieren.
Von unserem Mitarbeiter Matthias Staber

Mit großem Interesse ist Christa Scheck der Einladung in die Qamar-Moschee in der Weil der Städter Eisenbahnstraße gefolgt: „Die Stellung der Frau ist ein brandaktuelles Thema“, sagt die Malmsheimerin. „Und die Ahmadiyya-Gemeinde gehört ja zu den liberaleren muslimischen Gemeinden.“

Im Großen und Ganzen würden diese Muslime so leben, wie sich Deutsche das in einer liberalen Gesellschaft vorstellen, lautet Christa Schecks Fazit nach dem Besuch der Qamar-Moschee. Wenn nur das Kopftuch nicht wäre: „Ich habe tatsächlich ein Problem mit dem Kopftuch, das muslimische Frauen tragen müssen. Das ist nun mal bei uns unüblich, und Frauen tun sich in unserer Gesellschaft nichts Gutes mit einem Kopftuch. Sie verbauen sich Chancen.“

Christa Schecks Bekannte Ulrike Kempf, ebenfalls aus Malmsheim, sieht dies anders: „Mich stört das Kopftuch überhaupt nicht. Es ist das gute Recht dieser Frauen, sich so zu kleiden, wie sie wollen. Wir müssen so tolerant werden, dass wir nicht das Kopftuch sehen, sondern den Menschen.“

Über diese Themen miteinander ins Gespräch kommen, anstatt nur übereinander zu reden: Genau dies ist das Ziel dieser Veranstaltung „von Frauen für Frauen“, zu der die Frauenorganisationen der Ahmadiyya-Gemeinden aus Calw, Böblingen und Renningen in die Weil der Städter Qamar-Moschee geladen haben. „Wir haben hier sehr fruchtbare Gespräche“, sagt die Böblingerin Ayesha Shaheen, die zusammen mit Rameza Bhatti aus Horb das 15-köpfige Organisationsteam der Veranstaltung leitete: „Die Menschen sind bereit zuzuhören, kommen aber durchaus mit einigen Vorurteilen zu uns“, so Bhatti: „So sind einige Besucher überrascht, dass die meisten von uns Frauen studiert haben, berufstätig sind oder derzeit studieren.“

Deutschlandweit gehören rund 40 000 Muslime der Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft an, einer Konfession des Islam, die aus Indien stammt. Die meisten der Ahmadiyya-Muslime in Deutschland haben einen pakistanischen oder indischen Migrationshintergrund. Ihre Glaubensgemeinschaft sei davon überzeugt, dass viele extreme Auslegungen des Islam heutzutage nicht dem eigentlichen Wesen dieser Religion folgen, erläutert Rameza Bhatti. Solche Auslegungen des Islam könnten sich jedoch nicht auf den Koran stützen.

Bereits im siebten Jahrhundert seien im Islam die Rechte der Frauen festgeschrieben worden, sagt Rameza Bhatti: „Wesentlich früher als im Westen.“ Im Islam sei die Stellung von Mann und Frau gleich, so Bhatti: „Denn nur deine Taten zählen, nicht dein Geschlecht.“ Zwar gebe es eine klare Rollenverteilung, die jedoch keine ungleichen Rechte bedeuten würden: „Der Mann hat die Hauptverantwortung dafür, die Familie zu versorgen. Die Frau darf arbeiten, muss es aber nicht.“

Eine solche Veranstaltung könne dabei helfen, Vorurteile abzubauen, sagt Ayesha Shaheen: „Denn die Stellung der Frau im Islam wird sehr oft falsch dargestellt.“ Die erstmalige Teilnahme der Qamar-Moschee an den Weil der Städter Frauenwochen sei deswegen als voller Erfolg zu werten: „Wir sind beim nächsten Mal sehr gerne wieder mit dabei.“

Ayesha Shaheen (links) aus Böblingen und Rameza Bhatti aus Horb luden unter dem Motto „Frauen in der Geschichte des Islam“ zum Abbau von Vorurteilen in die Weil der Städter Qamar-Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde. Bild: Staber