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Sindelfingen: Treffen der Vereinsvorsitzenden mit der Stadtverwaltung im Eichholzer Täle

Kurswechsel für das Straßenfest

Aushängeschild und Sorgenkind zugleich scheint derzeit das Internationale Sindelfinger Straßenfest (ISF). Beim nun schon traditionellen Treffen der Vereinsvorsitzenden stellte OB Dr. Bernd Vöhringer im Eichholzer Täle dazu eine Frage: Was kann die Stadt beitragen, um den Vereinen die Teilnahme zu erleichtern?
Von unserem Mitarbeiter Bernd Heiden
Zahlreich erschienen waren die Sindelfinger Vereinsvorsitzenden zum 12. Treffen. Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer und Teile der Stadtverwaltung hörten sich die Ideen und Anregungen an. Bild: Heiden

Zahlreich erschienen waren die Sindelfinger Vereinsvorsitzenden zum 12. Treffen. Oberbürgermeister Dr. Bernd Vöhringer und Teile der Stadtverwaltung hörten sich die Ideen und Anregungen an. Bild: Heiden

Zahlreich erschienen waren die Vereinsvorsitzenden zu diesem 12. Treffen. Angesichts des durch die Vereinsspitzen repräsentierten Sindelfinger Vereinskunterbunts sagt der OB zur Begrüßung: „Wir wissen, was wir an den Vereinen haben, was sie in der Stadt bewegen.“ Er geht dabei explizit auf die durch das Vereinsengagement entfachte Integrationskraft ein. 50 Prozent der Sindelfinger Bürger hätten einen Migrationshintergrund, die Hälfte dieser Mitbürger einen ausländischen Pass: „Das ist, was Sindelfingen ausmacht, diese Vielfalt.“

So habe die Stadt den Ansporn, die Vereine zu unterstützen, was momentan auch leicht falle. Dieses Jahr kalkuliere die Stadt mit 100 Millionen Euro Gewerbesteuereinnahmen.

Anders als bereits in der Vergangenheit ist also derzeit Geld nicht das vordringlichste Problem. Das wird deutlich beim Hauptthema des Treffens: Das ISF.

„Da sind so wenig Sindelfinger Vereine dabei“, erzählt der OB von den Besucherstimmen, die im Rathaus ankommen. Um die Vereine finanziell zu unterstützen, habe die Stadt sei 2 Jahren die Grundgebühr für die Stände übernommen. Allerdings klagten viele Vereine, dass sie das mittlerweile an drei Tagen laufenden ISF personell nicht stemmen könnten. „Wir würden gerne einen Beitrag leisten“, hofft er auf Anregungen aus der Runde.

Hermann Ayasse unterstreicht zunächst mit Nachdruck den Wunsch, dass das Fest zu Bedingungen läuft, die für die Vereine machbar sind. „Über Finanzen können wir sprechen“, antwortet der OB. Gegen Personalmangel könne die Stadt selbst unmittelbar nichts machen. Andreas Schneider-Dölker verweist auf den Tübinger Weihnachtsmarkt. Der biete freitags den Vereinen eine Präsentationsfläche, ohne dass sie sich an den weiteren Tagen beteiligen müssten. Der Vorschlag erhält lebhaften Applaus.

Zettelwand mit Vorschlägen

„Das könnte eine Idee sein“, findet auch der OB. So müsste das mittlerweile von Freitag- bis Sonntagabend laufende ISF nicht generell reduziert werden. Josef Svajger vom slowenischen Kulturverein Triglav, der sich seit dem 1. ISF jährlich bis heute beteiligt, nennt dramatische Zahlen zum Vereinsschwund beim ISF. So hätten vor 6 Jahren noch 56, jetzt nur noch 21 Vereine mitgemacht. Im selben Zeitraum hätten sich die Gesamtkosten von 100 000 auf 200 000 Euro verdoppelt.

Der OB zeigt sich verwundert angesichts dieser Rechnung. Gestiegene Gesamtkosten gerade wegen eines hohen Anteils für mehr Sicherheit bejaht er zwar. Aber geänderte Bilanzen und Begleitmaßnahmen seien im Haushalt der Stadt berücksichtigt. „Eine Gesamtverdoppelung für die Vereine würde mich wundern“, sagt deshalb der OB zur vermeintlich gestiegenen Vereinsbelastung.

Kulturamtsleiter Horst Zecha weist auf die Differenz zwischen gefühlter Beobachtung und statistischen Zahlen hin. So hätten sich die Vereinsteilnehmerzahlen in den zurückliegenden 3 Jahren nicht geändert. Auch sei sein Eindruck nicht, dass die Teilnahme ein finanzielles Problem sei. Die Klage von Vereinen, man stemme das Fest personell nicht, da könne die Stadt dagegen direkt nichts machen. Er sieht zudem das ISF als einen großen Dampfer, der statt Zick-Zack einen langsamen Kurswechsel braucht. Auch dafür gibt’s Applaus.

Auf der Zettelwand mit Vorschlägen zur Erleichterung für Vereine zur ISF-Teilnahme finden sich weitere Vorschläge. Christian Michel, Vorsitzender des Martinsschule-Fördervereins regt etwa an, kleinere Vereine könnten sich zusammentun, um am ISF teilzunehmen.

Neben dem großen Dampfer ISF kommt am Rande auch die Begleitflotte zur Sprache. So regt Michael Ruiz-Martin eine gemeinsame Facebook-Plattform für die Veranstaltungen aller Vereine an. Rathaus-Sprecherin Nadine Izquierdo erklärt, es gebe bereits eine Veranstaltungsgruppe auf der Facebook-Seite „sindelfingen.de“ der Stadt. Der Anregung Jasmin Hölderlins vom Chor Vocal Explosion, den Vereinen den Glaspalast für einen Tag als Präsentationsplattform zu geben, begegnet der OB mit Skepsis: Dies sei ein großer Aufwand. Der Neubürgerempfang biete jedes Jahr den Vereinen Gelegenheit, sich zu präsentieren, verweist er auf die existierende Alternative.

SZ/BZ-Mitarbeiter Bernd Heiden berichtet seit Jahren sowohl über die Vereinslandschaft als auch die Lokalpolitik in Sindelfingen.