

Gärtringen/Kreis Böblingen. Hand aufs Herz: Erinnern Sie sich noch an Ihre erste Fahrradtour? Die ersten unsicheren Meter, dann der Moment, in dem es plötzlich gelingt – und dieses Gefühl von Freiheit, Fahrtwind und Selbstbestimmung. Was für viele Menschen selbstverständlich erscheint, bleibt anderen oft ein Leben lang verwehrt. Umso bedeutender ist eine Initiative der Gemeinnützigen Werkstätten und Wohnstätten (GWW), die genau diese Erfahrung nun möglich gemacht hat.
Gemeinsam mit dem Mobilitätspartner e-motion e-Bike-Welt Gärtringen organisierte die GWW erstmals eine begleitete Fahrradtour für erwachsene Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf. Mit speziell angepassten Fahrrädern, gefördert durch die „Aktion Mensch“, ging es für die Teilnehmenden auf eine rund zweistündige Tour über etwa elf Kilometer durch den Schönbuch. Die Strecke führte durch Wälder und Täler und bot nicht nur Bewegung, sondern auch vielfältige Eindrücke aus Natur und Region. Begleitet wurde die Gruppe von Sigi Zenger, der den Teilnehmenden spannende Einblicke in die Besonderheiten der Landschaft vermittelte – etwa in den Schutz des Kiebitz-Lebensraums sowie die Bedeutung der Schönbuch-Eichen, deren Holz europaweit gefragt ist.
Doch die eigentliche Bedeutung dieser Tour lässt sich nicht in Kilometern messen. Die Wirkung zeigte sich unmittelbar bei den Teilnehmenden – auch bei Menschen ohne Lautsprache. Freude, Neugier und Begeisterung wurden in Mimik, Gestik und Körperhaltung sichtbar. Bewegung, Geschwindigkeit und neue Eindrücke eröffneten Erfahrungsräume, die bisher verschlossen waren.
Die GWW verfolgt konsequent das Ziel, Menschen mit Behinderung eine selbstbestimmte Teilhabe an Arbeit, Bildung, Wohnen und Freizeit zu ermöglichen. Gerade für Menschen mit komplexem Unterstützungsbedarf sind diese Lebensräume häufig stark eingeschränkt. Umso wertvoller ist jede Erweiterung dieser Erfahrungsräume – jeder neue Ort, jede Begegnung und jede Aktivität steigern unmittelbar die Lebensqualität. Die eingesetzten Spezialräder schaffen dabei nicht nur einmalige Erlebnisse, sondern eine nachhaltige Grundlage: Sie ermöglichen es, den Sozialraum künftig regelmäßig zu erschließen und Teilhabe langfristig zu stärken.
„Ein besonderer Dank gilt Thomas Haas, Sigi Zenger sowie allen Fahrerinnen, Fahrern und Begleitpersonen, die diese außergewöhnliche Erfahrung ermöglicht haben“, so Stiftung Campus Mensch per Pressemitteilung. Eines steht bereits fest: Weitere Touren werden folgen.
Weitere Informationen gibt es hier: www.stiftung-campus-mensch.de




