

Aidlingen. Soll der Geh- und Radweg entlang der Kreisstraße zwischen Aidlingen und Dagersheim neu gebaut und dabei die 17-prozentige Steigung auf sieben Prozent entschärft werden. Mit großer Mehrheit stimmte der Kreistag im Oktober 2025 zu (https://www.szbz.de/nachrichten/artikel/bund-der-steuerzahler-kritisiert-hohe-kosten-fuer-entschaerfung-des-radwegs). Neben sechs Enthaltungen gab es auch 16 Nein-Stimmen – was vor allem den hohen Baukosten geschuldet war. Denn die Maßnahme, die eine Strecke von 370 Metern umfasst, soll fast eine Million Euro kosten. Eine hohe finanzielle Belastung für den Steuerzahler, so der einhellige Tenor damals.
Die Bauarbeiten an der „Kehle“ wie der Volksmund die Steigung nennt, die sich das Würmtal entlang der Kreisstraße 1066 hinaufzieht, haben im März begonnen. Sie sind für den Landkreis vergleichsweise kostengünstig: Für den Einschnitt in die Böschung sowie deren Sicherung durch eine Spritzbetonschale und 300 Mikropfähle werden rund eine Million Euro veranschlagt. Davon übernimmt das Land Baden-Württemberg 960 000 Euro.
Für viele Bürger, dass wurde auch in einigen Leserbriefen deutlich, ist diese Baumaßnahme unnötig wie ein Kropf. Auch Bernhard Hahn aus Dachtel, der sich per E-Mail in der SZ/BZ-Redaktion meldet, hat überhaupt kein Verständnis. „Der bisherige Radweg wird seit vielen Jahren benutzt, sonntags habe ich beobachtet, dass unzählige Radfahrer den bisherigen Radweg benutzen, alle die ich gesehen habe sind ohne abzusteigen hochgefahren, wer das nicht schaffen sollte, muss rund 30 Meter sein Fahrrad schieben.“
Im heutigen Zeitalter der E-Bikes sei es laut Bernhard Hahn überhaupt kein Problem dieses sehr kurze Steilstück zu meistern, auch Bio-Biker (ohne Strom) schafften dies mit ein wenig Kondition. „Jetzt wird aufgrund dieser sehr kurzen Steilstrecke, Radwege in dieser kurzen Steigung gibt es überall in unserem Land, der Radweg verlegt. Dieser verlegte Radweg, der das kurze Steilstück überwinden soll, ist rund 370 Meter lang, und kostet eine Million Euro. Der Auslauf oben, mit dem Anschluss an den bisherigen Radweg, ist rund 150 Meter lang und steiler als der bisherige Radweg. Von dem Eingriff in die Natur und der Umweltzerstörung des gewachsenen Hanges ganz zu schweigen, daher dürfte schon allein aus diesem Grunde der Radweg nicht gebaut werden“, hat der Dachteler überhaupt kein Verständnis.
Zudem kritisiert Bernhard Hahn: „Es werden erhebliche Geländeveränderungen durchgeführt, Stahlanker in den Hang/Böschung getrieben und mit Beton befestigt damit die geplante meterhohe Stützmauer hält. Zudem liegt der neue Radweg direkt an einer viel befahrenen Straße. Ich bin auch ein leidenschaftlicher Radfahrer aber das steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Dieses Geld hätte man viel sinnvoller in Kindergärten, Schulen oder andere Radwege investieren sollen.“
Die SZ/BZ fragte im Nachgang des Kreistag-Votums im Okotber beim Bund der Steuerzahler Baden-Württemberg nach und erhielt vom Landesvorsitzenden Eike Möller folgende Antwort: „Dieser Radweg ist ein klassisches Beispiel für Fehlanreize durch Mischfinanzierungen. Wenn man nur 10 Prozent der Investitionskosten selbst tragen muss, dann fällt es leicht, den Umbau eines Radweges auf 370 Metern für eine Million Euro zu beschließen. Am Ende werden aber immer die Steuerzahler zur Kasse gebeten, egal ob dafür der Kreis oder das Land bezahlt.“




