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Weil der Stadt

Politik und Sport prüfen „Allianz der Integration“ 

Wie ein Projekt im Landkreis Böblingen Fachkräfte aus Südasien binden will.
Von Peter Maier
Gemeinsames Gruppenbild auf dem Gelände des TSV Hausen.

Gemeinsames Gruppenbild auf dem Gelände des TSV Hausen.

Bild: z

Kreis Böblingen. Ein Szenario, das vielen Personalabteilungen in der Region Stuttgart und im Landkreis Böblingen bekannt ist: Hochqualifizierte Fachkräfte aus Indien und Südasien kommen in die Region, arbeiten als Ingenieure, IT-Spezialisten oder studieren an den Hochschulen – und verlassen Deutschland oft nach wenigen Jahren wieder. Der Grund ist meist nicht das Gehalt, sondern fehlende soziale Anbindung. Die Lösung für dieses „Bindungsproblem“ könnte sich nun in Weil der Stadt-Hausen abzeichnen. Eine hochrangige Delegation traf sich auf dem Gelände des TSV Hausen, um ein Projekt zu besprechen, das weit über den lokalen Sport hinausgeht: den „Cricket Vision Campus“.

Politische Allianz für Wirtschaftsstandort

Die Brisanz des Themas spiegelte sich in der Gästeliste wider. Der indische Generalkonsul Shatrughna Sinha reiste eigens zu diesem Anlass aus München an, flankiert von den beiden Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Böblingen, Marc Biadacz (CDU) und Jasmina Hostert (SPD). Dass Regierungs- und Oppositionspolitiker hier Seite an Seite stehen, unterstreicht den strategischen Konsens: Die Region benötigt „weiche Infrastruktur“, um im globalen Wettbewerb um die besten Talente attraktiv zu bleiben.

„Wir müssen Orte schaffen, an denen sich internationale Fachkräfte und ihre Familien zu Hause fühlen“, erklärte Projektleiter Chandramohan Dhanasekaran das Konzept. Der geplante Campus soll das erste ökologische Bundesleistungszentrum für Cricket in Süddeutschland werden – pünktlich zum olympischen Debüt der Sportart 2028. Primär soll es jedoch als kultureller Ankerpunkt für die wachsende indische und südasiatische Community in der Region Stuttgart dienen.

Ein bundesweites Vorzeigeprojekt aus dem Kreis Böblingen Die Finanzierung solcher Infrastruktur stellt Kommunen oft vor große Herausforderungen. Die Projektverantwortlichen präsentierten daher eine innovative Lösung: die Aufwertung des Vorhabens zu einem „Nationalen Projekt des Städtebaus“.

Dieser Status würde es der Kommune ermöglichen, den städtischen Eigenanteil durch Drittmittel aus der Privatwirtschaft (Corporate CSR) zu ersetzen. Große Arbeitgeber der Region könnten so direkt in die Attraktivität des Standorts investieren, ohne den Gemeindehaushalt zu belasten. „Das Projekt verbindet Geopolitik – Stichwort: deutsch-indische Migrationspartnerschaft – mit lokaler Handlungsfähigkeit“, lautete das Fazit des Treffens.

Hausaufgabe für Berlin Die Bundestagsabgeordneten Hostert und Biadacz nahmen von dem Termin einen klaren Auftrag mit nach Berlin: Das Projekt bei den zuständigen Ministerien auf die Agenda zu setzen, insbesondere im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauen. Flankenschutz erhält das Vorhaben bereits durch ein Unterstützungsschreiben des Deutschen Botschafters in Indien, Dr. Philipp Ackermann.

Für den Landkreis Böblingen könnte der Campus zu einem Leuchtturmprojekt für gelungene Fachkräfte-Integration werden. Die Region Stuttgart ist ein dynamischer Wirtschaftsstandort, der stark auf internationale Talente angewiesen ist. Dieses Projekt schafft die notwendige „weiche Infrastruktur“ – gerade für die vielen Ingenieure und Studierenden aus Südasien, die für die Unternehmen der Region unverzichtbar sind.