

Dätzingen. Der Förderverein Schloss Dätzingen lädt für Donnerstag, 18. Juni, zu einem weiteren Schlossgespräch ein. Dr. Pierre Pfütsch spricht um 19 Uhr im Maltesersaal von Schloss Dätzingen über Gesundheit und Krankheit in der Frühen Neuzeit. Der Vortrag trägt den Titel „Aderlass, Heilkräuter und Maulbeersaft“ und nimmt die Zeit zwischen 1500 und 1800 in den Blick.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Menschen zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert Krankheit, Körper und Heilung verstanden. Gesundheit war damals nicht allein ein medizinischer Zustand im heutigen Sinn. Sie war eng mit sozialen, kulturellen und religiösen Vorstellungen verbunden. Der Vortrag zeigt, wie stark medizinische Praktiken und Deutungen von den Weltbildern der jeweiligen Zeit geprägt waren.
Ein Beispiel liefern Aufzeichnungen eines Wiener Kardinals aus dem 16. Jahrhundert. Sie geben Einblick in den Alltag eines hochrangigen Geistlichen und zeigen, welche Bedeutung Fragen der richtigen Lebensführung hatten. Gesundheitspflege war demnach nicht nur eine persönliche Angelegenheit, sondern hing auch mit gesellschaftlichem Stand und den damit verbundenen Möglichkeiten zusammen.
Der Vortrag richtet den Blick auch auf jene Personen, die in der medizinischen Versorgung eine Rolle spielten. Neben akademisch ausgebildeten Ärzten waren Bader, Chirurgen, Hebammen, Apotheker sowie zahlreiche Laienheiler tätig. Die Angebote waren entsprechend vielfältig. Sie reichten von pflanzlichen Arzneien über chirurgische Eingriffe bis zu religiösen Praktiken wie Gebeten, Wallfahrten oder dem Einsatz von Amuletten.
Welche Hilfe in Anspruch genommen wurde, hing von mehreren Faktoren ab. Vertrauen und Erfahrung spielten ebenso eine Rolle wie soziale Netzwerke, finanzielle Möglichkeiten, regionale Verfügbarkeit und persönliche Überzeugungen. Der Vortrag will damit nicht nur historische Heilmethoden vorstellen, sondern auch zeigen, wie eng Medizin, Alltag und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit miteinander verbunden waren.
Dr. Pierre Pfütsch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Medizin am Bosch Health Campus. Außerdem ist er Lehrbeauftragter am Historischen Institut der Universität Mannheim sowie an den Medizinischen Fakultäten der Universitäten Gießen und Osnabrück. Zum Thema hat er mehrere Bücher veröffentlicht.
Anmeldungen sind per E-Mail an die Adresse SchlossDaetzingen@gmail.com möglich oder über den Förderverein, dessen Briefkasten sich am Dätzinger Schloss befindet.



