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Landrat Bernhard: "Das Maß ist voll"

Schönbuchbahn: Zugbetrieb wird vollständig eingestellt

Ersatzbusse sollen den ganzen Februar fahren, die Kosten soll der Hersteller tragen. Betrieb soll erst wieder aufgenommen werden, wenn genügend funktionsfähige Fahrzeuge zur Verfügung stehen.
Von Isabell Gospodarczyk
Seit Monaten haben die neuen Züge der Schönbuchbahn mit Problemen zu kämpfen.

Seit Monaten haben die neuen Züge der Schönbuchbahn mit Problemen zu kämpfen.

Bild: z

Kreis Böblingen. Nach wiederholten Ausfällen der neuen Elektrozüge des Herstellers CAF und „den damit verbundenen, nicht haltbaren Zusagen“ kündigt der Böblinger Landrat Roland Bernhard harte Konsequenzen an. Der Zugbetrieb auf der Schönbuchbahn wird mit sofortiger Wirkung bis auf Weiteres vollständig eingestellt. Stattdessen bleibt ein Schienenersatzverkehr mit Bussen bestehen. Die Kosten dafür sollen dem spanischen Fahrzeughersteller CAF in Rechnung gestellt werden.

In einer Pressemitteilung findet Landrat Roland Bernhard, der zugleich Verbandsvorsitzender des Zweckverbands Schönbuchbahn ist, klare Worte: „Das Maß ist voll. Wir lassen uns und vor allem die vielen tausend Pendler und Fahrgäste in unserem Landkreis nicht länger von der Firma CAF hinhalten. Was hier abgeliefert wurde, ist eines führenden Schienenfahrzeugherstellers unwürdig und für eine wirtschaftsstarke Hightech-Region wie unsere schlicht inakzeptabel. Die ständigen Pannen, die kurzfristigen Ausfälle und die gebrochenen Versprechen haben das Vertrauen in den Hersteller fundamental zerstört.“

Oberste Priorität: Verlässlichkeit

Am Wochenende verkehrten auf der Schönbuchbahn noch zwei Züge im Halbstundentakt. Ab Montag ist damit Schluss, denn dann müssen diese zwei Züge wegen fristgebundener Instandhaltungsarbeiten und einer defekten Tür in die Werkstatt – wo bereits zwei weitere wegen einer Fehlermeldung stehen. Somit fährt die Schönbuchbahn ohnehin ab Montag nicht mehr, da nicht genügend funktionsfähige Fahrzeuge zur Verfügung stehen.

Landrat Bernhard betont in der Pressemitteilung, seine oberste Priorität sei die Verlässlichkeit für Schüler, Auszubildende und Berufspendler. „Ein unzuverlässiger Bahnbetrieb, der von Tag zu Tag neu geplant werden muss, schadet dem Vertrauen in den öffentlichen Nahverkehr massiv. Deshalb ziehen wir jetzt die Notbremse.“ Der Schienenersatzverkehr mit Bussen soll den ganzen Februar beibehalten werden. „Das ist eine ehrliche Lösung, auch wenn sie nicht so komfortabel ist, wie ein reibungsloser Zugverkehr.“

Vor wenigen Tagen haben die Jugendgemeinderäte aus Holzgerlingen, Böblingen und Sindelfingen scharfe Kritik geübt. Diese sprachen von einem „Totalversagen“ und forderten politische Konsequenzen.

Ultimatum an den Hersteller

Die Verantwortung für die Situation sieht der Landrat klar beim spanischen Hersteller CAF. „Der Zweckverband hat seine Hausaufgaben gemacht. Wir haben für fast 200 Millionen Euro die Strecke für die Zukunft ertüchtigt und nagelneue Fahrzeuge eingekauft. Der Hersteller CAF hat es bis heute nicht geschafft, uns funktionierende Züge zu liefern. Die vollen Kosten für den notwendigen Schienenersatzverkehr und alle weiteren entstehenden Schäden werden wir CAF in Rechnung stellen. Wir werden uns schadlos halten.“

Der Bahnbetrieb soll erst dann wieder aufgenommen werden, wenn der Hersteller mindestens sechs voll funktionsfähige Fahrzeuge für den Dauerbetrieb bereitstellt. Bernhard setzt CAF dafür ein Ultimatum bis zum 23. Februar: „Sonst kollabiert der öffentliche Nahverkehr längs der Schönbuchbahn komplett, weil dann auch der Schienenersatzverkehr wegen einer geplanten Straßenbaustelle in Weil im Schönbuch behindert ist.“