

Holzgerlingen. Rote Edelstahl-Ringe, mit runden Öffnungen ähnlich einer Getränkehalterung im Auto versehen, sind seit einigen Tagen an zehn öffentlichen Mülleimern in Holzgerlingen zu finden. Darüber prangt jeweils ein Aufkleber, der erklärt, was es mit dieser Konstruktion auf sich hat. Es handelt sich um einen Pfandring: „Hier können Pfandflaschen abgestellt werden, anstatt sie in den Müll zu werfen. Dies schont die Umwelt, vermeidet Plastikabfall und hilft Menschen, die auf das Sammeln von Pfand angewiesen sind.“
Dass mittels der Pfandringe an gut frequentierten Plätzen Holzgerlingens jetzt aus Wegwerfen ein Weitergeben werden kann, ist dem Engagement der Schülerinnen Anika Dieterle, Leonie Schoppet und Theresa Dickes zu verdanken. Auf dem Weg zum Abitur, dass sie diesen Sommer am Schönbuchgymnasium (SGH) ablegen wollen, haben sie das Projekt im Rahmen ihres Seminarkurses „Interkulturalität“ gestartet. Genauer gesagt: Für ihre Seminararbeit hatten sie sich dem Bereich „Nachhaltigkeit“ verschrieben und sind dafür auf das Thema „Pfandringe“ gestoßen.
„Auf die Idee gebracht hat uns ein Kumpel aus Hamburg, der uns von Pfandringen erzählt hat“, blicken die drei Schülerinnen zurück. Ein Nachhaltigkeits-Angebot, dass es in Holzgerlingen noch nicht gab – sie aber realisieren könnten. In die Projektphase eingestiegen sind die drei jungen Damen vor gut einem Jahr. Und das erste Problem folgte auf dem Fuß. Anika Dieterle, Leonie Schoppet und Theresa Dickes lernten, dass die Pfandringe patentiert sind – Exemplaren der Marke Eigenbau, die sie eigentlich herstellen wollten, war somit ein Riegel vorgeschoben.
Das nächste Problem folgte auf dem Fuß: Denn die Pfandringe sind alles andere als günstig – fast 250 Euro kostet das Stück. Rückenwind für das Projekt gab’s dagegen sofort von anderen Stellen. So auch von Bürgermeister Ioannis Delakos, der nicht nur direkt sein Ja dafür gab, dass Pfandringe an den Mülleimern montiert werden dürfen, sondern auch Unterstützung zusicherte, dass Bauhof-Mitarbeiter die Montage ausführen würde. Über den Handels- und Gewerbeverein schrieben die drei Schülerinnen dann sämtliche Holzgerlinger Firmen an und baten um Spenden, erhielten vom Verein der Freunde des SGH einen weiteren Betrag, sodass sie am Ende knapp 2500 Euro für die zehn Ringe einsammeln konnten.
Was folgte, war die Kür: Einerseits durften Anika Dieterle, Leonie Schoppet und Theresa Dickes die Pfandringe bestellen und sich für die zehn Standorte entscheiden, die sich alle an zentralen Plätzen befinden. So an der Haltestellen Hülben, im Freizeitgelände Rosswiesen, am Schönbuch-Gymnasium oder in der Innenstadt. Dazu durften sie ihr Projekt bereits in der Schule präsentierten – und dafür jeweils 13 Punkte – eine Schulnote 1 minus - einkassieren, die übrigens voll in die Abiturprüfungsnoten mit eingerechnet werden. Von Bürgermeister Ioannis Delakos gibt’s sogar eine glatte 1,0: „Ich sehe in diesem Pfandring-Projekt nur Positives. Drei Schülerinnen, die ihren Seminarkurs nutzen, um nachhaltig und sozial zu wirken. Dazu viel Unterstützung von verschiedenen Seiten in Holzgerlingen - was wieder einmal zeigt, wie gewinnbringend dieser große Zusammenhalt in unserer Stadt ist. Mein herzliches Dankeschön geht an Anika Dieterle, Leonie Schoppet und Theresa Dickes sowie an alle, die mit dazu beigetragen haben, dass dieses tolle Projekt realisiert werden konnte.“
Hintergrund: Pfandringe bieten die Möglichkeit, Pfandflaschen einfach und sichtbar abzustellen, damit diese dem Recycling zurückgeführt werden können. Sammler dürfen das Pfandgut mitnehmen und einlösen. Pfandringe stellen deshalb einen gemeinschaftlichen Beitrag dar, der sowohl sozial, als auch ökologisch und ökonomisch wertvoll ist.



