

Genuss international. Erinnern wir uns an die 1980er Jahre in Mitteleuropa. Die weltpolitische Stimmung verursachte ein heute leider vertrautes Gefühl der allgemeinen Unsicherheit, dafür war von der Klimaerwärmung noch nichts zu merken – mit allen Vor- allerdings auch Nachteilen.
Die Sorgenfalten der schwäbischen Winzer wurden mit jedem Spätfrost, jedem Hagelunwetter und jedem Pilzbefall furchiger. Vielerlei Unbill, mit dem ein junger Winzer nicht sein Leben teilen wollte: Friedrich Schatz aus Korb im Remstal machte sich auf die Suche nach alternativen Weinbauregionen. “Ohne Internet, Anfang der 80er Jahre”, erzählt er. Der damals 18-Jährige studierte einschlägige Literatur und machte sich auf Reisen, um vielversprechende Weinbaugebiete kennenzulernen. Dann war es Liebe auf den ersten Blick.
Friedrich Schatz fand in Südspanien die Finca Sanguijuela, einen magischen Platz nördlich von Ronda auf 700 Metern Seehöhe und schuf sich sein Paradies. Auf einem bestehenden Weinberg experimentierte er mit verschiedenen Rebsorten, u.a. mit Lemberger. Der Wahl-Spanier arbeitete zuerst biologisch, dann biodynamisch. Er lernte spanisch (“Wir Schwaben können alles, nur nicht Hochdeutsch”) und mutierte vom deutschen Friedrich zum beliebten Federico.
Weinbau spielte in Ronda der frühen 1980er Jahre eine wahrlich untergeordnete Rolle. Um das Gebiet zu einer anerkannten Weinbauregion zu entwickeln, suchte er sich Mitstreiter, die er unter anderen in Alfonso Prinz zu Hohenlohe fand, dem Gründer des legendären Marbella Clubs, einem Treffpunkt internationaler Prominenz.
Auch er hatte in den 80er Jahren ein Weingut bei Ronda gegründet und gemeinsam etablierten sie die DO Ronda. Durch die verschiedenen Einflüsse (unter anderem pflanzte der bekannte Winemaker Michel Rolland für Hohenlohe 18.000 französische Rebstöcke) ist der Sortenspiegel sehr international: Sauvignon Blanc, Chardonnay, Grenache/Garnacha, Petit Verdot, Cabernet Sauvignon, aber auch Lemberger und sogar Zweigelt spielen eine Rolle.
Friedrich Schatz empfängt uns auf seiner Finca unter Pinien und zeigt uns mit herrlichem Panoramablick seine Weingärten. Sein Weingut ist wie ein Biosphären-Park, jede Pflanze spielt eine Rolle. Die Pinien sind Heimat zahlreicher Vögel, die wiederum die Insektenpopulation regulieren. Myrten halten Schädlinge ab, andere Pflanzen wiederum reichern die Erde an.
Schatz erzählt von einem weiteren Vorzug der Region, von Mai bis Oktober gibt es de facto keinen Niederschlag, weshalb Pilzkrankheiten keine Rolle spielen und der Verzicht auf Spritzmittel leicht fällt. Seit über vier Jahrzehnten pflegt Schatz nun sein Bio-Paradies und das schmeckt man in seinen Weinen, seine Handschrift ist durchgängig erkennbar, die Weine haben Charakter. Sein Acinipo 2022 ist ein reinsortiger Lemberger und gefällt mit würzigen Kräutern, dunklen Beeren und Wildkirschen. Finca Sanguijuela 2017 ist eine Cuvée aus Tempranillo, Cabernet Sauvignon und Merlot und zeigt internationales Spitzenformat.
Önotourismus spielt ob der Nähe zu den mediterranen Tourismushotspots eine wichtige Rolle. Auch die Familie Schatz will noch dieses Jahr ein gediegenes Gästehaus mit mehreren Einheiten eröffnen. Das ermöglicht nicht nur ein 360-Grad-Fincaerlebnis ohne Autofahrten, auch ein kleiner Pool mit herrlichem Panorama lädt zum Entspannen ein. Das Klima ist hier nämlich nicht nur für Reben erholsam, es ist es auch für Menschen.
Nicht einmal 50 Kilometer Luftlinie nördlich der Küste befindet sich die DO Ronda, eine der jüngsten und agilsten Weinbauregionen Spaniens. Die Geschichte ist allerdings wechselhaft: Zum Ende des 19. Jahrhunderts waren um Ronda noch etwa 13.500 Hektar mit Reben bepflanzt, dann brach die Reblauskatastrophe herein. Danach waren es nur noch 238 Hektar.
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Die Weinberge liegen auf einer Seehöhe von bis zu tausend Metern und der klimatische Einfluss kommt überwiegend vom kühlen Atlantik, der Gebirgszug Serrania de Ronda mit bis zu 1.900 Metern hohen Gipfeln schirmt das Gebiet vom Mittelmeer ab. Mäßig heiße Tage und sehr kühle Nächte machen den Weinbau umso attraktiver, die großen Temperaturunterschiede fördern die Aromaausprägung. Hinzu kommt eine wünschenswert lange Vegetationsperiode und das überwiegende Ausbleiben von Widrigkeiten wie Spätfrost oder Hagel.
Am Donnerstag, 12. März, lädt die Lembergerland Kellerei Rosswag eG von 18 bis 22 Uhr zu einem Highlight im Rahmen der Tasting-Tage ein: „Lemberger International“ – eine offene Weinverkostung mit befreundeten Weingütern aus ganz Europa in der Vinothek Rosswag. Im Mittelpunkt steht der Lemberger in all seinen Facetten – international bekannt als Blaufränkisch oder Kékfrankos. Besucher haben die Gelegenheit, die Vielfalt dieser charakterstarken Rebsorte im direkten Vergleich zu entdecken und sich mit den Winzerinnen und Winzern persönlich auszutauschen.
Folgende Weingüter präsentieren jeweils fünf ausgewählte Weine:
Weingut Heimann & Fiai – Szekszárd, Ungarn
Bodega F. Schatz – Ronda, Spanien
K+K Kirnbauer – Deutschkreutz, Österreich
Weingut roterfaden – Vaihingen/Enz
Württemberger Weinbergwerk – Neckar/Enz,
Lembergerland – Vaihingen/Enz
So entsteht ein spannender europäischer Dialog im Glas – von der Württemberg über das österreichische Burgenland bis nach Ungarn und Spanien. Für das leibliche Wohl sorgt „Heimweh & Fernweh“ Catering, das vor Ort passende Speisen anbietet. Informationen und Anmeldung: www.lembergerland.de
Autor Bernard Degen lebt in Wien und ist Chefredakteur Wein und Online von Gault & Millau Österreich und berichtet auf gaultmillau.at über das aktuelle Geschehen in der Wein- und Kulinarikbranche.




