

Sindelfingen. Zum Start des Schuljahrs 2024/25 gab es für die Sindelfinger Gymnasialschüler nicht nur Kontakt mit neuem Lernstoff. Viele machten auch in der Mensa eine neue Erfahrung. Denn im September 2024 wurde erstmals das Schulessen an allen vier Sindelfinger Gymnasien von einem einzigen professionellen Caterer bereitgestellt. Und bei vielen kam das nicht gut an. Unmut, Klagen und Verzicht auf Mensakost waren die Folge.
Im November 2025 räumte der Caterer Clever Essen – Apetito catering Education bei einem Auftritt im Ausschuss für Bildung und Betreuung (ABB) anfängliche Probleme ein und entschuldigte sich dafür, beschrieb aber auch seither eingeführte Korrekturen. Die Unternehmensvertreter machten damals auch klar, dass sich die Essenszahlen wieder erhöhen müssen, damit sich das Catering für Clever-Essen rechne.
Schon zwei Wochen nach dem damaligen Auftritt im Ausschuss aber kündigte Apetito catering Education ordentlich den Vertrag bis zum 31.12.2026 aus wirtschaftlichen Gründen. Darüber hatte die Verwaltung bereits im Januar mündlich informiert. Damit wird eine Neuausschreibung der Mittagessen-Versorgung für alle vier Gymnasien fällig. Die Verwaltung legt nun einen Beschlussvorschlag zur Neuausschreibung für das gymnasiale Mittagessen-Paket vor, damit ein neuerer Caterer Januar 2027 starten kann.
Als Basis der Neuausschreibung dient der Anforderungskatalog, der bereits Grundlage der Ausschreibung 2024 war. Allerdings werden Konsequenzen aus den Erfahrungen gezogen und die Leistungsbeschreibung von 2024 modifiziert. So wird nun die Einführung einer dritten Menülinie zur Auswahl verpflichtend gefordert mit Salatteller mit wechselnder Sättigungsbeilage oder „Topping“ wie etwa Maultaschen zur Selbstbedienung von der Salattheke. Dazu wird Einführung einer ständig auswählbaren Pasta-Linie mit zwei verschiedenen wechselnden Saucen zur Auswahl Pflicht.
Zudem sollen sich die Portionsgrößen mehr an den realen Bedürfnissen der Schüler orientieren, nicht allein an den Vorgaben der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung). Zuletzt muss sich ein Caterer auf eine kontinuierliche Qualitätsprüfung einstellen und mit Vertragsstrafen rechnen. Im ABB erfolgt letztlich einstimmige Zustimmung zum Vorschlag der Verwaltung. Vielfach wird aber bezweifelt, dass die bisherigen Ausgabepreise für das Mensa-Mittagessen an Gymnasien beibehalten werden können, zumal laut Verwaltung Clever-Essen wirtschaftliche Gründe als Kündigungsgrund angegeben hatte.
Dabei hatte das Unternehmen die damalige Ausschreibung für sich auch deshalb entschieden, weil es mit 5,09 Euro pro Essen einen überraschend günstigen Abgabepreis angeboten hatte – gerechnet hatte die Verwaltung schon damals mit Preisen zwischen 8 und 9 Euro. Nach der Senkung der Gastro-Mehrwertsteuer beträgt der Elternanteil regulär für ein Mensa-Mittagessen an den Gymnasien momentan 3,87 Euro pro Essen, die Stadt bezuschusst mit 0,91 Euro. Eltern mit Berechtigungskarte zahlen 1 Euro pro Essen. „Die Verbesserungen, die drin sind, sind gut“, lobt Christian Sommer (Grüne) wie die übrigen Ausschussmitglieder die Anpassungen bei der Neuausschreibung. Allerdings wird schon intensiv über Preise und Bezuschussung nachgedacht.
Unterstützung für tatsächlich Bedürftige
Martin Wenger (SPD) verweist darauf, dass an seiner Uni Studenten nur die Hälfte für das Mensa-Mittagessen zahlten. Eine Festlegung auf die fixe Zuschusshöhe von 0,91 Euro schon jetzt macht er nur ungern. Bringe die Neuausschreibung Abgabepreise von 7 Euro oder mehr, müsse man eventuell über eine Zuschusserhöhung nachdenken, so Wenger. Andreas Knapp (FDP) lobt zunächst die Nachbesserung bei den Portionsgrößen.
80 Gramm – gemeint ist offenbar die derzeit maximale Fleischportion – reiche vielleicht einem „magersüchtigen Mädchen“, nicht aber einem pubertierenden Jungen. Hinter die bisherige städtische Zuschuss-Regelung setzt er ein Fragezeichen und denkt in Richtung gezielter Unterstützung für tatsächlich Bedürftige. „Wir sind keine Versammlung der Armen“, so Knapp.
Das Ziel müsse zwar eine wirtschaftlich tragfähige Lösung für den Anbieter sein, sagt Andreas Schaab (AfD). Der Abgabepreis aber solle bei rund 5 Euro bleiben, so Schaab, der sich für die Prüfung weiterer Entlastungsmöglichkeiten für Familien ausspricht. „Wenn der Fokus auf der Qualität des Essens liegt, werden wir uns mit massiven Erhöhungen konfrontiert sehen“, sagt Dr. Ingo Sika (Freie Wähler) voraus auch angesichts steigender Preise infolge der Krise in Nahost. Dabei heiße es in der Haushaltsstrukturkommission „jeder muss leiden“, 10 Prozent Einsparung städtischer Ausgaben wie in anderen Bereichen müssten also eventuell auch hier ins Auge gefasst werden.
Wenn die Mensa-Ausgabepreise dagegen stabil bleiben sollen, müsse man alternativ an der Essensqualität Abstriche machen. Dr. Sika empfiehlt, sich auf die gezielte Unterstützung tatsächlich bedürftiger Familien zu konzentrieren statt Unterstützung nach dem Gießkannenprinzip. Dem schließt sich Ulrike Rapp (CDU) an: „Das ist ein grundsätzlich guter Gedanke, die zu fördern, die sich das nicht leisten können.“ Allerdings, so Rapp, handle es sich hier um ein grundsätzliches Problem deutscher Förderpraxis.
„Die Liste der Grausamkeiten trifft vor allem Familien“, folgt die sachkundige Einwohnerin Ursula Merz (Vielfalt/Linke plus) der Position von Martin Wenger, die 0,91 Euro nicht zu zementieren. Man habe bei Einführung des neuen Catering-Systems 2024 beschlossen, den städtischen Zuschuss bei 0,91 Euro einzufrieren, erinnert Erster Bürgermeister Christian Gangl an zwei Seiten dieser Regelung. Einerseits tragen Essenspreissteigerungen die Eltern allein. Andererseits werden die 0,91 Euro auch in der laufenden Haushaltskonsolidierung nicht abgesenkt. „Was rauskommt, müssen wir abwarten“, verweist Gangl darauf, dass erst das Ausschreibungsergebnis Klarheit zu Preisen bringen wird. Der Gemeinderat kann auf seiner Sitzung die Vorlage zur Neuausschreibung der Mittagessen-Vergabe an den Gymnasien beschließen.




