

„Sieben, acht, neun“ “, tönt der Mikrocheck aus den Lautsprechern der Messehalle. Der Chor „Vocal Explosion“ unter der Leitung von John Outland probt noch die ersten Takte seiner Lieder für die Eröffnung. Hier und da ist das hohe Surren eines Akkuschrauber zu vernehmen. Aussteller hängen ihre Bilder an den passenden Haken an der Wand. Die letzten Vorbereitungen für die Eröffnung der Kunstmesse „Arte“ laufen auf Hochtouren.
Auch Aussteller Christopher Cocks befreit seine Werke noch von möglichen Staubkörnern, bevor die Besucher kommen. Der 57-jährige Fotograf aus Backnang ist einer der rund 70 regionalen Künstlern. Denn unter dem Motto „Zeitgenössische Kunst für die Region“ liegt der Fokus der „Arte“ in diesem Jahr besonders auf dem Kunstgeschehen hier aus der Region.
Im Gepäck hat Christopher Cocks jede Menge Fotografie-Werke, die Kunst und digitales Handwerk vereinen. Einige der verwendeten Kunstwerke stammen von Ruth Schleeh aus Weil der Stadt. „Meine Werke sollen so realistisch wie möglich sein, aber dennoch genug Spielraum für Fantasie lassen und so den Zuschauer mitnehmen“, so Christopher Cocks, der ursprünglich aus Großbritannien stammt.
Ein paar Stände weiter, zeigt sich ein bekanntes Gesicht aus Sindelfingen. Die Künstlerin Sissi Katefidis, die mit zwei weiteren Künstlerinnen das Atelier „Kunstraum“ an der Martinskirche betreibt, stellt auch in diesem Jahr ihre Werke auf der „Arte“ aus. „Meine Inspiration hole ich mir meistens aus der Natur“, so Katefidis. So lassen sich auch die mediterranen Motive, wie etwa Olivenzweige, in ihren Werken erklären. „Ich war schon einmal bei einer Olivenernte dabei. Da sieht man tolle Farben von grün bis lila, das gibt viel her“, so die 61-jährige Sindelfinger Künstlerin.
Der Möglinger Künstler Jürgen Ehwert ist dagegen vor allem von Menschen fasziniert. „Mich begeistern alle Facetten des Menschen“, so der 59-Jährige. In seinen Werken verarbeitet er aber auch oft auf bizarre Art und Weise Themen, die ihn beschäftigen. „Oft träume ich von etwas und sehe beim Aufwachen dann das Bild vor mir“, erklärt er. Für seine Werke kombiniert er alte Meistertechniken mit neuer Lasurtechnik.
Die breiten Gänge und offenen Messestände und vor allem die großzügig angelegte Baum-Allee im Erdgeschoss mit Sitzmöglichkeiten laden zum Schlendern und Verweilen in der Welt der Kunstwerke ein. Während sich an der einen Ecke bunte Pinselstriche auf einer Leinwand vergnügen, tanzt an einer anderen Ecke eine Kuh-Skulptur Ballett. Als Neuerung bietet die Messe in diesem Jahr auch Führungen mit Kunsthistorikerin Dr. Anette Ochsenwadel an. „Für die „Arte“ haben wir ein schönes, offenes und luftiges Konzept gewählt“, so Galerist und Künstler Andreas Kerstan, der im Jahr 2015 die Idee hatte, der zeitgenössischen Kunst in Sindelfingen ein eigenes Messe-Format zu widmen. „Kunst braucht Platz und ich glaube den Platz bieten wir der Kunst.“
Mit rund 7 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche hat sich die „Arte“ im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Insgesamt 140 Aussteller von Italien über Dänemark bis hier aus der Region finden Platz, um ihre Werke einem bunten Publikum vorzustellen. „Wir geben auf der „Arte“ sowohl bereits etablierten Künstlern aus der Region und darüber hinaus auch den vielversprechenden Talenten der Szene und deren neuen, frechen künstlerischen Konzepten eine Bühne“ so Kerstan.
Das Konzept scheint beim Publikum anzukommen. „Ich freue mich sehr auf die Messe. Alles sieht hier so hell und übersichtlich aus und es gibt viel offenen Raum“, so Susanne Zimmermann aus Leonberg, die mit ihren Freundinnen zum ersten Mal die „Arte“ besucht. Zwar spielt der zehnjährige Lias Münter aus Esslingen lieber Fußball, doch bei seiner Großmutter Gaby Pühmeyer, die ihre Werke auf der Messe ausstellt, hat er schon die eine oder andere Figur aus Ton geformt. Daher ist es für ihn klar, dass er seine Oma auch hier in Sindelfingen besuchen kommt und sich die ein oder anderen Kunstwerke anschaut. „Ist ganz interessant“, lautet sein Fazit.
Auch dieses Jahr findet auf der „Arte“ wieder die Aktion „Art4Kids“ statt. Hierfür werden am Stand auf der Galerie der Messe Werke des ghanaischen Malers Godwin Adjei Sowah und die seiner Schüler verkauft. Der Erlös kommt der „Baobab Children Foundation“ zugute, die sich für den Aufbau eines Jugendausbildungszentrums in Ghana einsetzt.
Rebekka Groß ging gerne auf Entdeckungstour durch die Sindelfinger Kunstmesse und fand es spannend, einen Einblick in die Werke der Künstler zu bekommen.
Info
Die „Arte“ 2018 findet noch vom 2. bis einschließlich 4. März in der Messe Sindelfingen statt. Am Freitag und Samstag ist die Messe von 11 bis 20 Uhr geöffnet, am Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Weitere Informationen zur Messe im Netz unter www.arte-messe.de
Fotografieren ist Christopher Cocks Leidenschaft - das zeigen auch seine Werke, die er auf der „Arte“ ausstellt. Bild: Groß
Künstlerin Astrid Bergmann trifft an ihrem Stand noch die letzten Vorbereitungen vor der Eröffnung der Messe und legt kurzerhand noch selbst mit dem Akkuschrauber Hand an. Bild: Groß




