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Böblingen: Zum 30. Geburtstag des Bauernkriegsmuseums vergibt Oberbürgermeister Wolfgang Lützner den Kulturpreis 2018 an den ehemaligen Kulturamtsleiter Dr. Günter Scholz

Stolz auf das historische Erbe der Stadt

Von diesem Tag vor 30 Jahren hat Dr. Günter Scholz noch jede Minute im Kopf. Bei einem Schneetreiben ist 1988 das erste Bauernkriegsmuseum der Bundesrepublik in Böblingen eingeweiht worden. Für seinen ehrenamtlichen Einsatz seit der Pensionierung 2005 hat Günter Scholz am Sonntag den Kulturpreis der Stadt Böblingen bekommen.
Von unserem Redaktionsmitglied Peter Bausch

„Keine Regel ohne Ausnahme“, sagt Oberbürgermeister Wolfgang Lützner, der diese Woche aus dem verschneiten Italien zurückgekommen ist. Erst im Oktober hat er bei den baden-württembergischen Literaturtagen den Kulturpreis 2017 an den in Böblingen aufgewachsenen Schriftsteller Michael Kleeberg vergeben und normalerweise wäre die nächste Auszeichnung erst 2019 fällig gewesen. Weil aber das Bauernkriegsmuseum an der Pfarrgasse, übrigens bei herrlichem Sonnenschein, seinen 30. Geburtstag feiert, packt Wolfgang Lützner die Gelegenheit beim Schopf und ehrt den Vater und ersten Leiter des Bauernkriegsmuseums.

Den Kulturpreis gibt es nicht für das berufliche Engagement des langjährigen Kulturamtsleiters, sondern für die ehrenamtlichen Aktivitäten des Günter Scholz, der als Chef der Museumsfreunde, als Nachtwächter mit seinen Führungen oder als Autor das Kulturleben der Stadt prägt. Günter Scholz hat 2016 mit dem Buch „Habe ich nicht genug Tumult ausgelöst? Martin Luther in Selbstzeugnissen“ bundesweit Aufsehen erregt und präsentierte am Sonntag in der Zehntscheuer die druckfrische Broschüre mit dem Titel „Unsere Zukunft liegt in der Luft“. Im dritten Band der Beiträge zur Böblinger Geschichte geht es um den Böblinger Luftfahrtpionier und Ehrenbürger Dr. Hanns Klemm.

Das neue Buch passt zur Idee, die Günter Scholz seit seinem Studium in Tübingen von Geschichte hat: „Kultur sorgt für ein Wir-Gefühl, Kultur macht eine Stadt zur Heimat. Gerade hier, in der Menschen aus aller Frauen Länder leben.“ Wichtig ist dem Historiker der Bezug zur Stadt und dazu gehört der Bauernkrieg mit seiner Schlacht am 12. Mai 1525 auf dem Goldberg zwischen Böblingen und Sindelfingen: „Wir sind stolz auf das historische Erbe der Stadt.“

Vor über 30 Jahren hat der „Spiegel“ über die Böblinger Idee gelächelt, ein Bauernkriegsmuseum aufzubauen. Das Thema hatte die DDR für sich vereinnahmt und 1975 den 450. Jahrestag mit dem Panoramabild von Werner Tübke in Bad Frankenhausen gefeiert. „Böblingen ist damals gegen den Strom geschwommen“, sagt Günter Scholz, der den Holzschneider HAP Grieshaber als einen Geburtshelfer für das Museum sieht: „Ohne den Einsatz der Künstler würde es das Haus vielleicht gar nicht geben.“

Das „lebendige Forum der Geschichte und der Gegenwart“ sollte nach der Einweihung 1988 mit einer Ausstellung über Thomas Müntzer neue Maßstäbe setzen. Günter Scholz wartet zwar bis heute auf eine Antwort aus Ost-Berlin auf die Eingabe, die Oberbürgermeister Alexander Vogelgsang und der damalige Berliner Bürgermeister Walter Momper dem DDR-Staatsrat übermittelt hatten: „Wir haben beim Fall der Mauer begriffen, warum wir keine Antwort bekommen haben.“

Zusammen mit seiner Frau Uta ist Günter Scholz aber gleich nach der Wende in die DDR gefahren und hat Exponate für die Müntzer-Ausstellung vor Ort besorgt. Die Kontakte zu Ostdeutschland hat Günter Scholz, selbst 1940 in Plauen geboren, weiter gepflegt. Der Maler Werner Tübke wurde zum Freund: „Wir hätten die Entwürfe für sein Panoramabild in Bad Frankenhausen hier in Böblingen haben können, aber keinen Platz in der Zehntscheuer.“

Mit 77 Jahren träumt Günter Scholz jetzt von einer Aufbruchstimmung, seitdem Verwaltung und Gemeinderat daran denken, die „längst überfällige Entflechtung von Galerie und Bauernkriegsmuseum“ mit einem Neubau für die Galerie zu vollziehen: „Wenn meine Nachfolgerin Cornelia Wenzel mehr Platz hat, werde ich gerne noch einmal einen Versuch mit den Entwürfen von Werner Tübke starten.“

Peter Bausch schreibt seit 1977 für die Sindelfinger Zeitung und hat die Anfänge des Bauernkriegsmuseums in Böblingen journalistisch begleitet. Zusammen mit Dr. Günter Scholz hat der Journalist im letzten Oktober eine SZ/BZ-Leserreise auf den Spuren der Reformation nach Torgau und Wittenberg geleitet.

Oberbürgermeister Wolfgang Lützner (links) übergibt den Kulturpreis 2018 an Dr. Günter Scholz, der das Bauernkriegsmuseum in der Zehntscheuer vor 30 Jahren eröffnet hat. Der Historiker, der bis 2005 das Amt für Kultur auf dem Rathaus leitete, engagiert sich im Ruhestand nicht zuletzt bei den Museumsfreunden für die Kultur und bekam die Bronze-Skulptur der „Schwarzen Hofmännin“ Margarete Renner von Andreas Richert. Bild: Stampe