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Gottlieb-Daimler-Schulen

Technikermesse in Sindelfingen: Wenn Schüler die Probleme der Industrie lösen

Die Abschlussprojekte an den Gottlieb-Daimler-Schulen reichen von intelligenter Messtechnik bis zu nachhaltiger Wasseraufbereitung und zeigen das Potenzial der Fachkräfte von morgen.
Von Christopher Humke und Maike Kilper
Gruppenbild mit G-Klasse: Landrat Roland Bernhard (Zweiter von rechts) nach erfolgreicher Demonstration des Projektes.

Gruppenbild mit G-Klasse: Landrat Roland Bernhard (Zweiter von rechts) nach erfolgreicher Demonstration des Projektes.

Bild: GDS

Sindelfingen. In Zeiten wirtschaftlicher Veränderungen und großer technologischer Herausforderungen wird deutlich, wie wichtig es ist, sich weiterzuentwickeln, neue Ideen zu verfolgen und innovative Lösungen zu schaffen. An der Technikermesse der Gottlieb-Daimler-Schulen stellen die angehenden Technikerinnen und Techniker mit ihren Abschlussarbeiten genau das unter Beweis.

Der Landkreis Böblingen beheimatet einige der größten Firmen Deutschlands und deren Zulieferbetriebe. Um weiterhin als Standort interessant zu sein, ist es unumgänglich, innovativ an neuen Ideen zu feilen. Landrat Roland Bernhard betonte dabei gerade die Beruflichen Schulen und deren Weiterbildungsmöglichkeiten als elementaren Faktor, um dem Fachkräftemangel zu begegnen: „Als Hochtechnologiestandort hängt die Zukunft unseres Landkreises von den klügsten Köpfen und geschicktesten Händen ab. Bei der Technikermesse zeigt sich, dass wir weiterhin beste Zukunftsaussichten haben. Die Technikermesse ist ein jährlicher Höhepunkt.“

Freude über Wertschätzung

Die Schulleiter der Gottlieb-Daimler-Schulen, Dr. Christian Hopf und Jürgen Patermann, waren von der Wertschätzung ihrer Schulen und das hohe Interesse des Landrats begeistert. Auch dass der neue Sindelfinger Oberbürgermeister Markus Kleemann die Messe für seinen Erstbesuch an den Gottlieb-Daimler-Schulen ausgewählt hat, sorgte bei beiden für Freude.

Aber was genau heißt es eigentlich, eine Technikerarbeit zu erstellen? Um die Urkunde zum staatlich geprüften Techniker zu bekommen, müssen die Schüler erneut für zwei Jahre oder für vier Jahre im Abendunterricht die Schulbank drücken. Dabei vertiefen sie sich in ihr Fachgebiet und in allgemeine Fächer wie etwa berufliche Kommunikation. Am Ende steht dann die größere Projektarbeit, die gemeinsam mit Firmen, Forschungsinstituten oder Schulen Probleme aus der industriellen Praxis lösen soll. Hier reichen die Aufgabenstellungen von verbesserter Abwasserreinigung, über verbesserte Messtechnik bis hin zu innovativen Produktionsmethoden. Je nach Fachgebiet betreffen die Entwicklungen alle Bereiche im technischen Betrieb.

Sensorsystem für Crash-Test-Dummies

Beispielsweise haben die Schüler im Bereich der Mechatronik ein Sensorsystem für Crash-Test-Dummies entwickelt und programmiert, das beim Aufprall verschiedene Messwerte zuverlässig erfasst, ausliest und analysiert. Dabei setzten sie sich intensiv mit der Sensorprogrammierung, der Datenauswertung sowie den hohen technischen Anforderungen solcher Systeme auseinander. Zudem berücksichtigten sie internationale Standards und die geltenden Richtlinien, um ein praxisnahes und realitätsgetreues Konzept zu erarbeiten. Durch diese Innovation können die Daten nicht nur firmenintern, sondern auch international genutzt werden.

In der Automatisierungstechnik setzte eine Gruppe hingegen die Entwicklung und Konstruktion einer kompakten 5-Achs-Fräsmaschine für die Steinsetzung in der Uhren- und Schmuckindustrie um. Ziel war es, eine hochpräzise und zugleich platzsparende Lösung zu entwickeln, die auf nur einem Quadratmeter Bodenfläche eingesetzt werden kann. Durch die innovative Maschinenarchitektur ist die Fräsmaschine für den industriellen Einsatz ausgelegt und ermöglicht einen zuverlässigen 24/7-Betrieb. Die Arbeit vereint anspruchsvolle Konstruktion, Präzisionstechnik und praxisnahe Automatisierung in einem zukunftsorientierten Maschinenkonzept.

Firmen können viel Geld einsparen

Manchmal sind es jedoch auch kleine, auf den ersten Blick unscheinbare Veränderungen, durch die Firmen viel Geld einsparen können. In der Maschinentechnik kann die Verbesserung von Messstationen dazu führen, dass Probleme in der Produktion oder im Betrieb der Bauteile frühzeitig erkannt werden. Durch die Optimierung einer Messkopfkalibrierstation werden bei Autoreifen Materialfehler im Produktionsprozess direkt erkannt und so gelangen fehlerhafte Reifen nicht in den Verkauf.

Eine andere Gruppe wiederum hat einen Prüfstand für Stoßdämpfer entwickelt, mit dem die Funktionsfähigkeit und Qualitätskonstanz der Dämpferventile sichergestellt werden kann. Durch die sich ergebenden Messwerte kann bei Tests genau nachvollzogen werden, wann die Dämpfereigenschaften nicht den Zielvorgaben entsprechen. So kann das Produkt effizient verbessert werden.

Frischwasser einsparen

Effizienz ist ebenfalls ein Thema, wenn es um den Einsatz von Wasser im Produktionsprozess geht. Frischwasser und die am Ende stehende Abwasserentsorgung erzeugen bei Firmen hohe Kosten. Aus diesem Grund haben sich zwei Gruppen aus der Beschichtungstechnik mit verschiedenen Möglichkeiten der Abwasseraufbereitung und -behandlung beschäftigt. Durch Experimente mit verschiedenen chemischen oder technisch-physikalischen Lösungsansätzen haben die Schüler untersucht, wie man möglichst viel Frischwasser durch die Wiederaufbereitung einsparen kann. Außerdem arbeiteten sie heraus, mit welchen Mitteln möglichst wenig Sondermüllschlamm entsteht, damit die Entsorgungskosten spürbar sinken.

Die Schulleiter der Gottlieb-Daimler-Schulen können auch dieses Jahr wieder beobachten: Bei solchen Ergebnissen können die Firmen der Absolventen sich glücklich schätzen. Mit den erarbeiten Technikerarbeiten lässt sich bei Firmen Geld sparen und die Qualität sichern, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.